«Kugelrunde Pflaumen purzeln in das Gras …»*

Warum Sprache mehr ist als nur einige Sprachkompetenzen

von Dr. Eliane Perret, Psychologin und Heilpädagogin

Wenn Jugendliche nach vollbrachter Schulzeit die deutsche Sprache nur mangelhaft beherrschen – vor allem auch im schriftlichen Bereich –, so ist das nicht nur volkswirtschaftlich und für künftige Arbeitgeber ein Problem, wie heute zu Recht beklagt wird. Auch die betroffenen jungen Menschen selbst werden dadurch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und späteren Lebensgestaltung eingeengt, und das nicht nur in ihrem beruflichen Tätigkeitsfeld. Auch in allen anderen Lebensbereichen ist es wichtig, sprachlich kompetent zu sein, sich differenziert äussern zu können, das Gegenüber zu verstehen, den Sinn von Gelesenem und Gehörtem feinfühlig zu erfassen und ausgeklügelte sprachmanipulative Techniken in Werbung und Politik mühelos zu durchschauen. Es ist eine Entwicklungsaufgabe auf dem Weg zu einem selbstbestimmten, gemeinschaftsfähigen Mitmenschen.

«Das isch dä Tuume»

Die Sprache jedes Landes ist ein Kunstwerk, in dem sich die Geschichte, das geistige Leben und die jeweiligen Gegebenheiten der Natur widerspiegeln und damit das Erbe von Generation zu Generation weitergereicht wird. Für jedes Kind beginnt der Spracherwerb schon in den ersten Lebensjahren, immer eingebettet in das Beziehungsnetz seines sozialen Umfeldes: Ich sass im Wartezimmer eines Arztes, als ich plötzlich hörte, wie eine Mutter mit ihrem Kind leise einen Vers aufsagte. Es war ein Fingervers, ein lustiges Sprachspiel, bei dem jedem Finger ein Sätzchen zugeordnet wird. Die beiden amüsierten sich köstlich:

«Das isch dä Tuume,
dä schüttled Pflume,
dä list sie uf,
dä treit sie hei
und dä chli Stumpe da, isst alli elei.»1

Nach einigen Wiederholungen konnte die Kleine den Vers allein und wiederholte ihn immer wieder. Und dann war auch schon Zeit für den Arztbesuch.
  Solche Fingerverse – eigentlich kleine Geschichten – haben einen verspielten, humorvollen Charakter und zeichnen sich aus durch Klangmalerei, Rhythmus und eingängige Reime. Sie sind eingebunden – und das ist entscheidend – in die liebevolle Zuwendung zwischen dem Erwachsenen und dem Kind, also dem Grundstein einer sicheren Beziehung.

«Wir suchen alte Kinderverse …»

Es war vor fünfzig Jahren, als eine Schweizer Elternzeitschrift mit diesem Aufruf einen Kindervers-Wettbewerb startete und Eltern und Grosseltern dazu aufrief, Verse, Spiele und Lieder einzuschicken, mit denen sie sich mit ihren Kleinkindern unterhalten. Es kam eine reichhaltige Sammlung von Bekannterem und weniger Bekanntem in verschiedensten Varianten zusammen, ein Schatz, der sich von Generation zu Generation erhalten hatte. Susanne Stöcklin-Meier, eine Kindergärtnerin aus dem Kanton Basel-Landschaft, die diese Aufgabe übernommen hatte, erstellte aus dem überaus reichen und vielfältigen Fundus Versblätter, die regen Anklang fanden und schliesslich zu ihrem ersten Buch führten, das in seiner Art einzigartig ist und sehr gefragt war. Es wurde deshalb bis in die jüngste Zeit immer wieder neu aufgelegt und ist nach wie vor erhältlich.2

