Der Iran-Krieg ist das Ergebnis eines Staatsstreichs

Die langwierige, schrittweise Übernahme Washingtons durch die Zionisten

von Patrick Lawrence*

Die tiefe Durchdringung der US-Regierung durch das israelische Regime ist nichts Neues, um das Offensichtliche einmal zu sagen. Über die zionistischen Lobbys in Washington hat Israel mehr oder weniger beide Kammern des Kongresses in der Hand. Das Gleiche gilt ganz besonders für die Trump-Regierung selbst: Israel und seine zionistischen Unterstützer in den USA haben Trump seit seinem Aufstieg in der nationalen Politik vor elf Jahren aufgebaut. Wohlhabende amerikanische Juden, die im Namen Israels handelten, spendeten 2016 90 Millionen Dollar für Donald Trumps ersten Präsidentschaftswahlkampf und mindestens 100 Millionen Dollar für seinen zweiten. Israel besitzt Donald Trump. 

Das sind bekannte Tatsachen. Aber man muss schon sehr genau hinschauen, um in den Mainstream-Medien oder im öffentlichen Diskurs Amerikas überhaupt Hinweise darauf zu finden. Nein, Israels Korrumpierung der amerikanischen Politik und Macht ist Teil dessen, was ich das «Grosse Amerikanische Unsagbare» nenne – eine Sammlung von Wahrheiten, die zu bitter sind, um öffentlich anerkannt zu werden, ausser in seltenen Fällen.

Das «Grosse Unsagbare»

Mir ist klar, dass dieser Zustand für Nicht-Amerikaner seltsam erscheinen mag, aber das «Grosse Unsagbare» begleitet uns schon lange und hat sich zu seiner derzeit grotesken Grösse aufgebläht, seit die politischen Cliquen in Washington nach den Siegen von 1945 damit begannen, ein Imperium zu festigen – ein Imperium, das die Amerikaner nicht sehen sollen und über das daher nicht gesprochen werden darf, ein Imperium der Illusionen, sozusagen.
    Ich komme zu einem aktuellen Eintrag im Verzeichnis des Grossen Unsagbaren. Jedem, der aufmerksam ist, ist klar, dass «Trumps Krieg», wie die US-israelische Aggression gegen den Iran gemeinhin bezeichnet wird, nicht Trumps Krieg ist: Es ist Bibi Netanjahus Krieg. Doch dies darf nur in dissidenten Kreisen und in unabhängigen Medien gesagt werden. Dies als Bibis Krieg oder Israels Krieg zu bezeichnen, hiesse anzuerkennen, dass die Amerikaner Milliarden von Dollar verschwenden, um den Kampf eines fremden Landes zu führen, dass die USA täglich im Namen dieses fremden Landes gegen das Völkerrecht verstossen und dass Amerikaner bereits sterben, um die expansionistischen Ambitionen eines unmoralischen Staates vor-anzutreiben, der darauf aus ist, seine westasiatischen Nachbarn brutal anzugehen.

Direkte Kontrolle über das Weisse Haus

Vor allem aber – und das darf nicht übersehen werden – würde die Bezeichnung der US-israelischen Operation als «Israels Krieg» oder «Bibis Krieg» anstelle von «Trumps Krieg» in zwei Worten bedeuten, dass das zionistische Regime nach jahrzehntelanger Einmischung in die amerikanische Politik nun die direkte Kontrolle über das Weisse Haus hat. Und dies stand ganz oben auf der Liste des «Grossen Unsagbaren», seit Trump seine zweite Amtszeit antrat – so wie es tatsächlich der Fall war, während Joe Biden den Völkermord der Zionisten in Gaza ermöglichte.
    Und nun ist dieses Grosse Unsagbare endlich ausgesprochen worden. Nun wurde den Amerikanern die Übernahme der Exekutive der US-Regierung durch Israel vor Augen geführt. Jahrzehntelange heimtückische israelische Machenschaften waren bereits an die Oberfläche gekommen, und nun kann es kein Zurückweichen mehr geben, keine Leugnungen mehr, kein Verschweigen dieser bitteren Wahrheit mehr. Im besten Fall können die Amerikaner damit beginnen, ihre zerfallende Republik von dem Gift zu befreien, das Israel und seine zahlreichen amerikanischen Verbündeten ihr seit der Staatsgründung Israels vor 78 Jahren injiziert haben.
    Dieser wichtige Moment kam plötzlich und aus einer unerwarteten Quelle. Die «New York Times» ist unter Amerikanern seit langem als «die Heimatzeitung des amerikanischen Judentums» bekannt, wie es einer ihrer leitenden Reporter vor einigen Jahren formulierte, und sie hat eine kritische Berichterstattung über «den jüdischen Staat» stets sorgfältig vermieden.

