Auf dem Weg zum kollektiven Selbstmord Europas?

Die Vasallen sollen wagen zu denken!

von Prof. Dipl.-Ing. Dr. Heinrich Wohlmeyer

Eberhard Hamer hat in Zeit-Fragen Nr. 5 vom 22. Februar 2022 die Hintergründe zum Ukraine-Konflikt analysiert und die Hoffnung ausgesprochen, dass Russland nicht in die «US-ukrainische Falle» tappen werde.
  Am 24. Februar 2022 ist sie zugeschnappt.
  Russland, personifiziert durch Wladimir Putin, sah nach jahrelanger systematischer Provokation und demütigenden Wortbrüchen leider keinen anderen Ausweg mehr. Die laufende Aufrüstung und Eingliederung der Russen-mordenden Asow-Regimenter, die Ankündigung der Eroberung der Krim und des Donbass, die Massierung von Truppen an der Waffenstillstandslinie zum Donbass, die Anforderung von Atomwaffen, das verdeckte Tätigsein der US- und Nato-Militärberater, die Existenz von biologischen Waffen-Laboren usw. liessen aus der Sicht der russischen Militärs keine Wahl mehr. Man wollte nicht vollkommen eingekreist und wehrlos sein und hoffte auf einen Blitzkrieg sowie ein Einlenken der USA und ihrer Marionetten in der Ukraine. Daher haben die Russen im Unterschied zu den US-Nato-Kriegen dort, wo es strategisch verantwortbar war, die Infrastrukturen (Strom, Telekommunikation, Verkehr und Wasser) geschont. Sie hätten ohne weiteres auch die Eisenbahnverbindungen unterbrechen und Herrn Selenski mittels einer Kommandoaktion festnehmen können, aber sie wollten und wollen noch immer keine Märtyrer. Die Frage ist: Wie lange noch?
  Diese Strategie verhindern nämlich die USA und ihre Vasallen in der Nato durch Waffenlieferungen, Durchhalteparolen, den Einsatz der hasserfüllten Asow-Regimenter, durch Aufklärungshilfe und durch eine nie dagewesene Medienkampagne. Die psychologische Kriegsführung – vor allem mit gestellten False-flag-Greueltaten –, in der die USA und die Nato Meister sind, hat eine Massenhysterie erzeugt, die bis zur Ächtung der russischen Kultur geht. Heinrich Heine hat schon gemahnt: «Wo Bücher verbrannt werden, werden demnächst Menschen verbrannt.»
  Mich erinnert die westliche Medienkampagne an die Rede von Josef Göbbels vom 18. Februar 1943 im Sportpalast zu Berlin, wo er den 15 000 Versammelten die demagogische Frage stellte: «Wollt ihr den totalen Krieg? Wollt ihr ihn – wenn nötig, totaler und radikaler als wir ihn uns heute überhaupt vorstellen können?»
  Diesen «totalen Krieg» nimmt man nun in Kauf, indem man den Wirtschaftskrieg gegen Russland (genannt «Sanktionen») laufend verschärft und Russland demütigt, indem man seine verständlichen und berechtigten Vorschläge für einen Frieden und seine Sicherheit glatt missachtet und massiv gegen Russland aufrüstet.
  Einer der klügsten Militäranalysten, der Chefredakteur der ältesten Militär-Zeitschrift der Welt, Brigadier Mag. Dr. Wolfgang Peischel, hat immer gemahnt, man möge nicht seine Gedankenwelt in den Gegner hineinprojizieren, sondern sich in diese hineindenken, um zu einer vernünftigen Entscheidung zu kommen.
  Wenn wir uns nun in die Lage der Russen versetzen, dann liegt ein verzweifelter Befreiungsschlag gegen die laufende Einkreisung und Diffamierung auf der Hand. Im militärischen Vergleich mit den anderen Weltmächten hat Russland lediglich den Vorteil seiner hochgerüsteten Atomstreitkräfte. Wollen wir Westeuropäer in selbstmörderischer Blindheit deren Einsatz provozieren?
  Lasst uns endlich denken! Sapere aude! Und auch die Hintergründe verstehen.
  Der noch immer in den US-Militärakademien zur Pflichtliteratur gehörende Sir Halford Mackinder hat die sogenannte Heartland-Theorie entwickelt, in der er zeigt, dass die Beherrschung von Osteuropa («Drehscheibengebiet») und die Blockierung einer Verbindung von Westeuropa mit Russland verhindert, dass ein technologie- und rohstoffreicher Machtblock, der vom Atlantik bis zum Pazifik reicht, entsteht. Dann hätte nämlich die maritim gestützte Weltbeherrschungsstrategie Englands und seiner Nachfolgerin USA ausgespielt («The geographical pivot of history», 1904).
  Diese Politik durchzieht das ganze 20. und das begonnene 21. Jahrhundert.
  Eine weitere Quelle für das Erkennen des ununterbrochenen Aufbauens von künstlichen Gegnerschaften – vor allem bezüglich Russland – sind die beiden Bücher von Thomas P. M. Barnett aus den Jahren 2003 und 2005 «The Pentagon’s New Map – War and Peace in the Twenty-First Century» und «The Pentagon’s New Map – Blueprint for Action». Dort wird die Sorge des Pentagons dargelegt, dass mit dem Wegfall der sowjetischen Bedrohung (Ende des Kalten Krieges) die Mittel für die europäischen und nordasiatischen Basen gestrichen werden. Daher brauche man neue Bedrohungsszenarien und Kriegsgründe. In diese Strategie des militärisch-industriellen und finanziellen Establishments der USA und ihres ohne aufgebauten Gegner im Absterben befindlichen militärischen Armes, der Nato, lassen wir uns einspannen und haben mit der Provokation der Russen bis aufs Blut mitgetan, statt zu einem ausgewogenen, fairen Frieden beizutragen. Da die USA von allen Kriegen, die sie entfacht haben, im eigenen Staatsgebiet nicht betroffen worden sind, denken die kriegstreiberischen Eliten noch immer, dass dies weiter so sein wird – vor allem, dass sich ein Krieg mit Russland in Europa ereignen würde. Dies ist aber eine krasse Fehleinschätzung, weil Verzweiflungsschläge der Russen interkontinental sein würden.
  Wohl aber würden die vernichtenden Hauptschäden Europa treffen.
  Wollen wir uns in diese Gefahr hineinziehen lassen, statt den immer eindringlicher vorgetragenen Wegen zum Frieden Gehör und Tat zu schenken?
  Ich denke da vor allem an die vor Kriegsbeginn in der Ukraine unterbreiteten Vorschläge im Rahmen der vom erfahrenen Prof. Dr. Dr. hc. mult. Hans Köchler geleiteten International Progress Organization. Mit der Akzeptanz des Dreiklanges «Immerwährende Neutralität, Bündnisfreiheit und föderale Struktur» wäre allen Interessen (ausser denen der Kriegstreiber) gedient; vor allem dem ukrainischen Volk, das davon profitierte, wenn es von Ost und West umworben würde, statt einseitig ausgebeutet zu werden.
  Es gibt ein altes englisches Warnwort: Don’t drive them to despair (Treibt sie nicht zur Verzweiflung). Lasst uns daher das Vasallentum beenden und den Weg der Vernunft gehen, statt in einen Vernichtungskrieg hineinzutaumeln!  •

