Das Klima verteidigen und gleichzeitig den Weltenbrand vorbereiten

Anfang Oktober war Italien Gastgeber des Vorbereitungstreffens für die UN-Klimakonferenz. Zwei Wochen später war Italien Gastgeber eines weiteren internationalen Ereignisses, das im Gegensatz zum ersten, gross angekündigten Ereignis von der Regierung stillschweigend übergangen wurde: die Nato-Atomkriegsübung Steadfast Noon am Himmel über Nord- und Mittelitalien. Die Luftstreitkräfte von 14 Nato-Ländern nahmen daran sieben Tage lang unter amerikanischem Kommando mit Jagdbombern teil, die sowohl nuklear als auch konventionell eingesetzt werden können und sich auf den Stützpunkten Aviano und Ghedi befinden.
  Das 31. US-Geschwader ist mit F-16C/D-Jagdbombern und B61-Atombomben ständig in Aviano stationiert. In Ghedi ist das 6. Geschwader der italienischen Luftwaffe mit Tornado PA-200-Jagdbombern und B61-Atombomben stationiert. Die Federation of American Scientists bestätigte 2021, dass «die italienische Luftwaffe mit nuklearen Angriffsmissionen mit US-Bomben beauftragt wird, die in Italien unter der Kontrolle der US-Luftwaffe gelagert werden und deren Einsatz im Krieg vom Präsidenten der Vereinigten Staaten genehmigt werden muss». Die Luftwaffenstützpunkte Aviano und Ghedi wurden für die Aufnahme von F-35A-Kampfflugzeugen, die mit den neuen B61-12-Atombomben ausgerüstet sind, umgebaut. Im vergangenen Oktober fand in Nevada der letzte Test statt, bei dem zwei F-35A-Kampfflugzeuge inaktive B61-12 abgeworfen haben. Bald werden die neuen Atombomben in Italien eintreffen: Allein auf dem Stützpunkt Ghedi können 30 italienische F-35A-Kampfflugzeuge stationiert werden, die unter US-Kommando mit 60 B61-12-Atombomben angreifen können.
  Eine Woche nach der Teilnahme an der Atomkriegsübung nahm Italien an der UN-Konferenz zum Klimawandel teil, deren Vorsitz das Vereinigte Königreich gemeinsam mit Italien innehat. Der britische Premierminister Boris Johnson warnte, dass «es eine Minute vor zwölf ist und wir jetzt handeln müssen», um die globale Erwärmung zu bekämpfen, die den Planeten zerstört. Damit instrumentalisierte er die symbolische Apokalypse-Uhr, die tatsächlich anzeigt, wie viele Minuten wir noch von der nuklearen Katastrophe entfernt sind. Boris Johnson selbst hat vor einigen Monaten, im März, die Aufrüstung der britischen Atom-U-Boote angekündigt: Astute (Preis 2,2 Milliarden Dollar pro Stück), bewaffnet mit US-amerikanischen atomaren Marschflugkörpern Tomahawk IV mit einer Reichweite von 1500 km, und die Vanguards, bewaffnet mit 16 US-amerikanischen ballistischen Trident D5-Raketen mit einer Reichweite von 12 000 km, bestückt mit über 120 Atomsprengköpfen. Letztere werden bald durch die noch leistungsfähigeren U-Boote der Dreadnought-Klasse ersetzt. Die britischen Atomangriffs-U-Boote, die tief an den Küsten Russlands kreuzen, fahren jetzt auch an den Küsten Chinas entlang, ausgehend von Australien, an das die USA und Grossbritannien Atom-U-Boote liefern werden. Grossbritannien, das die Konferenz zur Rettung des Planeten vor der globalen Erwärmung ausrichtet, trägt damit zum Wettrüsten bei, das die Welt in die nukleare Katastrophe führen kann.
  Vor diesem Hintergrund ist das Werbevideo der Konferenz irreführend: Der Dinosaurier, Symbol einer ausgestorbenen Art, warnt vom Podium der Vereinten Nationen aus die Menschen, ihre Spezies vor der globalen Erwärmung zu retten. Tatsächlich haben wissenschaftliche Studien bestätigt, dass die Dinosaurier nicht wegen der Erwärmung, sondern wegen der Abkühlung der Erde nach dem Einschlag eines riesigen Meteoriten ausgestorben sind, der die Sonne durch Aufwirbeln von Staubwolken verdunkelt hat. Genau das würde nach einem Atomkrieg passieren: Neben der katastrophalen Zerstörung und dem radioaktiven Niederschlag auf dem gesamten Planeten würde es in den Städten und Wäldern zu riesigen Bränden kommen, die eine russhaltige Rauchwolke in die Atmosphäre abgeben würden, die die Sonne verdunkelt. Dies würde zu einer Abkühlung des Klimas führen, die ebenfalls jahrelang andauern würde: der nukleare Winter. Infolgedessen würden die meisten Pflanzen- und Tierarten aussterben, was auch verheerende Auswirkungen auf die Landwirtschaft hätte. Kälte und Unterernährung würden die Überlebensfähigkeit der wenigen Überlebenden verringern und die menschliche Spezies zum Verschwinden bringen.

