Leserbrief
Dass so viele Schüler nach ihrer ganzen Schulzeit nicht rechnen, lesen und schreiben können, hat mich erschreckt. Es erinnert mich an meine eigene Schulzeit in der 5. Klasse anno 1951. In der hintersten Reihe sassen zwei Schüler, die zum zweiten Mal die Klasse wiederholen mussten. Für den Lehrer war das sicher keine gute Situation. Er hatte mit uns den Lehrplan zu erfüllen und konnte sich dieser Schüler nicht so annehmen, wie es nötig gewesen wäre. Es scheint, dass wir heute nach siebzig Jahren noch das gleiche Problem antreffen. Schwächere Schüler erhalten zu wenig Förderung, und für den Rest der Klasse ist nicht gewährleistet, dass alle in Ruhe lernen können.
Nun haben Fachleute in Pädagogik und lang erfahrene Lehrer sich ein Herz gefasst und wollen diesen Zustand nicht länger akzeptieren. Sie sind an die Öffentlichkeit gelangt und fordern eine umfassende Diskussion. Sie haben sich seit Jahren mit diesem Problem beschäftigt, sind aber leider bei den Schulbehörden auf keine offenen Ohren gestossen. Es ist traurig, dass Schüler nicht genügend geschult werden im Rechnen, Schreiben und Lesen. So können sie im späteren Beruf den Anforderungen nicht genügen, was sich schlecht auf ihr Leben auswirkt. Ich denke, es gibt keine andere Möglichkeit, als den Lehrplan so zu ändern, dass die Lehrer wieder genügend Zeit haben, mit den Schülern diese Kompetenzen zu üben, bis sie den nötigen Stand aufweisen.
Wir können es uns in der Schweiz nicht leisten, dass wir keine kompetenten Berufsleute in der Hotellerie, in den Pflegeberufen und im Handwerk haben. Unser Ruf in diesen Berufen war bisher sehr gut. Dass es in den umliegenden Ländern die gleichen alarmierenden Resultate bei den Schulabgängern gibt, ist erst recht ein Grund zum Handeln. Verlangen wir eine Umkehr der Strategie bei den Erziehungs- und Schulbehörden beim Lernen der elementaren Kenntnisse und haben so ein Herz für unsere Jugend.
Hans-Peter Stump, Meilen
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