von Angela Schubert
Am 30. Oktober 2025 fand in Heiden eine würdige Gedenkfeier zum 115. Todestag von Henry Dunant statt.
Die Dunkelheit legte sich schon über den Ort im Schweizer Kanton Appenzell-Ausserrhoden. Das Ziel war das ehemalige Bezirkskrankenhaus des Ortes, in dem Henry Dunant die letzten 15 Jahre seines bewegten Lebens verbrachte. Seine Zimmer lagen im 2. Stockwerk des Gebäudes, dessen Erdgeschoss am Abend des 30. Oktober hell erleuchtet war. Im Frühjahr 2025 war dort das Museum, das sein langes, bewegtes Leben schildert, neu konzipiert, wieder eröffnet worden.
Eine lebhafte Besucherschar von Rotkreuzdelegationen aller Altersstufen füllte die Räume. Auf den Rücken ihrer Einsatzanzüge konnte man die Orte, aus denen sie angereist waren, ablesen. Da waren Rottweil und Ravensburg aus dem südlichen Teil des deutschen Bundeslandes Baden-Württemberg vertreten, Orte im Vorarlberg (Österreich) und Schweizer Vereine. Ein Delegierter aus München berichtete, zum 50. Mal an einer solchen Gedenkveranstaltung teilzunehmen. Zivile Freunde und Interessierte mischten sich in das Gewoge der rotgekleideten Menschen.
Nach 18 Uhr versammelte man sich auf der Terrasse des Museums. Den Blick bestimmte der Nachguss der aus Nagasaki unversehrt geretteten Friedensglocke, neben der Vertreter der anwesenden Vereine mit ihren Fahnen Aufstellung genommen hatten. Die Begrüssung des Vorsitzenden des Museumsvereins richtete sich insbesondere an die zahlreichen jungen Rotkreuzhelfer. Im Besucherbuch hatten sie sich einfallsreich und ausdrucksvoll verewigt – geschrieben mit Tinte und Federhalter, also Schreibzeug wie zu Zeiten von Henry Dunant.
Alle wurden eingeladen, die Glocke mit dem mächtigen Strang zu läuten. Dazu musste man sehr fest zufassen, um die wirklich schwere Glocke in Bewegung zu setzen und einen vollen Klang hervorzubringen. Von da bewegte sich einer nach dem anderen zu einer Heidener Johannitergruppe, die für jeden eine Pechfackel entzündete, so dass eine lange, hell leuchtende Schlange die ansteigende Hauptstrasse entlang hoch zum Henry-Dunant-Platz ziehen konnte.
Den Platz bestimmt ein eindrucksvoller Gedenkstein für den Rotkreuzgründer. Er ist mit erhobenem Arm dargestellt, wie auffordernd, sich seines Auftrags zu erinnern und ihm zu folgen. Eine einheimische Blasmusik-Kapelle spielte getragen. Am Rednerpult sprach ein Delegierter des Schweizerischen Roten Kreuzes, der Einsätze im Nahen Osten betreut hatte. Auch er richtete sich betont an die anwesenden Jungmannschaften der angereisten Delegationen. Er hob die bestimmenden Grundsätze des weltweit agierenden Roten Kreuzes wie Unparteilichkeit, Neutralität und Universalität hervor. In den zahlreichen Ortsgruppen engagieren sich die Mitglieder bei der Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen im Alltag, seien zur Stelle bei Unglücken und Unfällen, suchten nach Ausgleich in verfahrenen Situationen.
Die von den Fackeln hell erleuchtete Runde strahlte Ernsthaftigkeit, Bereitschaft und Gemeinschaftsgeist aus, als die Fahnenträger vortraten und ihre Fahnen langsam, bewusst ihres Amtes, senkten, um dem Gründer des Roten Kreuzes die Ehre zu erweisen. Das würdige Gedenken schloss mit einem getragenen Lied.
Danach wurden alle in den Kursaal zu einem gemeinsamen Imbiss eingeladen. Die von der Vorarlberger ÖRK-Abordnung in einem grossen Feldküchenwagen zubereitete Gerstensuppe wärmte die Gesellschaft im Saal. Viele kannten sich von früheren Treffen oder Einsätzen her und tauschten sich lebhaft aus.
Der Strasse entlang standen aufgereiht die weissen Rotkreuz-Kleinbusse, wie sonst wohl bei Hilfseinsätzen, hier nun, um die vielen Auswärtigen wieder nach Hause zu bringen. •
Unsere Website verwendet Cookies, damit wir die Page fortlaufend verbessern und Ihnen ein optimiertes Besucher-Erlebnis ermöglichen können. Wenn Sie auf dieser Webseite weiterlesen, erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.
Weitere Informationen zu Cookies finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Wenn Sie das Setzen von Cookies z.B. durch Google Analytics unterbinden möchten, können Sie dies mithilfe dieses Browser Add-Ons einrichten.