Sprache als verbindendes Element

Beginnt ein Kind seine ersten Worte zu formulieren und Papa, Mama, Wauwau und anderes beim Namen zu nennen, so stösst das bei seinen Beziehungspersonen auf begeistertes Wohlwollen. Zu Recht, denn damit verstärkt das Kind aktiv seine «Brücke zum Mitmenschen», wie Alfred Adler, der Begründer der Individualpsychologie, den Sinn der Sprache bezeichnete und sie als wichtige menschliche Errungenschaft beschrieb. Sie ist ein verbindendes Element zwischen den Menschen, das seine Wurzeln in den ersten Lebensjahren eines Kindes hat. In dieser Zeit beginnt ein Kind Wörter und Sätze zu sammeln, die es ihm ermöglichen, seine Gedanken zu formulieren, Gefühle und Wünsche zum Ausdruck zu bringen, Erlebtes zu erzählen und dabei mit seinen Mitmenschen in ein Hin und Her zu treten. Mit diesem erstaunlichen Vorgang in der Entwicklung eines Kindes befassen sich seit langer Zeit Wissenschaftler aus den unterschiedlichen Perspektiven ihrer Fachgebiete. Heute ist klar, dass der Spracherwerb eine wichtige formende Bedeutung im Prozess der Persönlichkeitswerdung des Kindes ist. Er vollzieht sich in der wechselseitigen Beziehung zwischen dem Kind und seinen Mitmenschen und kann niemals durch ein Medium ersetzt werden. «Die Sprache kann nur geübt und ein Sprachschatz kann nur gewonnen werden in einer sozialen Umgebung, wo das Kind Verbindungen hat und die Verbindungen auch aufnimmt»3, hielt Alfred Adler bereits in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts fest; eine These, die heute durch entwicklungspsychologische und anthropologische Befunde erhärtet ist.

Auf dem Weg zur Sprachfähigkeit

Im Laufe ihrer Entwicklung vergrössern Kinder allmählich ihren Wortschatz und erweitern ihre Ausdrucksfähigkeit. Sie lernen, den Sinn von Gesagtem zu erfassen und darauf mit einem immer differenzierteren Wortschatz Echo zu geben. Denn was sich in Worte fassen lässt, wird klarer, verständlicher und bewusster. Im zwischenmenschlichen Dialog wird das Denken angeregt, und die Kinder lernen ihre Erfahrungen zu verarbeiten und zu strukturieren, so dass sie ihnen später in ihrer Erinnerung verfügbar sind. Von den kleinen Versen bis hin zu einer ausgereiften Sprachfähigkeit ist jedoch ein weiter Weg! Die Mutter im Wartezimmer des Arztes hatte mit ihrer Tochter einen wichtigen Schritt dahin gemacht.

«Joggeli, chasch au riite?»

Sicher ist es kein Zufall, dass sich viele Erwachsene an Verse und Sprüchlein erinnern, die in ihrer Familie üblich waren. Zum Beispiel, wenn der Vater das Kind auf seine Knie setzte und «Joggeli, chasch au riite?» (Hoppe, hoppe, Reiter) spielte; ein liebevolles Frage- und Antwortspiel, bei dem er das Kind zum Schluss vorsichtig auf seine ausgestreckten Beine plumpsen liess – ein amüsantes Geben und Nehmen beiderseits. Oder wie es Stöcklin-Meier ausdrückt: «Dieses ‹billige› Vergnügen, auf Vaters Knie reiten zu dürfen, macht den kleinsten Knopf ‹reich›. Verwehren wir unseren Kindern diesen Genuss nicht! Jedes Ding hat seine Zeit. Auch das Kniereiten. Die Geborgenheit, die dieses Schaukeln beim Kind auslöst, lässt sich später nicht nachholen.»4 Solche Verse, Reime und Lieder für unterschiedliche Situationen zur Verfügung zu haben, ist für Eltern und Pädagogen sehr wertvoll. Sie helfen, eine Situation zu entspannen, Trost zu spenden oder die gemeinsame Freude an Gesehenem, Gehörten oder Erlebtem zum Ausdruck zu bringen. Zu Recht wurde Susanne Stöcklin-Meier von der Schweizerischen Unesco-Kommission für ihre hervorragende, lebenslange Leistung geehrt mit der Begründung: «Susanne Stöcklin-Meier sorgt seit Jahrzehnten dafür, dass das immaterielle Kulturerbe der Gemeinschaft ‹Kinder› erhalten bleibt und weiterlebt.»5

