Leserbriefe

«Man kann nur hoffen …»

Für mich ist interessant, wie Herr Professor de Zayas die Probleme auf dieser Welt in Zeit-Fragen vom 12. Januar 2021 auf den Punkt bringt: «Big Brother, Globalismus, Militarismus, Totalitarismus», um nur ein Zitat von ihm zu nennen.
  Noch gut kann ich mich an den Tag im Juni 1979 erinnern, als wir in einer Runde von Freunden zusammensassen und ein erfahrener Gemeinschaftskundelehrer uns auf die Denkwürdigkeit dieses Tages hinwies, an dem das Salt II-Abkommen zur Abrüstung zwischen den USA und der Sowjetunion unterzeichnet wurde. Dieses Abkommen verschaffte der Welt mehr Sicherheit und Berechenbarkeit zwischen den Gegnern und bedeutete eine enorme Erleichterung.
  Jetzt und vierzig Jahre später werden alle diese klug ausgehandelten Abkommen zur Abrüstung und Rüstungskontrolle einfach «gecancelt», von seiten eines US-Präsidenten Trump, der um so mehr überfordert war mit seinem Amt, je näher die neuen Wahlen rückten, und auch angesichts der völlig neuen und unerwarteten Pandemie, welche ganz neue Lösungen erfordert hätte. Im irren Glauben an seine Allmacht hat er diese Verträge mit Russland gekündigt, auch das Nuklearabkommen mit dem von den USA weit entfernten Iran, der für die Existenz der USA fast keine Rolle spielt, wurde von ihm in den Papierkorb geworfen.
  Es ist deshalb eine Anarchie in der Aussenpolitik zu erwarten mit der ständigen Möglichkeit der Eskalation, und man kann nur hoffen, dass der neue Präsident Biden aus den Fehlern seines Vorgängers lernt. Und vor allem, dass Biden sich nicht wie im Jahr 1995 für eine Reduzierung der Menschen- und Bürgerrechte in seinem Land einsetzt – damals schlug er ein Anti-Terrorismus-Gesetz vor (vor 9/11!) – und dass er das Augenmerk im Interesse des amerikanischen Staates statt auf einen Zuwachs an Militärausgaben auf die Entwicklung der heimischen Zivilindustrie und -wirtschaft legt. Wenn er auf eine weitere Militarisierung setzt, so wird er die USA gegenüber dem wirtschaftlich erfolgreicheren Land China ins Hintertreffen führen. So lauten die Bedenk
  Leider gelangen auch aus den USA nur wenige wirklich zuverlässige Film- und Medienberichte zu uns nach Europa, so dass wir uns über die wirkliche Lage und das Leben der Leute in den USA kaum ein Bild machen können.

Susanne Wiesinger, Freiburg i. B.


Menschliche Anteilnahme ist alles andere als ein rassistischer Übergriff

Im Zeitalter des bei uns weltgeschichtlich einmaligen Wohlstandes lernen wir dank aktiver guter Menschen endlich die Korrektheit und die einzigen ewigen Grundwahrheiten kennen, die von nun an unser Leben bestimmen sollen, die nicht in Frage gestellt werden dürfen und die wir wegen unserer männlichen Arroganz und weissen Überheblichkeit bisher nicht zur Kenntnis nehmen wollten. Höchste Zeit, wurde ich endlich darüber aufgeklärt, zu erkennen, dass es sich um extremen Rassismus handelt, wenn man neben einer fremdländischen Person steht und sie fragt, woher sie komme. Ich zeige hier, warum das bei mir so tiefe, unheilbare seelische Verletzungen verursachte.
  Von 1960 bis 2004 war ich beruflich in sehr vielen Ländern auf allen Kontinenten unterwegs. Überall und immer wieder, zum Beispiel in Lagos oder in Tansania, im Zentrum Nairobis, im Lift in Johannesburg, im Bus in Schanghai, in Calcutta, im Zug nach Neu Dehli, in Bombay, in einer Hotelbar hoch oben in Katmandu und in einem Tempel in Lhasa, auf dem Zuckerhut in Rio de Janeiro, in Buenos Aires, auf Grenada und Jamaika, in einem Hafen der Azoren, auf einer US-Basis am Panamakanal, in Sydney und Wellington, auf Hawaii, ja, sogar auf den Fidschi-Inseln: überall und immer wieder wurde ich gefragt, woher ich käme. Dabei folgte meistens ein positiver Kommentar, wenn ich die Schweiz nannte. In der U-Bahn in Beijing rief der mich ansprechende chinesische Banknachbar sogar laut aus. «Ah, die Schweizer, das friedlichste und wehrhafteste Volk der Welt.» Dort, wo ich wegen meiner weissen Haut oder der von Einheimischen verschiedenen Formen meiner Augen, Nase, Lippen, meines Körpers oder meiner Kleider besonders auffiel, zum Beispiel in Afrika, Indien, China, Saudi-Arabien usw., wurde ich überdurchschnittlich oft angesprochen. Ich empfand das immer als erfreulichen Ausdruck des urmenschlichen Bedürfnisses nach Kontakt mit anderen Menschen und dem Interesse an anderen Kulturen und ging gerne darauf ein. Oft ergaben sich daraus interessante und informative Gespräche, in denen ich viel über das besuchte Land erfuhr, hie und da sogar Freundschaften, die eine Zeitlang hielten, bis ihnen die weltweiten Distanzen zwischen uns ein Ende bereiteten.
  Dank der politisch Korrekten, die heute über das meinungsbildende Monopol verfügen und bestimmen, was politisch korrekt ist, habe ich begriffen, dass es übler Rassismus sei, wenn wir einer fremdländisch aussehenden Person die Frage nach ihrer Herkunft stellen, die also in der gleichen Lage ist, wie ich jahrzehntelang in allen Ländern war: kein Einheimischer. Das bedeutet leider, dass all die Menschen in aller Welt – die Afrikaner, die Inder, die Deutschen und Engländer, die Chinesen, die Russen, die Indianer in Südamerika und alle anderen – die mir in wohl vorgetäuschtem freundlichem Ton und sicherlich nur geheucheltem Interesse die Frage nach meiner Herkunft stellten, nichts anderes als hinterhältige Rassisten waren.
  Alle meine sonnigen Erinnerungen an so viele scheinbar nette Menschen in aller Welt wurden nun zu unheilbaren, tiefen seelischen Wunden, weil mir die politisch Korrekten in ihren Artikeln zeigten, dass ich mein Leben lang ein naives Opfer von Rassisten war.

Gotthard Frick, Bottmingen

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