Was steckt hinter den Kulissen des Alaska-Gipfels und wie geht es weiter?

von Alexander Kouzminov*, Neuseeland

Hinter jedem grossen Ereignis, hinter jedem Staatsmann, der an diesen Ereignissen beteiligt ist, steht der Geheimdienst.
  Die Reise des russischen Präsidenten Wladimir Putin zu seinem Treffen mit Präsident Donald Trump war nicht spontan. Die Tagesordnung des Alaska-Gipfels und das Protokoll wurden lange im voraus vorbereitet und nicht spontan – und angeblich auf Initiative von Trump, wie es der Öffentlichkeit präsentiert wurde.
  Dem Treffen der beiden Präsidenten gingen ein Austausch von Geheimdienstinformationen und vertrauliche Konsultationen voraus.

Der Gipfel – hinter den Kulissen

Vorbereitung und Austausch vertraulicher Informationen
  Dem Treffen in Alaska ging viel Arbeit voraus:

  • fünf Treffen zwischen Steve Witkoff, dem Sonderbeauftragten von Präsident Trump für die Ukraine und den Nahen Osten, und Präsident Putin: 11. Februar (3,5 Stunden), 13. März, 11. April (4,5 Stunden), 25. April (3 Stunden), 6. August,
  • direkte Telefongespräche zwischen Trump und Putin: 18. März (2,5 Stunden), 19. Mai, 4. Juni (1,15 Stunden), 14. Juni (etwa 1 Stunde), 3. Juli (1 Stunde).

Die folgenden Hauptthemen wurden diskutiert und sind offiziell bekannt:

  • Aussichten für eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten,
  • Beilegung des russisch-ukrainischen Konflikts,
  • Rüstungskontrolle und globale Sicherheitsfragen.

Es gab Themen, die der Öffentlichkeit bekannt waren und an denen Trump und Putin arbeiten werden, darunter:

  1. der Prozess der schrittweisen Aufhebung der US-Sanktionen gegen Russland;
  2. grosse gemeinsame Projekte;
  3. die Herbeiführung eines langfristigen Friedens in der Ukraine;
  4. ein Rahmenwerk für Sicherheitsgarantien für die Ukraine;
  5. die Bedingungen, unter denen Punkt (1) und Punkt (2) in Kraft treten, nämlich wenn die Beilegung des Konflikts in der Ukraine beginnen wird (Insiderinformationen).

Es ist durchaus möglich, dass Putin der Initiator des Treffens in Alaska war, aber dass er es Trump überliess, über den Ort zu entscheiden und ihn dann in den Medien öffentlich bekanntzugeben.

Wichtige Ereignisse vor dem Gipfel,
dem eigentlichen Treffen und danach

Teilnehmer der Delegation
  Der Kreml gab die Zusammensetzung der russischen Delegation am Vorabend des Gipfels, am 14. August, um etwa 22:00 Uhr Moskauer Zeit bzw. 07:00 Uhr Washingtoner Zeit bekannt.
  Die russische Delegation bestand aus folgenden Personen:
  Wladimir Putin – Präsident der Russischen Föderation, und:

  1. Sergej Lawrow – Aussenminister der Russischen Föderation
  2. Juri Uschakow – aussenpolitischer Berater,
  3. Andrej Beloussow – Verteidigungsminister,
  4. Anton Siluanow – Finanzminister,
  5. Kirill Dmitriev – Leiter des Russian Direct Investment Fund.

Die amerikanische Delegation wiederum war Moskau bekannt, jedoch wurde die Liste der amerikanischen Teilnehmer von Amerika selbst bekannt gegeben.
  Die Taktik des Kremls bestand offenbar darin, die Gegner des Treffens bis zum letzten Moment im unklaren darüber zu lassen, wer neben Putin an den Verhandlungen teilnehmen würde, damit die Gegner eine umfassende Diskussion der Themen des Treffens nicht verhindern konnten.
  Die Verhandlungen sollten zunächst «von Angesicht zu Angesicht» (Putin und Trump, einschliesslich Dolmetscher) und dann nach der «5-mal-5»-Formel stattfinden, was bedeutet, dass neben den Präsidenten fünf Teilnehmer aus jeder Delegation sowie eine Gruppe von Experten (von jeder Seite) an den Verhandlungen teilnehmen würden.
  Auch die Dauer des Gipfels wurde vereinbart: mindestens 6–7 Stunden.
  Am Nachmittag des 14. August (Washingtoner Zeit) gab das Weisse Haus die vollständige Zusammensetzung der amerikanischen Delegation bekannt, bestehend aus:
  Donald Trump – Präsident der Vereinigten Staaten, und:

  1. Marco Rubio – Aussenminister,
  2. Steve Witkoff – Sonderbeauftragter für Friedensmissionen,
  3. Scott Bessent – Finanzminister,
  4. Howard Lutnick – Handelsminister,
  5. John Ratcliffe – Direktor der CIA.

Die vollständige (vorläufige) Liste der US-Delegation umfasste 16 Personen, darunter der Vizepräsident, der Verteidigungsminister, der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, der Stabschef des Weissen Hauses, der stellvertretende Stabschef, der Pressesprecher und mehrere andere Beamte aus Trumps engstem Kreis.
  Vor seinem Abflug nach Alaska veröffentlichte Präsident Donald Trump in seinem sozialen Netzwerk Truth Social einige Worte und Ausrufe, darunter «High Stakes!!!» [Es steht viel auf dem Spiel]. Dies war ein Zeichen dafür, dass die Tagesordnung des Treffens sehr wichtig und umfangreich war.
  Während Putins Flugzeug nach Anchorage flog (Flugdauer etwa 10 Stunden), änderte die amerikanische Seite das Format des Treffens – nur wenige Stunden vor Beginn! Dies geschah auf Drängen von Aussenminister Marco Rubio. Rubio bestand darauf, das Format des Treffens zu verkürzen.
  Anstelle eines «Tête-à-Tête» zwischen Trump und Putin mit weiteren Verhandlungen im «5-mal-5»-Format wurde das Format in «3-mal-3»-Verhandlungen geändert, an denen beide Präsidenten teilnahmen.
  Die «3-mal-3»-Formel setzte sich wie folgt zusammen:
  Russland:

  1. Wladimir Putin – Präsident der Russischen Föderation
  2. Sergej Lawrow – Aussenminister
  3. Juri Uschakow – Aussenpolitischer Berater

  USA:

  1. Donald Trump – Präsident der Vereinigten Staaten
  2. Marco Rubio – Aussenminister
  3. Steve Witkoff – Sonderbeauftragter für Friedensmissionen.

Was ist denn daran so besonders? Es gibt einen grossen Unterschied, und der ist sehr bedeutend.
  Meine Vermutung ist, dass die Gegner einer Vertiefung der Beziehungen zwischen Putin und Trump in letzter Sekunde beschlossen haben, ihnen keine Gelegenheit zu einem «Einzelgespräch» zu geben, um zu verhindern, dass sie zu den sensibelsten (wichtigsten) Themen des Gipfels Vereinbarungen treffen.
  Die Hauptfigur hinter den Kulissen war Aussenminister Marco Rubio. Seine «versteckte» Rolle in den Verhandlungen war die eines «Wachhundes». Rubio ist ein glühender Russophober. Er ist einer der wichtigsten «Falken» in der Aussenpolitik und möglicherweise ein einflussreicher Akteur hinter den Kulissen der USA (dem «Deep State» der USA).

Putin und Trump haben ihre Gegner,
die gegen eine Vertiefung ihrer Beziehungen
waren, an die Wand gespielt