Mit Spass zur Sprachfertigkeit

Nicht nur kleine Kinder haben Freude an solchen Sprachspielereien. Oft sind sie verbunden mit Bewegungen oder dienen als Zeichnungshilfen, zum Beispiel für eine Katze:

«Punkt, Punkt, Komma, Strich, (Gesicht)
fertig ist das Angesicht, (Kopf)
und zwei spitze Ohren,
so wird sie geboren. (Bauch)
Ritze, ratze, ritze, ratze (Schnauzhaare) – fertig ist die Miezekatze (Schwanz)».

Oder haben Sie auch schon versucht, ganz schnell zu sagen:
  «Fischers Fritz fischt frische Fische, frische Fische fischt Fischers Fritz». Viele solcher «Schnabelwetzer» fanden auch den Eingang in die erwähnte Sammlung. Wir lernten diesen Schnellsprechspruch in der Schule, als wir zehn Jahre alt waren, und übten ihn offenbar so lange, dass er heute noch in meinem Gedächtnis herumspukt. Oder wir probierten unsere Namen rückwärts zu sagen und versuchten unsere Freunde aufs Glatteis zu führen, indem wir sie fragten: «Weisst du, wie die aussehen – die Bluménto-Pferde?» und kugelten uns vor Lachen, wenn wir ihnen eröffneten, dass es – richtig betont – die Blumentopf-Erde war. Und selbstverständlich war das einleitende Ritual für ein Fang- oder Versteckspiel stets ein Abzählreim, mit dem wir das startende Kind bestimmten.

Nicht nur Kulturtechniken

Offensichtlich liegt der Wert solcher Spiele nicht nur in der Anregung kindlicher Sprachkompetenzen (wie man heute sagen würde!), sondern es wird dabei das Gefühl zwischenmenschlicher Verbundenheit gestärkt. Denn da sind diese Verse, Reime und Spiele entstanden, und da werden sie weitergegeben und gespielt! Nicht zufälligerweise werden viele dieser Verse, Reime und Sprüche in Mundart gesprochen, derjenigen Sprache, in der sich ein Kind gefühlsmässig «zu Hause» fühlt und in vielfältiger Weise seine Muttersprache übt, ein Bereich des Lernens, der immer wieder unterschätzt wird. «Indem das Kind die Muttersprache erlernt, eignet es sich nicht nur die Wörter, ihre Zusammensetzungen und Abwandlungen an, sondern die unendliche Vielfalt der Begriffe, Anschauungen über Gegenstände, die Vielzahl der Gedanken und Gefühle, der künstlerischen Formen, die Logik und die Philosophie der Sprache – und es eignet sich in zwei, drei Jahren schnell und leicht so viel an, wie es nicht die Hälfte in zwanzig Jahren fleissigen und methodischen Lernens erwerben könnte», schrieb der russisch-ukrainische Pädagoge und Schriftsteller Konstantin Dmitrijewitsch Uschinski.6
  Für den späteren Lernerfolg und das Lesen- und Schreibenlernen sind diese sprachlichen Spielformen in den ersten Lebensjahren grundlegend. Ein Lernerfolg, der mit dem Erwerb der Muttersprache beginnt und sich keinesfalls in einfachen Kulturtechniken erschöpft, denn das Beherrschen der Sprache ist viel umfassender. Nochmals Uschinski: «In der Sprache finden wir viel tiefen philosophischen Geist, wahrhaft poetisches Gefühl, einen vornehmen, erstaunlich sicheren Geschmack, Spuren eines stark konzentrierten Denkens, eine Unermesslichkeit ungewöhnlich feinen Sinnes für die zartesten Übergänge in den Naturerscheinungen, grosse Beobachtungsgabe, viel strenge Logik, viele edle geistige Impulse und Keime von Ideen, zu denen ein grosser Dichter und tiefsinniger Philosoph später nur mit Mühe vordringt […].»7

Wertvolles Kulturgut vorenthalten?