Zur Rolle der «New York Times»

Doch als Ausdruck einer immer offensichtlicher werdenden Spaltung unter den amerikanischen Juden, seit das Netanjahu-Regime Israel in Extreme der Barbarei und Kriminalität getrieben hat, ist es die «Times», die endlich das schockierende Ausmass des israelischen Einflusses in der amerikanischen Politik, bis hinauf ins Weisse Haus, in den öffentlichen Diskurs gezwungen hat – vom Unsagbaren zum Sagbaren, um bei meiner Terminologie zu bleiben.
    Maggie Haberman und Jonathan Swan, zwei «Times»-Korrespondenten im Weissen Haus, veröffentlichten am 7. April eine lange Untersuchung über die Iran-Beratungen der Trump-Regierung unter der Überschrift «Wie Trump die USA in den Krieg mit dem Iran führte».1 Ich stehe Haberman seit langem kritisch gegenüber (über Swan, der erst kürzlich zur «Times» kam, weiss ich wenig), weil es ihr nicht gelingt, ihre ad hominem-Verachtung gegenüber Trump aus ihrer Arbeit herauszuhalten. Doch sie und Swan haben ein aussergewöhnliches Stück Journalismus abgeliefert, das die Aufmerksamkeit, die es seit seiner Veröffentlichung in der «Times» erhalten hat, durchaus verdient. 

Netanjahu dirigierte im Situation Room

Mit einzigartiger Sorgfalt schildern Haberman und Swan die Szene im Situation Room des Weissen Hauses am 11. Februar, während des jüngsten von Bibi Netanjahus zahlreichen Besuchen in den USA. Bei dieser Gelegenheit legte der israelische Ministerpräsident seine Argumente für den gemeinsamen Angriff der USA und Israels dar, der 17 Tage später begann. 
    Ich möchte anmerken, dass es beispiellos ist, dass ein ausländischer Staatschef Zutritt zum Situation Room erhält, dem sanctum sanctorum derjenigen, die die US-Politik planen und umsetzen.
    Doch die Korrespondenten der «Times» versetzen die Leser durch zahlreiche Interviews mit den Anwesenden direkt in den Raum, während Netanjahu seinen vorgeschlagenen Plan für die Operation vorstellt. Was sie berichten, ist schockierend. Dies ist der Moment, in dem Bibi Netanjahu, der seit langem ein Meister darin ist, Amerikas erbärmlich leicht zu manipulierenden 47. Präsidenten zu manipulieren, den Kurs für den Angriff am 28. Februar festlegte.
    Hier ist Haberman und Swans Beschreibung dieses Moments:
    «Herr Trump setzte sich, jedoch nicht an seinen gewohnten Platz am Kopfende des mahagonifarbenen Konferenztisches im Raum. Statt dessen nahm der Präsident an einer Seite Platz, mit Blick auf die grossen Bildschirme, die an der Wand angebracht waren. Herr Netanjahu sass auf der anderen Seite, direkt gegenüber dem Präsidenten.
    Auf dem Bildschirm hinter dem Premierminister waren David Barnea, der Direktor des Mossad, Israels Auslandsgeheimdienst, sowie israelische Militärs zu sehen. Visuell hinter Herrn Netanjahu angeordnet, erzeugten sie das Bild eines Kriegsführers, umgeben von seinem Team.»

    Was folgt, ist ein Bericht über Netanjahus Argumentation für einen Krieg gegen die Islamische Republik. Sie bestand aus vier aufein-ander aufbauenden Schritten: Die Operation würde die iranische Führung ermorden, das Militär des Landes zerstören, einen Volksaufstand provozieren und einen «Regimewechsel» vollziehen, der neue, Israel und dem Westen wohlgesinnte Führer an die Macht bringen würde. Der israelische Staatschef scheute nicht vor der Panikmache zurück, auf die er im Umgang mit US-Regierungsvertretern stets zurückgreift: Der Iran sei nur noch eine Woche davon entfernt, eine Atomwaffe zu besitzen, seine Raketen seien in der Lage, damit Europa und kurz darauf die USA zu treffen. 

