Brüssel, den 15. Dezember 2025
Die Entscheidung des EU-Rats für Auswärtige Angelegenheiten, weitere europäische Bürger zu sanktionieren – darunter den ehemaligen Schweizer Geheimdienstoffizier und pensionierten Oberst Jacques Baud –, stellt einen weiteren schweren Schlag gegen die Rechtsstaatlichkeit in der Europäischen Union dar. Mit den nun beschlossenen Massnahmen gegen Jacques Baud wegen angeblicher «Desinformationsaktivitäten» versucht die politische Elite der EU, einen der renommiertesten Analysten des Ukraine-Krieges zum Schweigen zu bringen, sagt von der Schulenburg. «Die EU nutzt die Sanktionsliste als Instrument gegen Kritiker und manövriert sich immer weiter in einen Abgrund der Gesetzlosigkeit», so Ruth Firmenich.
Ohne solide Rechtsgrundlage werden europäische Bürger wegen «Desinformation» sanktioniert. Gleichzeitig soll in dieser Woche die rechtswidrige Umwandlung von dauerhaft eingefrorenen Vermögenswerten der russischen Zentralbank in Sicherheiten für Kredite an die Ukraine erfolgen. Parallel dazu läuft vor dem EuGH ein Verfahren wegen der unrechtmässigen Anwendung von Artikel 122 als Rechtsgrundlage für die 150 Milliarden Euro schwere SAFE-Verordnung. Mit ihren Massnahmen bedroht die EU die Rechtsstaatlichkeit. Schulenburg und Firmenich fordern: «Das Europäische Parlament muss jetzt handeln. Es kann die Aufhebung des Sanktionsrahmens für ‹Desinformation› beantragen – und es muss von dieser Möglichkeit Gebrauch machen.»
Ein kürzlich im Auftrag der Europaabgeordneten Michael von der Schulenburg und Ruth Firmenich erstelltes Rechtsgutachten – abrufbar unter tinyurl.com/4pkttj6z – stützt diese Kritik. Darin kommen Prof. Dr. Ninon Colneric, ehemalige Richterin am Europäischen Gerichtshof (früher: Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften), und Prof. Dr. Alina Miron, Professorin für internationales Recht an der Universität Angers, zu dem Ergebnis, dass zahlreiche Elemente des EU-Sanktionsrahmens gegen «Desinformation» mit dem Unionsrecht unvereinbar sind. Zudem benennen sie erhebliche Defizite bei der Wahrung grundrechtlicher Mindeststandards.
Besonders kritisch bewerten die Gutachterinnen die Verweigerung des Rechts auf Anhörung für Personen, denen Desinformation vorgeworfen wird, bevor Sanktionen gegen sie verhängt werden. Dieses Vorgehen sei unverhältnismässig und damit rechtswidrig. Der Schaden, der «einer der tragenden Säulen der Demokratie – der Meinungsfreiheit – zugefügt wird», stehe in keinem angemessenen Verhältnis zum Ziel der Bekämpfung von Desinformation. Die Massnahmen verstiessen sowohl gegen die Verhältnismässigkeitsanforderungen des EU-Rechts als auch gegen Artikel 11 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union.
Darüber hinaus seien die im Rahmen des Sanktionsregimes vorgesehenen Einschränkungen der Freizügigkeit von EU-Bürgern rechtswidrig, während die rechtlichen Garantien für die Betroffenen insgesamt unzureichend ausfielen. Die verwendeten Begriffe wie «Informationsmanipulation und Einmischung» seien derart weit gefasst, dass sie dem Rat faktisch eine nahezu uneingeschränkte Ermessensfreiheit bei der Verhängung von Sanktionen einräumten. Dies eröffne die Gefahr politisch motivierter Verfolgung.
Abschliessend betonen die Autorinnen die abschreckende Wirkung des neuen Sanktionsregimes auf Journalisten. Es mache riskant, Themen von öffentlicher Kontroverse aufzugreifen, da Informationen jederzeit als «Desinformation» eingestuft werden könnten. Das Regime könne Journalisten und andere Akteure davon abhalten, ihr Recht auf freie Meinungsäusserung und Information uneingeschränkt wahrzunehmen. •
Quelle: https://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/251216-Firmenich-Schulenburg-EU.pdf
zf. Die EU behauptet: «Jacques Baud, ehemaliger Oberst der Schweizer Armee und strategischer Analyst, […] verbreitet Verschwörungstheorien, indem er beispielsweise die Ukraine bezichtigt, ihre eigene Invasion herbeigeführt zu haben, um der Nato beizutreten.»
Tatsache ist: In seinem 2023 in deutscher Übersetzung erschienenen Buch «Putin. Herr des Geschehens?» zitiert Jacques Baud auf den Seiten 196f. ausführlich ein Interview des ukrainischen Fernsehsenders Apostrof TV vom 10. März 2019 mit Oleksej Arestowitsch, dem späteren Berater des ukrainischen Präsidenten Selenski. Dort ist unter anderem zu lesen:
«Oleksej Arestowitsch: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,9 Prozent ist unser Preis für den Beitritt zur Nato ein grosser Krieg mit Russland. […]
Apostrof TV: Und wenn Sie wählen könnten, was wäre das Beste?
Oleksej Arestowitsch: Selbstverständlich ein grosser Krieg mit Russland und der Schritt in die Nato nach dem Sieg über Russland. […]
Apostrof TV: Wann [beginnt der Krieg]?
Oleksej Arestowitsch: 2021 bis 2022. […]»
Was die Bücher von Jacques Baud auszeichnet, ist, dass sie nüchtern und faktenbasiert sind, dass jede Aussage mit präzisen Fussnoten dokumentiert ist, wobei 90% der Quellen aus dem Westen stammen. Die EU kann seine Argumente nicht widerlegen, will aber die Darstellung um jeden Preis auslöschen.
Diese Zensur stellt einen Verstoss gegen die Europäische Charta der Grundrechte und Artikel 19 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte dar.
Ist von der akademischen Freiheit in Europa, von Voltaire, noch etwas übrig? Sind wir zurück in den Tagen der römischen und spanischen Inquisition? Der Weg zum EU-Ministerium für Wahrheit wird noch viele weitere Opfer fordern – darunter auch uns, die Leser, denen das Menschenrecht auf Zugang zu Informationen vorenthalten wird – und eine ganze Reihe von Narrativen, die wir lesen und selbst beurteilen dürfen – Sapere aude! (Horatius/Kant). Keine Demokratie kann ohne akademische Freiheit und einen offenen Meinungsaustausch überleben. Ist von der «Demokratie» in der EU noch etwas übrig?
Alfred de Zayas
Unsere Website verwendet Cookies, damit wir die Page fortlaufend verbessern und Ihnen ein optimiertes Besucher-Erlebnis ermöglichen können. Wenn Sie auf dieser Webseite weiterlesen, erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.
Weitere Informationen zu Cookies finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Wenn Sie das Setzen von Cookies z.B. durch Google Analytics unterbinden möchten, können Sie dies mithilfe dieses Browser Add-Ons einrichten.