Der erste interessante Punkt:
  Es ist anzunehmen, dass Putin und Trump es schliesslich geschafft haben, die geplanten Themen zu besprechen. Dazu hatten sie während einer gemeinsamen Fahrt zum Gipfel in Trumps Limousine «The Beast»1 Gelegenheit, Informationen auszutauschen.
  Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese gemeinsame Fahrt nicht spontan von Trump initiiert wurde, sondern im voraus von Putin und Trump vereinbart worden war.
  Putin profitiert davon, wenn Trump auch nach 2028 US-Präsident bleibt, daher nutzt Putin Gelegenheiten, um Trumps Popularität sowohl innerhalb der USA (unter den Wählern) als auch auf internationaler Ebene zu steigern. Deshalb kommt Putin Trump öffentlich entgegen, um dessen Beliebtheit zu steigern, beispielsweise indem er ihn zum Initiator eines Treffens macht, was von Trump selbst öffentlich betont wird.
  Ich stelle fest, dass solche Gesten niemals zu 100% spontan sind. Putins Föderaler Sicherheitsdienst und Trumps Geheimdienst hatten sich lange vor dem eigentlichen Treffen auf die Details des Treffens und der Reise geeinigt. Für Aussenstehende ist es eine «Überraschung», für die Sicherheitsdienste jedoch ein kalkuliertes Risiko.
  Zehn Minuten in «The Beast» reichten aus für einen völlig geheimen Meinungsaustausch zu Schlüsselthemen des eigentlichen Treffens, die nicht für neugierige Ohren bestimmt waren. 
  Ich schliesse auch nicht aus, dass Putin einige sehr wichtige zuverlässige Informationen für Trump weitergegeben hat, die vom russischen Auslandsgeheimdienst (SVR) beschafft wurden – beispielsweise über die Pläne der europäischen Staats- und Regierungschefs in dokumentierter Form (z.B. auf einem elektronischen Medium, einem USB-Stick).

Der zweite interessante Moment ist das, was Trump während der kurzen Pressekonferenz gesagt hat: «Putin und ich sind uns in den meisten Fragen einig. Es gibt nur noch ein paar Punkte, die noch diskutiert werden müssen
  Es gibt mehrere tausend ungelöste Fragen in den Beziehungen zwischen den USA und Russland, und Trump behauptet, dass er mit Putin in fast allen Fragen eine Einigung erzielt hat – in weniger als drei Stunden!
  Man kann also davon ausgehen, dass die anstehenden Fragen bereits vor dem Treffen diskutiert und gemeinsam gelöst worden waren (vielleicht durch Steve Witkoff, Trumps Sonderbeauftragten?).

Der dritte interessante Punkt ist, dass Putin seine Rede auf dem Gipfel geändert hat.
  Von der geplanten Rede hat Putin vier Seiten seines Textes beiseite gelegt. Dies geschah, nachdem er gesagt hatte, dass Moskau darauf zähle, dass Kiew und die europäischen Länder Versuche ablehnen würden, den sich abzeichnenden Fortschritt bei der Beilegung des Konflikts in der Ukraine durch ihre Provokationen und Intrigen zu stören.
  Putin sagte wörtlich: «Wagen Sie es nicht, Provokationen zu inszenieren, um den laufenden Verhandlungsprozess für eine friedliche Beilegung des Konflikts in der Ukraine zu stören.» Trump hörte an dieser Stelle sehr aufmerksam zu und nickte.
  Die Schlussfolgerung lautet also, dass Putin über zuverlässige Informationen des SVR über bevorstehende Provokationen der Ukraine verfügt und dass europäische Staats- und Regierungschefs tatsächlich dahinterstehen. Höchstwahrscheinlich hat Putin diese Informationen vor dem Treffen an Trump weitergegeben.
  Nach der Pressekonferenz hielt Putin einen Stapel Papiere in den Händen. Eines der Blätter war handschriftlich, mit einigen hervorgehobenen Wörtern und thematischen Blöcken. Vielleicht enthielt es Informationen über Provokationen, die Putin in letzter Minute nicht öffentlich machen wollte.
  Übrigens, warum ist Trumps Übersetzer während dieses Gesprächs nicht anwesend?
  Putin über Trumps persönliche Sicherheit: «Donald, du bist Zielscheibe!»
  Bei der Pressekonferenz begann Putin mit den Worten: «Hallo, Nachbar! Ich freue mich, dass du bei guter Gesundheit bist und dass du lebst!» Seine Worte lassen sich wie folgt interpretieren: «Donald, du bist Zielscheibe!», und das jetzt besonders nach dem Gipfeltreffen in Alaska.
  Denken Sie einmal darüber nach – wie kann man so etwas öffentlich vor der ganzen Welt sagen, während man neben Trump steht! Vielleicht weiss Putin (auf Grund von Informationen des SVR), dass weiterhin Attentate auf Trump vorbereitet werden, und Putin hat dies offen ausgesprochen.
  Meine Vermutung ist, dass Trump, bevor er Präsident wurde, einen Deal mit dem «Deep State» der USA geschlossen hat. Das ist offensichtlich, sonst hätten die Globalisten Trump nicht erlaubt, Präsident zu werden. Anscheinend war der erste Punkt in Trumps Vereinbarung mit dem «Deep State» eine Lebensversicherung, während er Aussen- und Innenpolitik betreibt. Nachdem er Präsident geworden war, hörten die Attentatsversuche gegen Trump auf. Aber Trump begann, gegen einige Punkte der Vereinbarung zu verstossen – zum Beispiel mit der Annäherung an Russland.
  Daher Putins Worte im Live-Fernsehen, die in erster Linie für den «Deep State» bestimmt waren – mit der Bedeutung: «Wir wissen, dass ihr eine Verschwörung und Attentatsversuche vorbereitet, und du, Donald, bist wieder Zielscheibe!»