Diese ersten Sprachspielereien gehören zum Kulturgut jedes Volkes, so wie es auch in der Literatur, im Theater, in der bildenden Kunst, der Architektur und der Musik zu finden ist. Dieses Kulturgut ist stets einzigartig und darf nicht einer alles nivellierenden Massenkultur weichen (ein Prozess, der leider schon länger im Gange ist). Es muss nachfolgenden Generationen weitervermittelt werden und sollte im Unterricht und in Lehrplänen einen grossen Stellenwert haben. Selbstverständlich haben im Sprachunterricht älterer Kinder und Jugendlicher grammatikalische und orthografische Aufgabenstellungen, Stilübungen usw. durchaus ihre Berechtigung. Aber wir dürfen ihnen die von Dichtern und Denkern mit hoher Sprachkunst geschaffenen Werke nicht vorenthalten. Wer mag sich noch an «Nis Randers», die dramatische Ballade von Otto Ernst erinnern, die eindringlich die dramatische Rettung eines Schiffbrüchigen schildert, an den humorvoll ausgemalten Sonntagsausflug «Mit dem Auto über Land» von Erich Kästner oder wie Eduard Mörike mit seinem Gedicht «Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte» leise und poetisch eine Frühlingsstimmung herbeizaubert? Solche Werke zu kennen, fördert nicht nur die Verwurzlung in der eigenen Kultur, sondern sie stärkt auch das Gefühl der Verbundenheit und der Achtung gegenüber dem, was andere Völker geleistet haben. Ist es da nicht etwas dürftig und eine Unterschätzung, ja Vernachlässigung unserer nachwachsenden Generation, wenn im Lehrplan 21 für Oberstufenschüler unter dem Suchbegriff «Gedicht» eine der zu erreichenden Kompetenzstufen sich darauf beschränkt: «… können in Texten ästhetische Gestaltungsmittel entdecken und auf Deutsch beschreiben (zum Beispiel Wortspiel in einem Prosatext, Slang in einem Comic, Reim in einem Gedicht)»?  •



* Das vollständige Kindergedicht lautet: «Kugelrunde Pflaumen purzeln in das Gras, purzeln unserem Peter auf die Stumpennas.» Aus: Stoecklin-Meier, Susanne. (2009). Spielen, Bewegen, Selbermachen – und zusammen lachen. Atlantis-Verlag

1 «Das ist der Daumen (auf den Daumen zeigen),
 der schüttelt die Pflaumen (Zeigefinger),
 der hebt sie auf (Mittelfinger),
 der trägt sie heim (Ringfinger),
 und der kleine Schlingel hier, der isst sie ganz allein (kleiner Finger)!»
2 Stöcklin-Meier, Susanne. (1974). Verse, Sprüche und Reime für Kinder. Zürich: Wir Eltern-Verlag
3 Adler, Alfred. (1974/1930). Die Technik der Individualpsychologie 2 – Die Seele des schwererziehbaren Schulkindes. Frankfurt a. M.: Fischer. S. 181
4 Stöcklin-Meier. (1974). S. 9
5 Ansprache von Madeleine Viviani, Generalsekretärin der Schweizerischen Unesco-Kommission, zitiert nach Stoecklin-Meier, Susanne. (2009). S. 4
6 Uschinski (Ushinsky), Konstantin Dmitrijewitsch. (1963). Die Muttersprache. Aus: Gesammelte Werke, BD.II. S. 554–574. In: Uschinski, Konstantin Dmitrijewitsch. Ausgewählte Pädagogische Schriften. Berlin: Volk und Wissen, Volkseigener Verlag. S. 101
7 Uschinski (Ushinsky), Konstantin Dmitrijewitsch. (1963). S. 96

