Iranische Resilienz

von Scott Ritter*

Im Jahr 2023 hatte ich die Ehre, den ehemaligen iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi zu treffen, als er sich zur Debatte der Generalversammlung in New York aufhielt. Er gab mir und den anderen Anwesenden eine sehr offene und detaillierte Einschätzung der Lage im Iran nach dem tragischen Tod von Mahsa Amini in Polizeigewahrsam im Jahr 2022. Er beschrieb die massiven inneren Unruhen, die darauf folgten, als die grösste Bedrohung für die islamische Regierung des Iran seit der Revolution. Er erklärte, dass ausländische Geheimdienste die gesellschaftlichen Konfikte ausgenutzt hätten und versuchten, den Iran zu spalten. Er erklärte, dass der Iran diese äusseren Kräfte besiegen konnte und dadurch zu einer stärkeren Nation geworden sei.
    Raisi starb im Mai 2024 bei einem Hubschrauberabsturz. Er wurde durch den derzeitigen Präsidenten Masoud Pezeshkian ersetzt. Im September 2025 wurde ich erneut zu einem Treffen mit Präsident Pezeshkian in New York eingeladen. Er erklärte, dass Raisis Tod zu einer Spaltung innerhalb der iranischen Regierung hinsichtlich der Politik gegenüber dem Westen geführt habe. Er sagte, dass ausländische Geheimdienste, angeführt von Israel und den USA, versuchten, diese Spaltungen auszunutzen, und dass der Enthauptungsangriff, den Israel mit Unterstützung der Vereinigten Staaten im Juni 2025 durchgeführt hatte, darauf abzielte, die iranische Regierung zu stürzen und den regierungsfeindlichen Kräften die Möglichkeit zu geben, die Kontrolle zu übernehmen. Pezeshkian merkte an, dass diese Bemühungen gescheitert seien und dass der Iran aus dem zwölftägigen Krieg mit Israel und den Vereinigten Staaten geeinter denn je hervorgegangen sei.
    Der Sturz der iranischen Regierung war ein wichtiges Ziel Israels und der Vereinigten Staaten. Sowohl Israel als auch die Vereinigten Staaten haben alle Register gezogen, um die aktuellen Unruhen im Iran zu schüren. Aber der Sieg des Iran gegen die vom Ausland angeführte Opposition im Jahr 2023 in Verbindung mit der Vereinigung der politischen Ziele, die sich nach dem Krieg im Juni 2025 herausbildete, hat den Iran extrem widerstandsfähig gegen Versuche von aussen gemacht, die islamische Regierung zu stürzen.
    Die iranische Regierung steht kurz davor, die vom Ausland unterstützte Opposition im Iran heute endgültig zu besiegen. Dies versetzt Israel in Panik, da es seine gesamten Ressourcen im Iran zur Unterstützung der aktuellen Unruhen aufgebraucht hat. Auch die Vereinigten Staaten befürchten, dass ein Sieg der iranischen Regierung es unmöglich machen wird, das Regime in Teheran zu ändern. Es besteht die reale Gefahr, dass die Vereinigten Staaten und Israel in naher Zukunft Angriffe auf den Iran starten könnten, um die iranische Regierung zu schwächen und zu diskreditieren und gleichzeitig den oppositionellen Kräften, die derzeit im Iran Gewaltakte verüben, militärischen Schutz zu bieten.
    Es ist höchst unwahrscheinlich, dass diese Angriffe für sich genommen erfolgreich sein werden. Sie werden jedoch eine Reaktion des Iran auslösen, die die Ölproduktion im Nahen Osten für einen längeren Zeitraum stören wird.
    Dies scheint das Ziel der Trump-Regierung zu sein und erklärt zum grossen Teil den Zeitpunkt des Angriffs der Vereinigten Staaten auf Venezuela, mit dem man sich venezolanisches Öl sichern wollte, um für eine neue Energiekrise gewappnet zu sein, die durch einen gemeinsamen Angriff der USA und Israels auf den Iran ausgelöst werden könnte.
    Die Welt steht vor einem gezielten Angriff auf die globale Energiesicherheit, mit dem der Iran zu Fall gebracht, Russland geschwächt und die BRICS-Staaten destabilisiert werden sollen. •

Quelle: scottritter.substack.com/p/iranian-resilience vom 12.1.2026

(Übersetzung Zeit-Fragen)

* Scott Ritter ist ein ehemaliger Geheimdienstoffizier des US Marine Corps, der in seiner mehr als 20jährigen Laufbahn unter anderem in der ehemaligen Sowjetunion bei der Umsetzung von Rüstungskontrollabkommen, im Stab von US-General Norman Schwarzkopf während des Golf-Kriegs 1991 und später als Chefwaffeninspektor der Uno im Irak von 1991–1998 tätig war. Ritter war ein scharfer Kritiker der amerikanischen Entscheidung, 2003 erneut gegen den Irak in den Krieg zu ziehen. Er ist Autor von 12 Büchern. Sein neuestes Buch ist «Highway to Hell: The Armageddon Chronicles 2015–2024» (Clarity Press).

Schweiz und Iran: Gute Dienste kann nur der Unparteiische leisten 

mw. Was gerade im Iran abläuft, erfahren wir vor allem über die getrübten Informationskanäle unserer Mainstream-Medien. Entsprechend harsch kommen die Forderungen an den Schweizer Bundesrat herüber, der bisher erfreulicherweise standhält. Schlagzeile «Neue Zürcher Zeitung» vom 16. Januar 2026: «Die Guten Dienste der Schweiz in Iran dienen als Ausrede, um zu schweigen.» SP Schweiz: «Die SP Schweiz fordert vom Bundesrat, die EU-Sanktionen gegen den Iran vollständig zu übernehmen […] und iranische NGOs, unter anderem auch finanziell, zu unterstützen.» (Medienmitteilung vom 12.1.2026)
    Was man dabeihaben sollte: Die Schweiz nimmt in der schwierigen Beziehung zwischen dem Iran und der USA seit Jahrzehnten eine wichtige verbindende Funktion ein. Als Schutzmacht vertritt sie seit der Ausrufung der Islamischen Republik 1980 und dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen durch die USA (Geiselaffäre) deren Interessen in Teheran. Gleichzeitig sorgt die Schweiz dafür, dass eine Kommunikation zwischen den USA und dem Iran möglich bleibt. Wie die zuständige Schweizer Botschafterin Monika Schmutz Kirgöz am 15.Januar 2026 in SRF News sagte, ist die Schweiz im Rahmen ihres Schutzmachtmandats in ständigem Kontakt mit ihrer Botschaft in Teheran und mit der iranischen Regierung, von der sie im direkten Gespräch auch Rede und Antwort einfordert. Auf die Anfrage des Iran um Vermittlung sagte Frau Schmutz Kirgöz: «Die Schweiz steht zur Verfügung. Wir haben das Schutzmachtmandat seitens der USA. Die Kommunikationskanäle sind in beide Richtungen offen. Wir sind da zum Vermitteln. Und wir sind da, um einen indirekten Kontakt sicherzustellen.» 
    Gute Dienste kann nur der Unparteiische leisten. Wer, der guten Willens ist, kann etwas dagegen haben? •

Unsere Website verwendet Cookies, damit wir die Page fortlaufend verbessern und Ihnen ein optimiertes Besucher-Erlebnis ermöglichen können. Wenn Sie auf dieser Webseite weiterlesen, erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.
Weitere Informationen zu Cookies finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
 

Wenn Sie das Setzen von Cookies z.B. durch Google Analytics unterbinden möchten, können Sie dies mithilfe dieses Browser Add-Ons einrichten.

OK