zf. Heinrich Wohlmeyer wurde von Bauern aufgenommen, nachdem der Vater vor dem Abtransport ins Konzentrationslager gestorben, sein Elternhaus durch Bomben zerstört und die Mutter krank geworden war. Er ging «auf eigene Faust» ins Gymnasium, hat Rechtswissenschaften, Internationales Wirtschaftsrecht in den USA und England sowie an der Universität für Bodenkunde Wien Landwirtschaft und Lebensmitteltechnologie studiert. Wieder in Österreich stellte er sich als Regionalentwickler und Industriemanager für das Waldviertel zur Verfügung und wurde Direktor der Österreichischen Agrarindustrie. Nachdem er sich «auseinandergeredet» hatte, ging er an die Universität und lehrte Ressourcenökonomie und Umweltmanagement. Bei all diesen Aktivitäten wurde ihm bewusst, dass die Radnaben der nicht nachhaltigen Entwicklung die Handels- und die Finanzpolitik sind, die die regionalen Wirtschaftskreisläufe unterlaufen. «Wir brauchen regionale Lösungen für einen bestmöglichen regionalen Wohlstand», sagt er.

Ex-Bundeswehrgeneral Vad: «Wir müssen aus der Eskalationslogik raus und Verhandlungen aufnehmen»

km. In einem Interview mit der Deutschen Presseagentur (dpa) vom 12. April 2022 (www.stern.de vom 12.4.2022) sprach sich der ehemalige deutsche Brigadegeneral der deutschen Bundeswehr und Sicherheitsbeauftragte der Bundeskanzlerin Angela Merkel, Erich Vad, gegen die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine aus. Auch warnte er davor, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin das Menschsein abzusprechen und ihn zum krankhaften Despoten abzustempeln, mit dem man nicht mehr reden könne. Er sagte: «Wir machen im Moment sehr viel Kriegsrhetorik – aus guter gesinnungsethischer Absicht. Aber der Weg in die Hölle ist bekanntlich immer mit guten Vorsätzen gepflastert. Wir müssen den laufenden Krieg zwischen Russland und der Ukraine vom Ende her denken. Wenn wir den Dritten Weltkrieg nicht wollen, müssen wir früher oder später aus dieser militärischen Eskalationslogik raus und Verhandlungen aufnehmen.»
  Harald Kujat, Generalinspekteur der Bundeswehr von 2000–2002 und Vorsitzender des Nato-Militärausschusses von 2002–2005 schrieb daraufhin: «Ich stimme Brigadegeneral Dr. Vad in jedem einzelnen Punkt zu. Der Zug der Lemminge hat sich in Bewegung gesetzt – die Politik ist auf Kriegskurs. Warum wollen so viele Politiker und Journalisten den Krieg in unser Land holen?» (https://lnkd.in/dbJV6JiQ vom 12.4.2022)

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