Der vierte interessante Punkt ist, dass wir skeptisch sein sollten, wenn Trump vor der Presse am Mikrofon steht. Es ist seine Taktik, einen Informationsnebel zu erzeugen.
  Bevor er nach Anchorage fliegt, um sich mit Putin zu treffen, gibt Trump am Flughafen von Washington unter dem Dröhnen von Flugzeugen ein Interview. Er erklärt, dass das Hauptthema für ihn bei diesem Treffen ein Waffenstillstand in der Ukraine ist und dass er, wenn er keine Einigung mit Putin erzielen kann, sehr verärgert sein wird, die Sanktionen fortsetzen wird usw.
  Warum unter dem Lärm der Flugzeuge? Damit Trump, wenn er an seine Worte erinnert wird, diese in seiner üblichen Art und Weise zurückweisen und sagen kann: Man hat mich missverstanden, ich habe etwas Falsches gehört usw.
  Unmittelbar nach dem Gipfeltreffen ruft Trump die europäischen Staats- und Regierungschefs an und erklärt: Es wird vorerst keinen Waffenstillstand in der Ukraine geben, aber wir werden gemeinsam daran arbeiten, einen langfristigen, nachhaltigen Frieden in der Ukraine zu erreichen, und zwar im Rahmen eines trilateralen Treffens, und dann richtete er weitere erfreuliche Worte an Selenski und an Europa.
  Das ist das Ergebnis von fast drei Stunden Verhandlungen mit Putin – was für eine Überraschung!
  Wir können daraus schliessen, dass Trump mit den europäischen Staats- und Regierungschefs – den Sponsoren der Fortsetzung des Konflikts in der Ukraine – spielt und sie in die Irre führt. Er will seine Karten nicht auf den Tisch legen, nämlich die Vereinbarungen, die er bereits mit Putin getroffen hat (Witkoffs Besuche in Moskau, Informationen des Geheimdienstes (SVR) an Trump usw.).

Der fünfte interessante Punkt ist, dass das Protokoll für das Treffen im voraus genehmigt wurde. Trump sollte als Gastgeber Putin bei seinem Besuch auf dem Friedhof in Anchorage begleiten, wo sowjetische Piloten begraben sind, die während des Zweiten Weltkriegs beim Transport amerikanischer Flugzeuge von Alaska nach Sibirien ums Leben kamen. Trump tat dies nicht und kehrte nach dem Gipfeltreffen sofort nach Washington zurück. Warum?
  Die Antwort lautet: Wenn Trump nach dem Treffen nicht weggeflogen, sondern in Anchorage geblieben wäre und Putin begleitet hätte, wäre dies ein Schock für die politische Elite Europas gewesen! Es wäre als Zeichen dafür gewertet worden, dass Trump weitgehend, wenn nicht sogar vollständig auf Putins Seite steht, und dass etwas dagegen unternommen werden muss!

Erste Ergebnisse des
Gipfeltreffens (kurze Zusammenfassung)

1. Es gab einen öffentlichen Durchbruch hinsichtlich der diplomatischen Isolation Russlands.
Putin hat den «Damm» durchbrochen, den die Globalisten in der politischen Elite Europas errichtet hatten, um eine Annäherung der beiden Präsidenten zu verhindern.
  Interessante Insider-Informationen: Einige Mitglieder von Putins Kontaktgruppe, die auf russischer Seite an der Vorbereitung des Gipfels beteiligt waren, erhielten erhebliche Anreize für sich selbst.