«Klingt gut für mich»

Andere im Raum – allen voran Aussenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth und CIA-Direktor John Ratcliffe – befragten Netanjahu zu potentiellen Risiken, doch keiner äusserte seine Schlussfolgerungen. Der entscheidende Moment gehörte Trump.
    «Klingt gut für mich», zitieren ihn Haberman und Swan. 
    In diesen vier Worten – beiläufig vorgetragen, im amerikanischen Sprachgebrauch die Worte von jemandem, der in Anerkennung des überlegenen Wissens anderer mit den Schultern zuckt – können wir das Ausmass von Donald Trumps Unterwürfigkeit gegenüber der Macht erkennen, die Israel während seiner gesamten Karriere in der nationalen Politik auf ihn ausgeübt hat.
    Es gab weitere Treffen unter den Anwesenden bei der Präsentation des israelischen Premierministers am 11. Februar. Mit der einzigen Ausnahme von Hegseth, einem fanatischen Kriegstreiber, der ebenso wie Netanjahu von der Zerstörung des Iran besessen ist, beurteilten alle eben Genannten den vierteiligen Plan des Premierministers als mehr oder weniger leichtsinnig. Ratcliffe, der CIA-Direktor, bezeichnete Teile davon als «lächerlich». Aussenminister Rubio nannte ihn «Bullshit». Doch keiner derjenigen, die Netanjahus fantasievolle Prognosen in Frage stellten, teilte seine Ansichten mit Trump. Sie alle, ebenso wie andere im Raum, verdankten ihre politische Karriere den zionistischen Lobbys und wohlhabenden jüdischen Spendern. Sie waren, im amerikanischen Sprachgebrauch, israelische «Marionetten». Auch sie gehören Israel.

Kein entschlossener Widerspruch

Am 26. Februar fand eine abschliessende Sitzung im Situation Room statt. J. D. Vance, Trumps Vizepräsident und die einzige Person in Trumps engstem Kreis, die sich ausdrücklich gegen einen Angriff auf den Iran aussprach, war bei den früheren Sitzungen abwesend gewesen, diesmal jedoch anwesend. Trump ging um den Tisch herum und bat die anderen um Rat. Er erhielt nur mildeste Vorbehalte, mehr nicht. Die «Times» zitiert Vance mit den Worten: «Ihr wisst, dass ich das für eine schlechte Idee halte, aber wenn ihr es tun wollt, werde ich euch unterstützen.» 
    Haberman und Swan über die letzten Minuten des Treffens:
    «Alle vertrauten auf das Gespür des Präsidenten. Sie hatten gesehen, wie er mutige Entscheidungen traf, unvorstellbare Risiken einging und irgendwie als Sieger hervorging. Niemand würde ihn jetzt daran hindern.
    ‹Ich denke, wir müssen es tun›, sagte der Präsident zu den Anwesenden. Er erklärte, sie müssten sicherstellen, dass der Iran keine Atomwaffen besitzen könne, und sie müssten dafür sorgen, dass der Iran nicht einfach Raketen auf Israel oder in der gesamten Region abfeuern könne.
    General Caine [Daniel Caine, Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs] teilte Herrn Trump mit, dass er noch etwas Zeit habe; er müsse erst am folgenden Tag um 16 Uhr grünes Licht geben.

    An Bord der Air Force One am nächsten Nachmittag, 22 Minuten vor Ablauf von General Caines Frist, sandte Herr Trump den folgenden Befehl: ‹Operation Epic Fury ist genehmigt. Keine Abbrüche. Viel Glück.›»

Man spricht von «Trumps Krieg», obwohl man es besser weiss

Die Berichterstattung der «New York Times» über die Vorgänge, die zur Entscheidung für einen Angriff auf den Iran führten, hat vielen Amerikanern die Augen geöffnet und die Bedingungen der amerikanischen Diskussion über Israel verschoben. Doch lesen Sie die Überschrift über dem Artikel von Haberman und Swan: Die «Times» schreibt die Entscheidung für den Krieg nach wie vor Trump zu. Es ist immer noch «Trumps Krieg», soweit es die «Times» betrifft, obwohl Netanjahu die Bedingungen diktierte und Trump nichts weiter tat, als den Befehl zur Genehmigung des Krieges der Zionisten zu unterzeichnen. Alte Illusionen sterben einen langen Tod. 
    Auch die «Times» lieferte, wie so oft, weder die Geschichte noch den Kontext des Treffens vom 11. Februar im Situation Room und der darauf folgenden Beratungen. Sie gibt keinen Hinweis auf die zionistischen Verbindungen aller Anwesenden während dieser Ereignisse oder auf die Pflege der Beziehungen zu Trump durch die Israeli, seit er als formbare Figur auf der nationalen Bühne erschien – als derjenige, der dem zionistischen Regime am ehesten in seinem langjährigen Bestreben entgegenkommen würde, die Amerikaner zu einem Krieg gegen die Islamische Republik zu überreden. Der 11. Februar war, wenn die Leser mir ein altes Klischee verzeihen, die Spitze eines Eisbergs und muss als solche verstanden werden: als Höhepunkt einer seit Jahrzehnten andauernden Täuschungsaktion.

