Leserbriefe


Hoffnung auf die jungen Menschen

Die Frage, was für den Frieden getan wird, ist so wichtig. Mich beunruhigt, dass nicht mehr von der Diplomatie in der Öffentlichkeit gesprochen wird, nur noch von den Forderungen an unsere Regierung, der Ukraine beizustehen. Es wird der Eindruck verbreitet, die ukrainische Regierung dränge auf Waffenlieferungen und unser Parlament verweigere ihnen diese so notwendige Hilfe. Wir (das Volk) müssten unbedingt unser Parlament davon überzeugen, dass Waffenlieferungen jetzt getätigt werden müssen. Für mich sind diese Meldungen immer schwerer aushaltbar. Was für ein Idiotismus wird hier verbreitet. Waffenlieferungen bringen doch nur eine Gewaltspirale in Gang. Das haben wir doch in all den Kriegen seit dem Kosovo-Konflikt gesehen.
  Gleich zu Anfang des Krieges kamen die Aussagen, wir würden über Lettland ehemalige NVA-Bestände an die Ukraine liefern. Wird jetzt in der Ukraine Waffenschrott abgesetzt? Und bei all dem keine Meldungen über Diplomaten, die sich um Verhandlungskriterien kümmern. Nur in Zeit-Fragen habe ich von Otto Schilys Vorschlag gelesen, die Ukraine zur Neutralität zu bewegen, was Abrüstung bedeuten würde.
  Es gibt auch keine Meldungen mehr zur Friedensbewegung. Man soll jetzt auf die Strasse gehen und für die Ukraine demonstrieren. Frieden kann man doch nur mit allen, die an den Spannungen beteiligt sind, herstellen. Es gibt keinen Frieden gegen Russland, nur mit Russland. All die Probleme, die vor dem Krieg da waren, die den Krieg verursacht haben, müssen kommuniziert und nicht, wie es jetzt geschieht, vom Tisch gewischt werden.
  Ich hoffe, dass zu Ostern überall in Europa Ostermärsche nach traditionellem Vorbild durchgeführt werden.
  Ich bin Geschichts- und Politiklehrerin, aber auch Kunstlehrerin an einem beruflichen Gymnasium. Eine Stoffeinheit im Fach Geschichte/Gemeinschaftskunde im Lehrplan Sachsens ist den internationalen Konflikten gewidmet. Ich habe deshalb schon viele Konflikte mit meinen Schülern behandelt. Mein Grundprinzip dabei ist, den Schülern zu verdeutlichen, dass Konflikte Ursachen haben. Sie zu analysieren ist wichtig, um den Konflikt zu verstehen. Ein weiteres Prinzip ist, dass man nicht von religiösen Konflikten sprechen kann, die Religionen sind zum Verschleiern der Ursachen wunderbar brauchbar. Und noch ein Prinzip ist wichtig: nicht nur auf die Medien hier vertrauen, sondern mehrere Quellen hinzuziehen. Ich versuche, den Schülern auf verschiedene Art immer wieder zu verdeutlichen, was Krieg bedeutet, welche Langzeitfolgen Kriege haben, mehrere Generationen werden dadurch verwundet.
  Dieses Schuljahr hatte ich schon aufgeatmet, als der Krieg in Afghanistan beendet wurde. Wie das geschah, war schlimm, aber es war ein Ende, und nun ist der nächste Krieg da. Ich bin davon überzeugt, dass Friedenserziehung an die Schulen gehört, aber diese Auffassung kollidiert mit dem System des Kapitalismus, der auf Konkurrenz fusst. Ich habe meinen Schülern zum Abschluss dieser Stoff-einheit gesagt, dass ich viel Hoffnung auf sie setze, auf die jungen Menschen, die seit einiger Zeit angetreten sind, die Welt zu verändern. Wir müssen doch begreifen, dass wir nur eine Erde haben. Kriege führen nur dazu, dass noch mehr zerstört wird, was lebenswert ist. Ich halte dabei auch die Kunst für wesentlich. Sie stärkt das Miteinander über Grenzen hinweg. Sie zeigt immer wieder in unterschiedlichsten Arten, was Menschen Kreatives hervorbringen können, gestalten – nicht zerstören, formen statt kaputt machen.

Barbara Patzig, Dresden


Nie wieder? Ein Zeitzeuge, Jahrgang 1927, stellt fest: Manches kommt mir bekannt vor

Ich bin Jahrgang 1927 und werde in Kürze 95 Jahre alt. Mit 16 Jahren wurde ich Luftwaffenhelfer, mit 17 Jahren war ich Hitlers letztes Aufgebot in Berlin. Im schrecklichen Lager für Disarmed Enemy Forces (DEF) in Nürnberg und Eisleben hatte ich vor meiner sehr gefährlichen Flucht Zeit zum Nachdenken. Wie hatte es die Propaganda fertiggebracht, dass wir «dem Führer» fast bis zum Schluss am 30. April 1945 die Treue gehalten hatten?
  Das Thema «Wirkung von Propaganda» beschäftigte mich seit Kriegsende intensiv. Mein Vorsatz damals: In Zukunft gelingt euch «Oberen» so etwas nicht noch einmal. Das ist wahr geblieben, und ich beobachte die Salamitaktik, mit der wir grundgesetz- und bald auch völkerrechtswidrig wieder auf alte Wege geführt wurden. Ich kenne die Mahner Erich Kästner, Wolfgang Borchert («… dann sag Nein»), Heinrich Böll und Karl Jaspers, der in Basel lebte und dem ich schrieb nach dem Lesen seines mahnenden Buches «Wohin treibt die Bundesrepublik?». Das Grundgesetz ist der Felsen, auf dem unsere Freiheit ruht. Schon pflegten Politiker lockeren Umgang mit ihm, und unser Volk kannte seinen Wert zu wenig.
  Was sich im «Dritten Reich» ereignet hat, spielt sich seit 1945 in wichtigen Punkten erneut vor meinen Augen ab: die Pressegleichschaltung. Nun sind wir bei der Kriminalisierung Andersdenkender angekommen. Menschen, die in Deutschland Russlands -Position im laufenden Krieg in der Ukraine vertreten, sollen strafrechtlich verfolgt werden. Denn sie seien für einen Angriffskrieg. Und Angriffskriege sind in Deutschland bei Strafe verboten. Bestimmt unsere Regierung, wer der Angreifer ist? Hatte sie dies in den Jahren seit 1999 vergessen?
  Ich habe im Fernsehen einen Putin gesehen, der sich die gegnerischen Unverschämtheiten nicht mehr gefallen lassen konnte. Dies fand wenig Beachtung in den gesteuerten Medien. Als Putin zum Mittel Krieg griff, wurden die Schrecken des Krieges dafür um so mehr gezeigt mit der Macht der Bilder, wie schon in Pearl Harbor, am 11. September 2001 in New York und Washington. Immer das gleiche Rezept. Und man stellt fest, der Bürger fällt darauf herein, immer wieder, sogar intelligente Leute. Ich mache da meine unerfreulichen Erfahrungen, jede Menge. Heute erlebe ich Medienzensur. Wie geht so etwas nur zu machen – wie nach Hitlers Machtergreifung?

Ernst Udo Kaufmann, Müllheim (DE)

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