Leserbrief
Dank für die Wiedergabe des offenen Briefes von Jeffrey Sachs an Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz! Die von Sachs aufgeführten «schwerwiegenden Versäumnisse der deutschen Aussenpolitik gegenüber Russland» belegen stichhaltig eine seit 1993 forcierte Fehlentwicklung, die hätte vermieden werden können und die es für die Zukunft abzuwenden gilt. Insofern kann man sich Sachs’ Appell, die Tätigkeit der OSZE neu zu beleben und damit diplomatische Bestrebungen ins Zentrum europäischer Sicherheitspolitik zu rücken, anstatt eine enorme Ressourcen vergeudende Rüstungsspirale in Gang zu setzen, nur anschliessen. Es wäre darüber hinaus zu begrüssen, wenn nicht nur auf dem Feld der Politik, sondern auch auf kulturellem Gebiet eine Neubesinnung auf Wege konstruktiven Miteinanders zu erreichen wäre. Es sei daran erinnert, dass im Jahr 1985, 10 Jahre nach Abschluss der KSZE (aus der 1995 die OSZE hervorging) in Helsinki, aus Anlass dieses Jubiläums der finnische Komponist Henrik Otto Donner, der Theaterregisseur Ralf Långbacka und der bildende Künstler Paul Osipow einen Appell initiierten mit dem Ziel, «die Bedeutung der Kunst im KSZE-Prozess zu betonen» und ein Beispiel funktionierender Zusammenarbeit zu geben. Es heisst darin u. a.: «Wir leben in einer in vieler Hinsicht kranken Welt, aber nur eine Krankheit ist absolut tödlich – die Kernwaffengefahr und die Rüstungsspirale. Dieser Krankheit stellen wir die heilende Kraft der Kunst entgegen.» Die Kunst könne, über Ländergrenzen und Unterschiede im politischen System hinweg, «die Menschheit in ihrer wesentlichsten Frage verteidigen – in ihrem Recht, Mensch zu sein». Zu den Erstunterzeichnern zählen u. a. der Sänger Harry Belafonte (USA), der Filmregisseur Ingmar Bergmann (Schweden), der Dramatiker Dario Fo (Italien), die Schauspielerin Gisela May (DDR), der Schriftsteller Günther Grass (BRD) und der Schriftsteller Jewgeni Jewtuschenko (UdSSR). Sie appellierten:
«Setzt den KSZE-Prozess fort, baut die Brücke der Kultur über alle möglichen Grenzen hinweg! Wir Künstler sind überzeugt, dass wir nach wie vor in einer Welt leben, die jung ist, die man weiterentwickeln muss und die nicht verlorengehen darf.»
Sollten sich nicht auch heute hervorragende Vertreter des kulturellen Lebens, von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommene renommierte Künstlerinnen und Künstler aufgerufen sehen, sich Ausgrenzungs-Tendenzen entgegenzustellen und dem Beispiel der genannten Persönlichkeiten zu folgen?
Andreas Knorr, Thüringen
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