BRICS – eine Hoffnung für Lateinamerika

von Gisela Liebe

Über den BRICS-Gipfel wurde in wichtigen Tageszeitungen Lateinamerikas wie «Página12» (Argentinien) und «La Jornada» (Mexiko) ausführlich berichtet. Bereits am Vorabend des Gipfels gab die Präsidentin der BRICS-Entwicklungsbank Dilma Rousseff bekannt, dass der letzte Schritt zu einem Beitritt von Kolumbien und Usbekistan vollzogen wurde. Damit zählt die Bank nun Brasilien, Russland, China, Indien, Südafrika, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bangladesch, Ägypten, Algerien, Kolumbien und Usbekistan zu ihren Vollmitgliedern. Weitere Bewerbungen anderer Länder werden geprüft. Rousseff erklärte, dass die BRICS-Bank im Gegensatz zu anderen Finanzinstitutionen, womit die Weltbank und der IWF gemeint waren, eine «Bank der Länder des Globalen Südens für die Länder des Globalen Südens» sei. «Unsere Beziehungen beruhen auf der Gleichheit aller Mitglieder, so dass kein Land dominiert und alle Stimmen gehört werden. Es gibt kein Vetorecht.»
  Die Grundsätze der BRICS-Bank beruhen auf Solidarität, Gerechtigkeit und der Achtung der Souveränität der Mitglieder. Die BRICS-Bank spielt eine Schlüsselrolle für die Entwicklung des Globalen Südens. Zwar schloss Roussef die Schaffung einer gemeinsamen Währung oder die Aufgabe des Dollars als Referenzwährung aus: «Ich sehe keine Möglichkeit, dass dies geschieht.» Jedoch bestätigte sie, dass der Dollar langfristig als Leitwährung ersetzt werden wird. Sie argumentierte, dass die Hegemonie des Dollar die Lieferung von Fremdwährungen an den Rest der Welt impliziert, was zu einer Schwächung des Industrialisierungsprozesses führt. Das Handelsbilanzdefizit der USA habe die Deindustrialisierung der USA zur Folge gehabt. Brasiliens Präsident Lula da Silva sprach sich deutlich dafür aus, Massnahmen zu ergreifen, um den Dollar zu schwächen. Seiner Meinung nach ist die Ersetzung des Dollars im internationalen Handel etwas «Irreversibles». In seiner Video-Botschaft an die Teilnehmer der Konferenz plädierte der russische Präsident Wladimir Putin für die Verwendung lokaler Währungen im Handel der BRICS-Länder untereinander. Erstmals einigten sich die Finanzminister der BRICS-Länder auch auf die gemeinsame Forderung nach einer Reform des IWF, der mit einer neuen Quotenregelung den Entwicklungs- und Schwellenländern mehr Gewicht geben solle. Auch die traditionelle Leitung des IWF durch einen Europäer wurde in Frage gestellt: «Wir müssen das anachronistische Gentlemen’s Agreement hinter uns lassen, das Europa die Führung des Fonds überlässt.»
  Das Gastgeberland Brasilien, das 2025 die Präsidentschaft der BRICS innehat, konnte sich mit seinem Präsidenten Lula da Silva selbstbewusst präsentieren. In den sechs Monaten während Brasiliens Präsidentschaft fanden rund 200 Veranstaltungen mit Funktionären, Akademikern, Fachleuten und erstmals auch Gruppierungen der Zivilgesellschaft statt. Zur Eröffnung des BRICS-Wirtschaftsforums hob Lula das riesige Potential der BRICS hervor, den Strukturwandel anzuführen und die Zusammenarbeit zwischen den Schwellenländern zu stärken. «Unsere Länder können ein neues Entwicklungsmodell anführen, das auf einer nachhaltigen Landwirtschaft, einer grünen Industrie, einer widerstandsfähigen Industrie und der Bioökonomie basiert.» Er erklärte, dass die elf BRICS-Länder 42% der weltweiten Agrarproduktion auf sich vereinen und zu den grössten Investoren in erneuerbare Energien gehören. Auch 84% der weltweiten Reserven an Seltenen Erden, 66% an Mangan und 63% an Graphit befinden sich in BRICS-Ländern.
  Dass US-Präsident Trump den BRICS-Ländern und ihren Unterstützern einen zusätzlichen Strafzoll in Höhe von 10% androht, rief Widerspruch und allgemeine Ablehnung hervor. Bereits am ersten Tag des Gipfels in Rio de Janeiro drückten die Staatschefs der BRICS in einer gemeinsamen Erklärung ihre ernsthafte Besorgnis wegen der unilateralen Verhängung von Zöllen aus und verurteilten deren politische Instrumentalisierung. 
  Breiten Raum nahm auch die Situation in Palästina ein. Lula da Silva plädierte in seiner Eröffnungsrede dafür, nicht indifferent gegenüber dem Genozid in Gaza zu bleiben. «Absolut nichts rechtfertigt die terroristischen Aktionen der Hamas. Aber wir können nicht gleichgültig gegenüber dem Genozid bleiben, der in Gaza von Israel verübt wird, und gegenüber der massenhaften Tötung von unschuldigen Zivilisten.» Auch in der Schlusserklärung wird ausführlich die Situation in Gaza verurteilt, ein sofortiger Waffenstillstand und der vollständige Abzug des israelischen Militärs aus dem Gaza-Streifen und den übrigen Besetzten Gebieten Palästinas gefordert. Die Unterstützung des BRICS-Mitglieds Iran wird ebenfalls in der Schlusserklärung deutlich, indem die militärischen Attacken gegen den Iran verurteilt werden, auch wenn vermieden wird, die USA zu erwähnen. Keines der BRICS-Mitglieder «verhängt oder unterstützt unilaterale Sanktionen, die nicht vom Uno-Sicherheitsrat autorisiert wurden», heisst es weiter in der Erklärung. •

