Chef des Southern Command der US-Streitkräfte besucht Uruguay und Argentinien

von Stella Calloni, Argentinien

gl. Als Alberto Fernández das Präsidentenamt in Argentinien im Dezember 2019 übernahm, stand das Land erneut kurz vor dem Staatsbankrott. 40 % der Bevölkerung lebten unter der Armutsgrenze, die Inflationsrate betrug über 50 %. Zwei Monate nach seinem Amtsantritt erlebte das Land die erste Welle der Corona-Pandemie, mittlerweile leidet es schwer unter der zweiten Welle.
  Fernández’ Vorgängerregierung von Mauricio Macri hatte das Land in den nur vier Jahren ihrer Amtszeit nach den alten Rezepten des Neoliberalismus ruiniert, den mühevollen Wiederaufbau der vergangenen 15 Jahre zunichte machend: Massenentlassungen in Staatsbetrieben, exorbitante Preiserhöhungen von Strom, Wasser und öffentlichem Nahverkehr, massive Erhöhung der Lebensmittelpreise. Macri hatte sich bereiterklärt, die verbliebenen Alt-Schulden an nicht umschuldungsbereite Hedgefonds zurückzuzahlen, hob sämtliche Kapitalverkehrskontrollen auf und erhielt vom IWF den grössten Kredit, den dieser jemals vergeben hat, in der Höhe von insgesamt 57 Milliarden Dollar. Heute sind die Umschuldungsverhandlungen mit dem IWF noch im Gange und nehmen die Regierung sehr in Anspruch, neben der Bewältigung der Covid-Pandemie.

Der Chef des Südkommandos der US-Streitkräfte, Admiral Craig Faller, kam am 7. April, aus Uruguay kommend, in Argentinien an. Am nächsten Tag traf er sich mit Verteidigungsminister Agustin Rossi und seinem Team für internationale Angelegenheiten zu einer «humanitären Tour, um im Namen des Pentagons drei Feldlazarette zu spenden, die Argentinien bei den gemeinsamen Bemühungen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie unterstützen sollten», so die US-Botschaft.
  Laut einer Analyse des digitalen Portals Infobae, das direkte Informationen aus den USA erhält, «hat Fallers Besuch in Argentinien bei dieser Gelegenheit einen dreifachen diplomatischen Zweck: deutlich zu machen, dass sich die demokratische US-Regierung nicht von der argentinischen Regierung distanzieren wird auf Grund ihrer Entscheidung, der Lima-Gruppe1 den Rücken zu kehren; die Position des Weissen Hauses in bezug auf diese Länder zu festigen und diesen Besuch in einen eindeutigen geopolitischen Kontext zu stellen».
  Hinter dem Besuch stünde auch das Verfolgen der sogenannten «Impfdiplomatie», die Russland und China mit Argentinien unterhalten. Ohne die Impfstoffe von Sinopharm und Sputnik V stünde Präsident Alberto Fernández angesichts der zweiten Welle des Corona-Virus vor einem sozialen Chaos, und «diese geschwächte Situation der Gesundheitsversorgung, die das Pentagon und das State Department als Zeichen der Abhängigkeit von Wladimir Putin und Xi Jinping charakterisieren, werde die Gespräche von Faller überlagern», sagt der Analyst Edgardo Aguilera.
  Während seines Besuchs in Uruguay übergab Faller neben anderen medizinischen Gütern ebenfalls drei Feldlazarette im Wert von 4,8 Millionen Dollar als Spende, was einen starken Protest von Gewerkschaftssektoren und linken politischen Parteien auslöste, die die zahlreichen Einmischungsaktionen des Südkommandos der USA in ihrem Land verurteilten.
  Im Hinblick auf die Schenkung von drei Feldlazaretten an sein eigenes Land fügt Aquilera hinzu: «Argentinien verfügt bereits über den Einsatz von mobilen Krankenhäusern grösserer Dimension: eines von der argentinischen Luftwaffe und zwei, die von der Volksrepublik China an die argentinische Armee abgetreten wurden; 13 Container mit eigenen Lastwagen im Wert von fast 5 Millionen Dollar kamen Anfang des Jahres im Land an.»
  In Übereinstimmung mit anderen Analysten erklärt er, dass Fallers Reise in die Hauptstadt Feuerlands Ushuaia Teil eines geopolitischen Schachzugs ist, und erinnert daran, dass der Admiral am 24. März letzten Jahres «während einer Konferenz, die vom William J. Perry Center for Hemispheric Defense Studies organisiert wurde, über chinesische Fischereiflotten und illegale Fischereiaktivitäten sprach und sagte, dass kein Land diesen Bedrohungen alleine begegnen könne». Man könnte sagen, es sei nicht die Fischerei oder der Tintenfisch, es sei China.
  Aguilera wies darauf hin, dass «im vergangenen Februar im strategischen Interesse der USA der erste Schritt in der Operation Kreuz des Südens mit dem Einsatz des modernen Küstenwachschiffs Stone gemacht wurde. Die erste Patrouille der Küstenwache in Südamerika dient dem Aufbau regionaler maritimer Sicherheitspartnerschaften und der Bekämpfung der illegalen, nicht gemeldeten und unregulierten Fischerei im Südatlantik.»
  Der Südatlantik steht derzeit unter den zunehmend ehrgeizigen Blicken der Vereinigten Staaten, Grossbritanniens sowie vor der Gier internationaler Unternehmen, die sich riesige Gebiete mit Ressourcen im geostrategisch bedeutsamen Südatlantik aneignen wollen.  •



1 Die Lima-Gruppe ist ein Zusammenschluss einer Reihe von Ländern Lateinamerikas, die den Sturz der Regierung von Venezuela unterstützen.

Quelle: https://www.msn.com/es-mx/noticias/mundo/llega-jefe-del-comando-sur-a-argentina/ar-BB1fpHJb vom 8. April 2021

(Übersetzung Zeit-Fragen)

gl. Der frühere argentinische Präsident Mauricio Macri schloss mit dem US-Südkommando ein sogenanntes «Sicherheitsabkommen» ab. Dabei wurde auf ein Dekret von 1995 zurückgegriffen, mit dem der damalige Präsident Carlos Menem die Einrichtung einer US-amerikanischen Militärbasis zur Überwachung von Nuklearexplosionen in Tolhuin auf Feuerland, dem Südzipfel Argentiniens, zugesichert hatte. Auch die Errichtung einer Logistikbasis in Usuhaia wurde angekündigt.
  Bereits 2017 hatten US-Diplomaten unter Hinweis auf die Investitionen der multinationalen Konzerne Chevron und Exxon Mobil in den Ölfeldern von Vaca Muerta den Standort dieser «Basis» überprüft.

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