Über die Verantwortung von Künstlern in ihrem Einsatz für Frieden und Menschenwürde

von Nicole Duprat, Frankreich*

Schon im Akt des Nachdenkens liegt Schönheit … Nachdenken ist keine Spekulation.
    Frieden und menschliche Würde sind eng miteinander verflochten. Wahre Künstler sind keine blossen Träumer; sie erfüllen eine wichtige Rolle in der Gesellschaft. Durch ihr Werk, das Völker vereint, sind sie Botschafter des Friedens.
    Jeder kennt Picassos Gemälde – Werke, die sich gegen den Krieg auflehnten, wie Guernica und Gesichter des Friedens. Frieden ist jedoch nicht bloss die Abwesenheit von Krieg. Er ist in erster Linie eine innere Reise.
    Frieden beginnt mit Würde, und Würde wird verwirklicht, wenn jeder Mensch geschützt, respektiert und geliebt wird.
    Leonardo da Vinci verortete Würde nicht in Theorien oder Abhandlungen, sondern in der Verkörperung menschlichen Verhaltens. Er hatte keine naive oder rein idealistische Sicht auf die Menschheit; sein Werk und seine Skizzenbücher offenbaren eine ständige Spannung zwischen der Grösse des Menschen und seiner moralischen Verkommenheit. Tief geprägt von der gewalttätigen Politik seiner Zeit (er erlebte Machiavelli), stellte er menschliche Grausamkeit dar. Seine Zeichnungen grotesker Gesichter zeigen, dass ein vernünftiger Mensch seine Würde aufgeben kann, um zu einem Monster wilder Wut zu werden.
    Achtung vor dem Leben: Seine Vision von Menschenwürde reicht über den menschlichen Bereich hinaus. Mehrere zeitgenössische Berichte besagen, dass Leonardo auf dem Markt in Florenz in Käfigen gehaltene Vögel kaufte, um sie freizulassen, da er der Überzeugung war, dass alle Lebensformen Respekt verdienen.
    In Frankreich gibt es ein Sprichwort: «Musik beruhigt die Seele». Wir möchten die Initiative von Daniel Barenboim würdigen, dem Pianisten und Dirigenten, der ein Orchester – das «Divan-Orchester» – gründete, in dem junge palästinensische und israelische Musiker zusammenkamen, um in Harmonie Musik zum Vergnügen aller zu spielen und damit zu beweisen, dass eine andere Welt möglich ist.
    Menschenwürde ist nicht nur das, was jeder Einzelne in sich trägt, sondern auch das, was wir anderen zuteilwerden lassen, indem wir ihnen helfen, ihr Leben mit Kraft und Mut wieder aufzubauen und ihre Wunden – sowohl körperliche als auch seelische – zu heilen. Ein grosses Dankeschön an den Kinderarzt Beat Richner, der mit unerschütterlichem Engagement im Kantha-Bopha-Kinderkrankenhaus in Kambodscha hochwertige medizinische Versorgung für die am stärksten Benachteiligten geleistet und kambodschanischen Familien so die Möglichkeit gegeben hat, die Kraft zu finden, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Bekannt unter seinem Künstlernamen Beatocello – ein Musikclown – hat er es sich zur Aufgabe gemacht, Konzerte auf seinem Cello zu geben, um Mittel für den Bau von fünf neuen Krankenhäusern zu sammeln, in denen kranke und arme Kinder kostenlos versorgt werden. Möge unsere Dankbarkeit ihm gegenüber ewig währen! «Das Cello drückt sich genauso aus wie ein Mensch.» Das sind seine Worte.
    Die Industriegesellschaften mit ihrem Fokus auf Rentabilität haben die Fähigkeit des Menschen zum Staunen zerstört. Wie können wir dem abhelfen? Ganz einfach, indem wir einen ruhigen Spaziergang durch die Wälder und all die Grünflächen unternehmen, die uns die Natur bietet, um Harmonie, Ruhe und Erneuerung wiederzuentdecken. 
    Darüber hinaus ist wissenschaftlich erwiesen, dass der Aufenthalt in der Natur das Immunsystem stärkt.
    Schönheit liegt nicht im Gesehenen, sondern im Sehen selbst. Schönheit liegt im Auge des Betrachters. •

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