Max Blumenthal: «Jeder in Trumps Umfeld vertritt Israels Interessen»

Max Blumenthal, der Gründungsredakteur von The Grayzone, hat hervorragende Arbeit geleistet, um diese lange Geschichte aufzudecken. Es gibt ein 19minütiges Interview, das er CGTN, dem englischsprachigen Kanal des China Global Television Network, gegeben hat.2
    «Jeder in Trumps Umfeld vertritt Israels Interessen», bemerkt Blumenthal an einer Stelle. 
    Und hier ist, neben vielem anderen, ein Ausschnitt aus einem 40minütigen Interview, das Blumenthal Glenn Diesen am Wochenende gegeben hat3, in dem es unter anderem um das Treffen vom 11. Februar geht:
    «Dieses Treffen war das Ergebnis jahrelanger Pflege, Manipulation, Vorbereitung, Drohungen, Belohnungen, von Zuckerbrot und Peitsche seitens Israels und seiner Handlanger in den USA, also genau jener Personen, die Trump umgeben. Es handelte sich im wesentlichen um einen Staatsstreich, und dieser Krieg ist das Ergebnis eines Staatsstreichs.»
    Kurz nach Erscheinen des Artikels in der «Times» warf Mark Warner, ein konservativer demokratischer Senator aus Virginia, Trump vor, die «US-Aussenpolitik auszulagern». Damit ist er weiter gegangen als jeder andere in den Mainstream-Parteien zuvor, indem er das Unsagbare aussprach. Im Kapitol und unter liberalen jüdischen Organisationen wird nun darüber diskutiert, Beschränkungen für US-Waffenlieferungen an Israel zu verhängen.

«Es gibt nun Bewegung in einer Frage, in der es seit vielen Jahrzehnten keine gab»

Senator Warners absolut zutreffende Behauptung bleibt vorerst nur eine Floskel. Und wie Max Blumenthal hervorhebt, laufen Vorschläge, die Waffenlieferungen an den zionistischen Staat einzuschränken, bislang auf politisch bequeme «Täuschungsmanöver» hinaus, die die militärische Unterstützung der USA für Israel mehr oder weniger unberührt lassen. Doch es gibt nun Bewegung in einer Frage, in der es seit vielen Jahrzehnten keine gab. Ich sehe nicht, wie der Einfluss Israels und seiner zionistischen Unterstützer in den Vereinigten Staaten weiterhin zu den grossen Tabuthemen Amerikas gehören kann. Die wahre Natur der amerikanisch-israelischen Beziehung, wie sie sich über viele Jahre hinweg entwickelt hat, wurde endlich benannt. Und Dinge richtig zu benennen, sei es auch noch so vorsichtig oder zurückhaltend, ist eine Voraussetzung dafür, entsprechend zu handeln.
    Anmerkung: Während seiner gescheiterten Verhandlungen mit den Iranern in Pakistan am Wochenende [11./12. April] beriet sich J. D. Vance nicht nur mit Präsident Trump – elf Telefonate in den 21 Stunden der Gespräche –, sondern Berichten zufolge auch mit Netanjahu in Jerusalem. In einem Videoauftritt, der anschliessend im israelischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, prahlte der israelische Regierungschef – dies auf Hebräisch –, dass Vance ihn auf dem Rückweg nach -Washington angerufen habe, um einen vollständigen Bericht über die Ereignisse in Islamabad zu geben, und merkte an, dass er, Vance, und andere Mitglieder der Trump-Regierung «mir täglich Bericht erstatten».

1https://www.nytimes.com/2026/04/07/us/politics/trump-iran-war.html vom 7.4.2026

2https://www.youtube.com/watch?v=0DwDZ8KsF0A

3https://www.youtube.com/watch?v=TVmTEA9ViNU

Erstveröffentlichung https://globalbridge.ch/dieser-krieg-ist-das-ergebnis-eines-staatsstreichs/ vom 14.4.2026 und The Floutist vom 15.4.2026 (betrifft den letzten Absatz des Textes)

* Patrick Lawrence, langjähriger Auslandskorrespondent, vor allem für die «International Herald Tribune», ist Kolumnist, Essayist, Autor und Dozent. Sein vorletztes Buch ist «Time No Longer: Americans After the American Century», Yale 2013. 2023 ist sein neues Buch «Journalists and Their Shadows» bei Clarity Press erschienen. Im März 2025 erschien die deutsche Übersetzung «Journalisten und ihre Schatten». Seine Webseite lautet patricklawrence.us. Unterstützen Sie seine Arbeit über patreon.com/thefloutist.

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