Was gebietet der nüchterne Rückblick aus der Zukunft?

von Prof. Dipl. Ing. agr. Dr. iur. Heinrich Wohlmeyer*

Im Rahmen der Europäischen Umwelträte – EEAC – haben wir seinerzeit zur Beurteilung der gegenwärtigen Entwicklungen die Methode des Rückblicks aus der Zukunft eingeführt.
  Diese ist inzwischen wissenschaftliches Allgemeingut geworden.
  In ihrem Lichte gleichen wir einem globalen Zug der Lemminge, der in den Abgrund rast. Sowohl im ökologischen als auch im sozialen und politischen Bereich stehen wir am Abgrund.
  Die erkennbare Vielfalt der negativen Entwicklungen ist sehr gross. Um der gebotenen Kürze zu dienen, greife ich nur einige wesentliche Gefährdungen heraus.

  Zur Ökologie:
  Allein die Meeresverschmutzung rät zur Umkehr. Die staatliche Behörde Australiens für wissenschaftliche und industrielle Forschung – CSIRO – berichtet, dass im Pazifik bereits eine Plastikinsel in der Grösse Europas schwimmt. Der am Boden der Ozeane liegende Plastikmüll ist 100mal schwerer als der an der Oberfläche schwimmende und wird auf 12 Mio. Tonnen geschätzt.
  Die jüngste, ergebnislos zu Ende gegangene UN-Konferenz zur weltweiten Eindämmung des Plastikmülls in Genf hat die Borniertheit der Haltung der Produzentenländer gezeigt. Sie agieren mit einer Gesinnung «nach uns uns die Sintflut».
 Der weltweite Bodenverbrauch ist ebenso erschreckend, wenn man bedenkt, dass in den Böden die höchste biologische Vielfalt nach den Ozeanen gegeben ist, und dass sie etwa 2000 Gigatonnen CO2 speichern.
  Der Verlust von über 10 Mio. ha Ackerland pro Jahr gefährdet auch die Ernährung. Wenn dieser Bodenverbrauch fortgesetzt wird, werden wir unter 2000 m2 fruchtbaren Bodens je Mensch sinken und damit in eine echte – nicht mehr verteilungsbedingte – Ernährungskrise kommen.

  Zum Sozialen:
  Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich sowohl international als auch national.
  Laut OXFAM haben seit 2020 die fünf reichsten Menschen der Welt ihr Vermögen verdoppelt.
  Diese Entwicklung wird meist verharmlost, weil in den letzten 40 Jahren die extreme Armut von einem Drittel der Weltbevölkerung auf unter 10% zurückgegangen ist.
  Dennoch ist diese Entwicklung, nicht nur gemessen an den Menschenrechten, nicht aufrechtzuerhalten.
  Vor allem die steigende Verschuldung der Staaten ist brandgefährlich. Hält sie weiter an wie bisher, dann werden der Zinsendienst und die Rückzahlungsverpflichtungen die Budgets beherrschen.
  Für den sozialen Bereich würde nichts mehr übrigbleiben. Bildung, Gesundheit, Unterstützung der Arbeitslosen und Altersvorsorge blieben auf der Strecke.
  Dies haben die Ökonomen Dirk Sollte und Wolfgang Eichhorn im Rahmen des Forums für Verantwortung bereits 2009 im Buch «Das Kartenhaus Weltfinanzsystem – Analyse – Rückblick – Ausblick» aufgezeigt und hochgerechnet, dass bereits um 2030 die gesamte Wertschöpfung zur Bedienung von Zins und Rendite erforderlich wäre, wenn wir das Finanzsystem weiter treiben lassen wie bisher. Hinzu kommt noch, dass die Grosskapitalien zu immer grösseren, umweltzerstörenden Projekten drängen.

  Im politischen Bereich stehen die Zeichen leider ebenfalls auf Sturm.
 Feindbilder werden aufgebaut, damit der militärisch-industrielle Komplex weiter zulasten der wohlstandsmehrenden Ausgaben finanziert wird.
  Dies hat Thomas P.M. Barnett in seinem Buch «The Pentagon’s New Map» nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 2004 dargelegt und gefordert.
  Seit 10 Jahren steigen die Militärausgaben weltweit. Von 2023 auf 2024 sind sie laut SIPRI-Schweden um 9,2% auf 2,7 Billionen US-Dollar, das sind 2700 Milliarden US-Dollar, gestiegen.
  Etwa 0,7% (14 Mia.) würden genügen, um den ärgsten Welthunger aufzufangen – ein Skandal der Unmenschlichkeit!
  Dazu kommt noch die Eskalierung der aktuellen Konflikte, die die Gefahr eines Atomkrieges herbeiführt.
  Dies ist vor allem für Europa zu bedenken: Die USA haben gegenüber Russland die Verträge zur wechselseitigen Inspektion der Atomwaffen gekündigt und gleichzeitig angekündigt, dass sie ihre Militärbasen in Europa – insbesondere in Deutschland – mit atomar bestückten Mittelstreckenraketen ausstatten werden. Ziel ist das Jahr 2026.
  Ich denke mich nun in die russische militärische Führung hinein: Bevor Russland voll eingekreist und praktisch wehrlos ist, bietet sich ein überraschender Befreiungsschlag an.
  Die Russen wollen keinen Atomkrieg. Daher werden sie versuchen, die US-Atomwaffen «konventionell» auszuschalten.
  Dies deckt sich mit den Voraussagen des bayerischen Sehers Alois Irlmaier, der zu einer jungen Krankenschwester gesagt hat: Madl, du wirst noch den dritten Weltkrieg sehen, und ich sage Dir, wie es abläuft:

Zuerst kommt ein Wohlstand wie noch nie.
Dann folgt – wie noch nie – ein Glaubensabfall.
Darauf eine Sittenverderbnis wie noch nie.
Alsdann kommt eine grosse Zahl fremder Leute ins Land.
Es herrscht grosse Inflation. Das Geld verliert mehr und mehr an Wert.
Bald darauf folgt die Revolution.
Dann überfallen die Russen über Nacht den Westen.

Irlmaier sah dann konkret: Während noch über Frieden geredet wird, stossen über Nacht drei Panzerdivisionen gegen Westen vor. Eine im Norden, eine über Berlin und eine nördlich der Donau. Sie kommen bis zum Rhein (schalten also die US-Raketenbasen aus). Aber dann greifen die USA mittels Drohnen vom Süden (Basis in Nordafrika) an und werfen einen Todesstreifen (Neutronenbombe) ab «von der Stadt an der Bucht (Stettin?) bis zur Goldenen Stadt (Prag)». 
  Dann kommt es zu einer verzweifelten und vernichtenden Endschlacht, in der die Russen auch Atomwaffen einsetzen und Deutschland nördlich der Donau zerstört wird.
  Die drei Panzerdivisionen entsprechen den drei westlichen Militärbezirken, die die Russen als Antwort auf das Nato-Manöver Defender Europe errichtet haben. Diese sind mit den modernsten Panzern (Armata-Panzer) ausgerüstet. Diese setzen die Russen in der Ukraine nicht ein, damit die Technologie nicht bekannt wird.
  Wir sollten dieses Szenario nicht verdrängen, denn es ist leider plausibel. Ich beobachte jedoch eine kollektive Ausblendung und die Flucht in Nichtigkeiten.
  Friedensinitiativen und neutrale Konzepte sind daher dringender als in der Vergangenheit – und notwendend.

  Stephane Hessel hat seinem Abschiedsbüchlein «Engagiert Euch!» bewusst die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte beigeschlossen, die zu Vernunft und Menschlichkeit auffordert.
  Daher sind die Schweiz und Österreich als immerwährend neutrale Staaten gefordert, zu vermitteln und sich nicht in die Konfrontationen einspannen zu lassen – was leider schrittweise geschieht.
  Ich möchte als ein alter Mann mit einem Memento von Antoine de Saint-Exupery abschliessen, weil ich denke, dass der Friede in den Herzen der Menschen beginnt.
  Es sei den Ausbeutern und Kriegstreibern ins Stammbuch geschrieben.

Wenn Menschen gottlos werden,
sind Regierungen ratlos,
Lügen grenzenlos,
Schulden zahllos,
Besprechungen ergebnislos,
Politiker charakterlos,
Christen gebetslos,
Kirchen kraftlos,
Völker friedlos,
Sitten zügellos,
Mode schamlos,
Konferenzen endlos – Aussichten trostlos.

Ich möchte noch einen Ausspruch eines atheistischen Ex-Kommunisten, Gregor Gysi, hinzufügen. Er meinte: «Ich glaube nicht an Gott, aber ich fürchte mich vor einer gottlosen Gesellschaft.» •



Heinrich Wohlmeyer, geboren 1936 in St. Pölten; Gen. Dir. a.D.; Hon. Prof. Dipl. Ing agr. Dr. iur; Dipl. in Law, studierte in Wien Landwirtschaft und Rechtswissenschaften, beschäftigte sich als Fulbright-Stipendiat in den USA mit «Agricultural Economics and Business Administration» und promovierte in London über «Internationale Rohstofflenkungs-Abkommen». 20 Jahre war Wohlmeyer in der Industrie, Regionalentwicklung und Handelspolitik tätig sowie gute zehn Jahre Forschungsmanager. Er lehrte an der Technischen Universität Wien und der Universität für Bodenkultur in Wien. Er befasste sich früh mit Nachhaltigkeitsfragen, Kreislaufwirtschaft und ökonomischen, ökologischen und sozialen Fehlentwicklungen. Verschiedene Auszeichnungen und zahlreiche Veröffentlichungen. 

Unsere Website verwendet Cookies, damit wir die Page fortlaufend verbessern und Ihnen ein optimiertes Besucher-Erlebnis ermöglichen können. Wenn Sie auf dieser Webseite weiterlesen, erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.
Weitere Informationen zu Cookies finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
 

Wenn Sie das Setzen von Cookies z.B. durch Google Analytics unterbinden möchten, können Sie dies mithilfe dieses Browser Add-Ons einrichten.

OK