2. Trump unterstützte öffentlich die russische Position hinsichtlich der Bedingungen für den Abschluss eines Friedens zwischen Russland und der Ukraine.

  • Trumps Position vor dem Gipfel: zuerst ein Waffenstillstand, dann, unter den Bedingungen des Waffenstillstands, Verhandlungen und die Unterzeichnung eines Friedensvertrags.
  • Nach dem Gipfel übernahm Trump die Position des Kremls: ein schneller Frieden, aber auf einer soliden Grundlage, die der Kreml für solide hält.

Das schwache Element ist die Zeit. Trump hat wenig Zeit, um eine Position für eine friedliche Lösung einzunehmen. Im März 2026 beginnen die Vorbereitungen für den Wahlkampf in den Vereinigten Staaten. Die Republikaner und Trump müssen eine Position entwickeln, einschliesslich einer internationalen Position, um diese als ihr Programm für die Zwischenwahlen am 3. November 2026 zu bewerben und 2028 zu gewinnen. Andernfalls wird das Projekt «Donald Trump – wieder Präsident» (oder sein Nachfolger, Vizepräsident J.D. Vance?) ad acta gelegt. Derzeit herrscht keine Einigkeit in der Republikanischen Partei.

3. Trumps Druck auf die Europäische Union.
Eine Form dieses Drucks besteht darin, dass Trump den europäischen Verbündeten bereits klargemacht hat, dass amerikanische Militärstützpunkte geschlossen werden (nur in Deutschland und Polen bleiben sie bestehen). Die USA werden Europa nicht mehr unterstützen (wirtschaftlich, militärisch).

4. Nachhaltiger Frieden oder Waffenstillstand?
Das Konzept eines «nachhaltigen und langfristigen Friedens» ist für den Kreml vorteilhafter als das eines «Waffenstillstands», da es Folgendes kombinieren kann:

  • Russlands bedeutenden Einfluss auf der internationalen Bühne;
  • die Verhandlungen ausgewogener, gründlicher und ohne Zeitdruck führen und gleichzeitig weiterhin militärischen Druck auf die ukrainische Führung auf dem Schlachtfeld ausüben.

Der Kompromiss wird für einige Zeit bestehen bleiben. Es wird langsame, aber stetige Fortschritte in Richtung einer friedlichen Lösung des Konflikts in der Ukraine geben.
  Ein solcher Kompromiss hat viele Nachteile. Sein grosser Vorteil besteht darin, dass keine Menschen mehr sterben und die Infrastruktur der Ukraine und Russlands nicht zerstört wird. Man sollte jedoch nicht damit rechnen, dass die militärischen Aktionen bald eingestellt werden.

5. Sanktionen.
Die Frage der Aufhebung der US-Sanktionen gegen Russland wurde vorerst vertagt.

6. Gemeinsame amerikanisch-russische Grossprojekte.
Amerika ohne wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland wieder gross zu machen, wird nicht funktionieren. Trump und Putin haben sich auf solche Projekte geeinigt (Witkoffs Besuche bei Putin usw.). Dazu gehört die Zusammenarbeit in den Bereichen Weltraum, Technologie und insbesondere in der Arktis. 
  Im Jahr 2025 unternahm Putin vier Reisen in die nördlichen Arktisregionen Russlands, darunter am Tag vor und unmittelbar nach dem Gipfeltreffen in Alaska. In Russland wurden folgende Einrichtungen geschaffen: der Investitionsfonds für die Entwicklung der Arktis und die Strategie für die Entwicklung der Arktisregion Russlands.
  In bezug auf Zentralasien: Unmittelbar nach dem Treffen führte Putin (telefonische) Gespräche mit den Staats- und Regierungschefs von Usbekistan, Kasachstan, Tadschikistan, Kirgisistan, Weissrussland, Indien, Brasilien und Südafrika. Mit dem Ergebnis, dass

  • diese Länder an gemeinsamen Projekten teilnehmen werden,
  • die Rolle Russlands in Zentralasien und damit in Eurasien – einer für Russland wichtigen wirtschaftlichen und geopolitischen Region – gestärkt wird.