Quellen:
https://www.pagina12.com.ar/839862-colombia-y-uzbekistan-se-suman-al-banco-del-BRICS
https://www.pagina12.com.ar/841939-lula-defendio-la-desdolarizacion
https://www.pagina12.com.ar/839961-los-BRICS-exigen-un-cese-del-fuego-en-gaza-y-critican-los-ar​​​​​​​https://www.jornada.com.mx/noticia/2025/07/07/economia/condena-la-cumbre-brics-los-aranceles-y-acometida-de-eu-a-iran

Auch Mexiko nähert sich BRICS an

gl. Die mexikanische Zeitung «La Jornada» zieht in ihrem Editorial vom 8. Juli unter dem Titel «BRICS: Positiver Kontrast» ein hoffnungsvolles Resümee des Gipfels auch für das eigene Land, welches der wichtigste Handelspartner der USA ist. Mexiko war erstmals zu einem BRICS-Gipfel als Beobachter eingeladen. Der mexikanische Aussenminister nahm in Rio de Janeiro teil.

«Mexiko erlebt die paradoxe Situation, dass der nationale Humanismus, der seit der letzten sechsjährigen Amtszeit1 unterstützt wird, der BRICS-Botschaft nahesteht, während das Land gleichzeitig in der Einflusssphäre der USA verankert ist. Auch wenn diese Besonderheit auf die geographische Nähe des Landes zur Supermacht zurückzuführen ist, darf nicht vergessen werden, dass der derzeitige Grad der Integration – oder Abhängigkeit, je nachdem, wie man es betrachtet – mit unserem nördlichen Nachbarn das Ergebnis von Entscheidungen ist, die vor mehr als drei Jahrzehnten von den Architekten des mexikanischen Neoliberalismus getroffen wurden und die von der Rechten in Form einer unwürdigen Unterwerfung unter Washington formuliert wurden. Unter den derzeitigen Umständen würde eine Abkopplung vom nordamerikanischen Wirtschaftsblock den totalen Zusammenbruch von Produktion und Beschäftigung verursachen und damit unermessliches menschliches Leid zur Folge haben. Der Trumpismus mit seiner Hemmungslosigkeit, selbst die engsten Partner und Verbündeten zu erpressen, erinnert jedoch daran, dass die Vereinigten Staaten niemals ein Freund sein werden und dass Mexiko nach Süden schauen muss, wenn es eine nachhaltige Wirtschaft aufbauen und seine Souveränität langfristig gewährleisten will.»



1 des früheren Präsidenten  Andrés Manuel López Obrador 2017–2023

Quelle: https://www.jornada.com.mx/serviciosjornada/microservicios/edicionpdf/LAJORNADAPDF_12189.pdf

(Übersetzung Zeit-Fragen)

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