Susanne Stöcklin-Meier

ep. Susanne Stöcklin-Meier wurde 1940 in der Schweiz in Wangen an der Aare geboren. Sie bildete sich zur Kindergärtnerin aus und wurde später bekannt als Spielpädagogin und Autorin zahlreicher weiterer Kinderbücher und Radio- und Fernsehsendungen. Zeit ihres Lebens hat sie Reime, Verse und Spiele gesammelt, die auf den ersten Blick belanglos und irrelevant zu sein scheinen, bei genauerem Hinschauen jedoch ein wertvolles Kulturgut sind, das ohne ihre Arbeit weitgehend verlorengegangen wäre. Es ist ein Kulturgut, das jedem Volk eigen ist und von dessen Identität zeugt, in das ein Kind hineinwachsen muss und sich auch auf diese Weise über das engere familäre Umfeld hinaus mit den Menschen verbinden kann. Susanne-Stöcklin-Meiers Lebenswerk wurde 2008 von der Schweizerischen Unesco-Kommission als hervorragende, lebenslange Leistung geehrt. Auch heute, in gesetzterem Alter, ist sie nach wie vor aktiv und gibt auf ihrem YouTube-Kanal und ihrer Webseite ihr Wissen mit grossem Engagement und grosser Begeisterung weiter: https://stoecklin-meier.ch/

Konstantin Dmitrijevitsch Uschinski

ep. Auch wenn sein Name und Werk in Europa wenig bekannt sind, kann der russisch-ukrainische Pädagoge Konstantin Dmitrijevitsch Uschinski durchaus bei den Klassikern der Pädagogik wie Comenius, Diesterweg, Fröbel, Locke, Makarenko, Montessori, Pestalozzi, Rousseau und anderen eingereiht werden. Er wurde 1823 in Tula, einer Stadt südlich von Moskau, geboren, starb 1871 in Kiew und gilt als einer der wichtigsten Pädagogen und Begründer der wissenschaftlichen Pädagogik Russlands im 19. Jahrhundert. Man nannte ihn auch den Lehrer der russischen Lehrer, den Freund der russischen Kinder, den Begründer der russischen Volksschule, Vater des russischen wissenschaftlichen Unterrichts und Förderer einer gleichberechtigten Bildung für Frauen. Auf der Grundlage der pädagogischen Anthropologie verfasste er Lehrbücher, die weite Verbreitung fanden. Bei einem mehrjährigen Aufenthalt in Westeuropa, speziell in der Schweiz und in Deutschland, studierte er das dortige Bildungswesen und bereitete ein Grundlagenbuch zur Bedeutung der Muttersprache vor, das in der Folge immer wieder neu aufgelegt wurde. Er verfasste auch zahlreiche Kinderbücher. Neben diesen praktisch orientierten Werken arbeitete Uschinski an einem grossen theoretischen Werk, das den Menschen als Gegenstand der Erziehung zum Thema hatte. Der erste Teil erschien nach seiner Rückkehr nach Russland 1867, der zweite Teil wurde zwei Jahre später veröffentlicht. Der dritte Teil blieb unvollendet, weil Uschinski 1871 an den Folgen einer heimtückischen Krankheit starb.


Friedrich Hebbel: «Herbstbild»

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

(1852)

wp. Friedrich Hebbel (1813–1863) war vor allem Dramatiker des poetischen Realismus, der eine eigene Dramentheorie entwickelte und sie in seinen Theaterstücken umsetzte. Daneben trat er mit seinen Liebesgedichten, Balladen und Naturgedichten als Lyriker hervor; das Gedicht «Herbstbild» ist wohl sein bekanntestes.

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