Im Kontext des kognitiven Krieges, in dem wir Westler seit etwa zehn Jahren leben, sind Informationen zu einer Massenvernichtungswaffe geworden. Oder besser gesagt: zu einer Waffe der massiven Täuschung.
In einer Welt, in der Journalisten zunehmend zugunsten von «Informationsgestaltern» verschwinden, ist es nicht verwunderlich, dass Informationen heute wie eine Packung künstlicher Schinken im Supermarkt hergestellt, formatiert, verpackt und vertrieben werden. Auch wenn der Schinken ursprünglich von einem echten Schwein aus Fleisch und Knochen stammen sollte, hat das Endprodukt nicht mehr viel mit dem Ausgangsmaterial zu tun. Von der Farbe über die Konsistenz bis hin zum Geschmack hat es nichts Natürliches mehr an sich. Es ist vollkommen künstlich geworden. Die Wunder der Verpackung und des Marketings tun ihr Übriges: Am Ende der Kette muss der Verbraucher nur noch für eine weitgehend verfälschte Ware bezahlen.
Das Gleiche gilt für die Informationen, die von den Mainstream-Medien produziert und verkauft werden. Ihr Bezug zur Realität ist sehr ungewiss geworden. Die ursprünglichen Zutaten, also die Fakten, wurden so gründlich geschält, ausgepresst, gekocht, wieder gekocht und mit Konservierungsstoffen, Duftstoffen, Farbstoffen, Aromen und Geschmacksverstärkern vollgepumpt, dass die am Ende der journalistischen Produktionskette gelieferten Informationen nur noch einen sehr entfernten Bezug zur Authentizität und Wahrheit des Produkts haben. Wie in der Lebensmittelindustrie finden diese Verarbeitungen und Umverpackungen unter grösster Geheimhaltung statt und werden vor den Augen der konsumierenden Öffentlichkeit verborgen.
In dieser Parallelwelt haben ehrliche Journalisten und Medien, die versuchen, die Faktentreue wiederherzustellen und Fakten so objektiv und unvoreingenommen wie möglich zu analysieren, keine Chance, sich durchzusetzen, da alle offiziellen privaten und öffentlichen Medien denselben geschmacklosen Brei verbreiten. Und wenn sie es doch schaffen sollten, würden sie gnadenlos von den Kopfgeldjägern verfolgt, zu denen die Faktenprüfer und andere «Überprüfungsorgane» geworden sind.
In Frankreich hat die Regierung Macron nicht aufgegeben, das Konformitätslabel wieder einzuführen, das sie während der Covid-Krise nicht durchsetzen konnte. Auch die Privatwirtschaft bleibt nicht untätig und schliesst sich unter ebenso irreführenden wie heuchlerischen Bannern zusammen, um die einhellige Verbreitung der guten Nachricht sicherzustellen, wie beispielsweise die 2019 von der BBC ins Leben gerufene Trusted News Initiative, das 2015 vom Poynter Institute ins Leben gerufene International Fact-Checking Network (IFCN) oder das seit 2014 von verschiedenen amerikanischen Stiftungen finanzierte Trust Project, das «Desinformation», Rassenhass oder Antisemitismus bekämpfen soll. Diese Einrichtungen zielen in der Praxis darauf ab sicherzustellen, dass die Partnermedien sich den Positionen der Nato in der Ukraine, Israels in Palästina oder Taiwans gegenüber China anschliessen.
Journalisten, die der Dampfwalze der Mainstream-Medien entkommen wollen, sind daher dazu verdammt, sich anzupassen, um zu überleben, oder am Rande des Systems zu vegetieren, indem sie die wenigen verfügbaren Ressourcen nutzen oder sich damit begnügen, sich kostenlos in den Sozialen Netzwerken zu äussern. Von Telegram bis Wechat, von Substack bis X, über die unzähligen Blogs und Portale, die das Internet bevölkern, bis hin zu Radiosendern und Fernsehsendern in nicht-westlichen Ländern – all diese Medien können genutzt werden, aber sie werden nicht bezahlt.
Diese Randstimmen, diese undankbaren Bemühungen retten jedoch die Ehre des Informationsberufs. Sie sind wie Tropfen, die nach und nach ein Rinnsal bilden, dann einen Bach, dann einen Fluss, der sich schliesslich in der öffentlichen Landschaft durchsetzt und das Bewusstsein derer prägt, die in ihr leben.
Wir sollten die Kraft von Rinnsalen nicht unterschätzen: Wasser dringt überall ein, es erodiert schliesslich selbst die härtesten Felsen und findet unweigerlich seinen Weg zum Ozean der Wahrheit. Das sollten sich jedenfalls diejenigen sagen, die manchmal daran zweifeln, den richtigen Weg gewählt zu haben. Der Glaube ist stärker als das Gesetz der grossen Zahlen.
Zahlreiche Beispiele zeigen, dass diese Strategie funktioniert. Nehmen wir das Beispiel Gaza und Israel. Monatelang war es in unseren Ländern unmöglich, über Palästina, das Leiden der Menschen in Gaza, die Zerstörungen, die Hungersnot, die Massaker usw. zu sprechen. Dann kam nach und nach eine Welle auf, die schliesslich die von der israelischen Propaganda errichteten Dämme zum Einsturz brachte.
Früher oder später wird es auch bei den anderen Konflikten so sein, in der Ukraine, im Sudan, im Iran, in Taiwan, im Kongo. Informationen sind wie Wasser, sie erfordern Geduld und fliessen langsam, unterirdisch. Es ist eine mühsame, wenig spektakuläre Arbeit, deren Lohn lange auf sich warten lässt. Aber sie lohnt sich. •
(Übersetzung Zeit-Fragen)
* Guy Mettan ist Journalist und Abgeordneter im Grossen Rat des Kantons Genf, den er 2010 präsidierte. Er arbeitete für das «Journal de Genève», Le Temps stratégique, Bilan, «Le Nouveau Quotidien» und später als Direktor und Chefredaktor der «Tribune de Genève». 1996 gründete er den Geneva Press Club, dessen Präsident und späterer Direktor er von 1998 bis 2019 war.
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