Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro rief gestern [14.11.2025] das US-amerikanische Volk dazu auf, die Kriegspläne des Trumpismus zurückzuweisen und eine führende Rolle dabei zu übernehmen. Er forderte dazu auf, «die wahnsinnige Hand dessen zu stoppen, der den Befehl zum Bombardieren, Töten und zum Führen eines Krieges in Südamerika und der Karibik gibt; stoppt den Krieg, nein zum Krieg!». Einen Tag zuvor hatte der Präsident bei einer Kundgebung zur Verteidigung der Souveränität Venezuelas seinen Amtskollegen Donald Trump aufgefordert, die Vereinigten Staaten nicht in einen «endlosen Krieg» zu führen, keine neuen ungerechten Konflikte zu beginnen, «kein Libyen mehr, kein Afghanistan mehr», in Anspielung auf zwei der Nationen, die in diesem Jahrhundert am stärksten vom US-Imperialismus zerstört wurden.
Die Äusserungen des chavistischen Politikers erfolgen vor dem Hintergrund, dass Washington kaum noch versucht zu verbergen, dass die Entsendung von Truppen, Flugzeugen und Kriegsschiffen an die Karibik- und Pazifikküste Südamerikas, darunter auch seines grössten und modernsten Flugzeugträgers, in Wirklichkeit darauf abzielt, einen Regierungswechsel in Caracas herbeizuführen. Bislang scheint die Strategie der US-Falken darin zu bestehen, dass die blosse Präsenz ihrer Flotten in Verbindung mit der Wirtschaftsblockade, der millionenschweren Belohnung für «Informationen, die zur Festnahme Maduros führen» und den ständigen Drohungen des Weissen Hauses einen Staatsstreich auslösen wird, der durch einen Bruch innerhalb der Reihen der bolivarischen Armee ermöglicht werden soll. Eine direkte militärische Aktion, wie sie der venezolanische Präsident andeutet, ist jedoch nicht auszuschliessen.
In diesem Sinne ist es alarmierend, dass hochrangige Mitglieder der US-Streitkräfte und der US-Regierung sowie einige ihrer ehemaligen Mitglieder und Sprecher ultrarechter Organisationen offen über eine militärische Intervention gegen Caracas sprechen und sogar dazu aufrufen. Die öffentliche und unverblümte Diskussion über imperialistische Angriffe ist ein Beleg für den Schaden, den der Trumpismus dem Völkerrecht und den diplomatischen Normen zugefügt hat: Wenn der Führer der grössten Weltmacht offen davon spricht, seine Launen mit Gewalt durchzusetzen, normalisiert er die Barbarei und schafft eine allgemeine Akzeptanz dafür, so dass selbst die schlimmsten Greueltaten niemanden mehr überraschen.
Angesichts dieser Tatsachen erscheinen die seit Anfang September von Washington durchgeführten aussergerichtlichen Hinrichtungen und das gewaltsame Verschwindenlassen von mindestens 80 Personen als makabrer Versuch, die Handlungsfähigkeit der internationalen Gemeinschaft zu testen angesichts massiver Menschenrechtsverletzungen, die am hellichten Tag begangen und von Trump und mehreren Mitgliedern seines Kabinetts wie Kriegstrophäen präsentiert werden. Leider hat die Isolierung kritischer Stimmen gegen diese Praktiken und die Untätigkeit der internationalen Organisationen, die verpflichtet wären, in dieser Angelegenheit tätig zu werden, dem Magnaten gezeigt, dass er für seine Verstösse faktisch straffrei bleibt.
Dies wird beispielsweise durch die Veröffentlichung eines geheimen Memorandums des US-Justizministeriums bestätigt, aus dem hervorgeht, dass sich die republikanische Regierung bewusst ist, dass es keinerlei Rechtsgrundlage für ihre Operationen gegen mutmassliche Drogenboote gibt. Die einzige «Rechtfertigung» dafür beruht auf Trumps Idee, dass sich sein Land im Krieg mit Drogenhändlern befindet und diese als feindliche Kämpfer betrachtet werden können. Das ist eine absurde Vorstellung, denn damit der Krieg rechtlich gesehen tatsächlich stattfinden kann, muss er vom Kongress genehmigt werden, und selbst in diesem Fall setzt das Humanitäre Völkerrecht Grenzen dafür, was in einem bewaffneten Konflikt getan werden darf und was nicht.
Für Regierungen und Bürger, die sich für Frieden und Selbstbestimmung der Völker einsetzen, ist es dringender denn je, sich zur Verteidigung Venezuelas zusammenzuschliessen, unabhängig davon, welche Meinung sie von seinem Präsidenten haben: Auf dem Spiel steht nicht das Schicksal des Chavismus, sondern es droht die Rückkehr des brutalsten US-Neokolonialismus in der Region. •
Quelle: La Jornada vom 15.11.2025, Editorial; https://www.jornada.com.mx/noticia/2025/11/15/editorial/venezuela-y-el-futuro-de-america-latina
(Übersetzung Zeit-Fragen)
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