Heisse Wirtschaft: Zentralasien (und damit das Herzstück Eurasiens) hat für Russland eine bedeutende wirtschaftliche und geopolitische Bedeutung (z.B. als Quelle für Rohstoffe, Energie, Lieferungen von russischem Öl und Gas), Investitionen, Verkehrsinfrastruktur, Handelskanäle mit China und anderen eurasischen Ländern.
  Eurasien ist auch für die Vereinigten Staaten von entscheidender Bedeutung. Ohne Eurasien werden die Vereinigten Staaten nicht in der Lage sein, um die globale Führungsrolle zu konkurrieren. In dieser Region werden Russland und die Vereinigten Staaten nach Punkten von gemeinsamem Interesse und Kompromissen suchen.
  Was ist zu erwarten?
  Noch ist nichts entschieden. Wir sollten nicht glauben, dass das Treffen in Alaska sofort zu einer ernsthaften wirtschaftlichen Entwicklung und friedlichen Regelungen führen wird. Es gibt Hoffnung, aber keine Garantie. Alles, was wir uns erhoffen können, kann zu weiteren Dialogen ohne echte, positive Ergebnisse führen. Selbst kurzfristige Prognosen sind derzeit sinnlos. Die echte Weltpolitik wird hinter den Kulissen gemacht, wo die Geheimdienste operieren.
  Dennoch:

  • Die Ukraine wird zusammen mit der europäischen politischen Elite versuchen, die Vereinbarungen zwischen Putin und Trump zu beeinflussen und den Verhandlungsprozess über eine friedliche Beilegung des Ukraine-Konflikts zu stören.
  • Selenski wird eine Entscheidung treffen müssen: entweder den von Trump unterstützten Bedingungen Russlands zuzustimmen oder Putins Angebot abzulehnen. Selenski befindet sich in einer Zugzwangs-Situation (eine Situation, in der jeder Zug eines Spielers seine Position verschlechtert): Egal, was er tut, er wird politisch gebrochen und zum Frieden gezwungen werden.
  • Die Ukraine wird gemeinsam mit Europa versuchen, Einfluss auf die Vereinbarungen zwischen Putin und Trump zu nehmen und den Verhandlungsprozess über eine friedliche Beilegung des Ukraine-Konflikts zu stören.
  • Die gesamte politische Elite Europas verliert. Sie können sich nicht als national orientierte Führungspersönlichkeiten behaupten.
  • Trump wird seine Taktik fortsetzen, eine Informationsnebelwand zu errichten. Es werden keine öffentlichen Details über seine tatsächlichen Pläne bekanntgegeben (zumindest bis März 2026 – Vorbereitungen für die Zwischenwahlen am 3. November 2026), da sonst der «Deep State» der USA seine Pläne vereiteln würde. 

Warten wir auf Überraschungen … •



1 https://ria.ru/20250816/ssha-2035718505.html – siehe das kurze Video

(Übersetzung Zeit-Fragen)

* Dr. Alexander Kouzminov ist ein ehemaliger Geheimdienstoffizier des sowjetisch-russischen Auslandsgeheimdienstes. Er hat einen Doktortitel in Biowissenschaften der Lomonossow-Universität Moskau. Seit 1994 lebt er in Neuseeland, wo er sich als hochqualifizierter und erfahrener Umweltexperte (Biosicherheit) etabliert hat. Er verfügt über umfangreiche Erfahrungen sowohl in der neuseeländischen Zentralregierung als auch in der Privatwirtschaft als Seniorberater, Senioranalyst, Direktor und Geschäftsführer. Er hat an einer Reihe von Dokumenten zur Umwelt- und Biosicherheit/Bioabwehrpolitik (in Neuseeland und international) mitgewirkt, darunter die aktuellen neuseeländischen Trinkwassernormen und die Politikforen der Unesco. Neben seiner beruflichen Tätigkeit ist er Autor des Buches «Biological Espionage: Special Operations of the Soviet and Russian Foreign Intelligence Services in West», das 2005 in London und New York veröffentlicht und in viele europäische Sprachen übersetzt wurde.

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