Quelle: il manifesto vom 2. November 2021

(Übersetzung Zeit-Fragen)

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km. Dass Kriege und deren Vorbereitung kein Beitrag zum Klimaschutz sind, ist fast eine Binsenweisheit. Um so mehr erstaunt es, dass die für die Aufrüstung und Kriegspolitik verantwortlichen Politiker, Militärs und der militärisch-industrielle Komplex über diesen Zusammenhang schweigen.
  Die deutsche Fernsehjornalistin und Buchautorin Gabriele Krone-Schmalz (siehe auch den Artikel "Eiszeit mit Russland?") ist eine der wenigen prominenten Stimmen, die öffentlich dazu aufruft, die grosse Aufgabe des Klimaschutzes zu einem wichtigen Beweggrund dafür zu machen, nicht weiter an der Eskalationsspirale in den internationalen Beziehungen zu drehen, sondern auf Entspannung und Kooperation umzuschalten; denn Klimaschutz ist unmöglich ohne internationale Zusammenarbeit gleichberechtigter Staaten – auch das ist eigentlich eine Binsenwahrheit.
  Bislang ist es vor allem die Friedensbewegung, die sich darum bemüht, auf die Zusammenhänge aufmerksam zu machen. «Frieden verbessert das Klima», heisst es zum Beispiel – mit viel Material dazu – beim Zivilen Friedensdienst (ZFD). «Krieg und Militär sind Klimakiller Nummer eins», sagt auch der Vorsitzende der «Naturfreunde Deutschland». «Ein über lange Zeit vernachlässigter Aspekt von Aufrüstung und militärischer Aktivität liegt in der massiven Umweltzerstörung, die weltweit durch Kriege verursacht wird», schreibt Klaus Moegling, Autor des Buches «Neuordnung. Eine friedliche und nachhaltige Welt ist (noch) möglich».
  Nach allem, was man hört und liest, hat die am Wochenende zu Ende gegangene Weltklimakonferenz aber nicht über dieses Thema verhandelt – wie denn auch, stehen die Zeichen doch nach wie vor auf internationaler Konfrontation der USA und ihrer Verbündeten mit Russland und China. Lieber nahm man die Abwesenheit der Präsidenten dieser beiden Staaten zum Anlass erneuter Vorhaltungen. Ein Ausblick ist das nicht. Statt dessen angesagt ist ein Richtungswechsel. Manlio Dinucci aus Italien macht deutlich, was sonst droht. Vielleicht aber ist es ein Silberstreifen am Horizont, dass es nun eine gemeinsame Erklärung Chinas und der USA zum Klimaschutz (siehe Kasten) gegeben hat. Ob daraus tatsächlich mehr Kooperation und mehr Frieden erwächst, wird sich zeigen.  •

Gemeinsame chinesisch-amerikanische Erklärung zum Klimaschutz

China und die USA haben bei der Klimakonferenz in Glasgow überraschend eine gemeinsame Erklärung zum Klimaschutz abgegeben. Die beiden Staaten sprechen sich für zusätzliche Anstrengungen aus und erklären, dass sie eine ständige Kommission zur Zusammenarbeit auf diesem Sektor einrichten werden.
  «Beim Klimaschutz eint uns mehr, als uns trennt», sagt Xie Chenhua, Pekings Klimagesandter. Beide Seiten erkennen an, dass es eine Kluft zwischen den gegenwärtigen Anstrengungen und den Zielen des Pariser Abkommens gibt. «Deshalb wollen wir gemeinsam unsere Anstrengungen verstärken, um den Wandel zu einer grünen und CO2-freien Zukunft zu beschleunigen.»
  Im Anschluss erklärte John Kerry, sein US-Kollege: «Wir haben wahrlich keinen Mangel an Differenzen. Aber beim Klima ist Zusammenarbeit der einzige Weg zum Erfolg.» Gemeinschaftlich wolle man konkreten Klimaschutz im kommenden Jahrzehnt voranbringen und den Ausstoss an Treibhausgasen schneller begrenzen – auch durch den Austausch von Technologien.
  Die Erklärung ist wenig konkret. Bedeutend ist die Tatsache, dass es sie gibt. Beide Seiten wiesen darauf hin, dass sie monatelang an der Erklärung gearbeitet haben. Die Verhandlungen seien aber jetzt erst abgeschlossen worden.

Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/asien/china-usa-klimaschutz-107.html vom 11.11.2021

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