Provoziert der deutsche Kanzler einen Krieg mit Russland?

von Karl-Jürgen Müller

«Friedrich Merz ist römisch-katholisch. Er ist tief im katholischen Glauben verwurzelt […] und sieht seinen Glauben als Aufgabe, an Frieden und Freiheit zu arbeiten.» – So kann man bei Google-KI lesen, wenn man die Stichworte «Katholik» und «Friedrich Merz» eingibt. 
    Merz war im Mai 2025, wenige Tage nach seiner Wahl zum Bundeskanzler, auch nach Rom gereist, um an der Amtseinführung des neuen Papstes Leo XIV. teilzunehmen und dort eine Pressekonferenz abzuhalten.1 Merz sprach damals von einem «erhebenden Augenblick», einem «grossartigen Ereignis». Er wurde gefragt: «Der Papst hat in seiner Rede Wirtschaftssysteme kritisiert, die Ressourcen ausbeuten und arme Menschen an den Rand drängen. Wie kam das bei Ihnen an?» Merz antwortete: «Ich fühle mich mit dem, was wir soziale Marktwirtschaft in Deutschland nennen, damit nur sehr begrenzt angesprochen.» Es ging auch um den Krieg in der Ukraine und dessen Beendigung. Dazu sagte der Bundeskanzler: «Mein fester Eindruck ist, dass sowohl die Europäer als auch die Amerikaner fest entschlossen sind, zusammen, aber jetzt auch zielorientiert, dafür zu sorgen, dass dieser schreckliche Krieg bald aufhört.»
    Der Begründer der Individualpsychologie Alfred Adler befand, dass Menschen vieles sagen, um einen bestimmten Eindruck zu erwecken. Wahre Absichten und der Charakter offenbaren sich jedoch in den Handlungen.
    In der Tat. Schaut man bei Friedrich Merz auf die Handlungen, so zeigt sich etwas ganz anderes als bei der KI-Auskunft und in den zitierten Worten des Bundeskanzlers. 
    Die derzeitige deutsche Finanz-, Wirtschafts- und Sozialpolitik und die Frage, wie sozial die deutsche Marktwirtschaft noch ist, sollen an dieser Stelle ausgespart bleiben. Sie sind einer gesonderten Betrachtung wert. Hier soll es um die Kriegspolitik der deutschen Regierung gehen – und lediglich auf den Zusammenhang mit dem Alltag der Menschen in Deutschland hingewiesen werden: dass es die Bürger sind, insbesondere die ärm-sten unter ihnen, die den hohen Preis für die deutsche Kriegspolitik zahlen.
    Es ist kein Geheimnis, dass Deutschland unter der Regierung von Friedrich Merz massiv aufrüstet: Die Bundeswehr soll bis 2039 die stärkste konventionelle Armee in Europa werden. Dafür hat Friedrich Merz, noch bevor er Kanzler wurde, die deutsche Schuldenbremse ausser Kraft setzen lassen und will in den kommenden 10 Jahren mehr als 500 Milliarden Euro Extra-Schulden machen. Das ganze Land wird auf «Kriegstüchtigkeit» getrimmt. Auch der «Feind», gegen den sich diese Kriegspolitik richtet, wird offen genannt: Es ist Russland. Deshalb soll die -Ukraine mit allen Mitteln den Krieg gegen Russland fortsetzen. Diese Ukraine führt seit April 2014 – nach einem auch von der damaligen deutschen Regierung unterstützten verfassungswidrigen und gewaltsamen Regierungswechsel im Februar 2014 – Krieg gegen die eigene russischsprachige Bevölkerung. Sie nennt dies «Anti-Terror-Operation». Auch deshalb sind am 24. Februar 2022 russische Truppen in das Land einmarschiert. Die deutsche Beteiligung an diesem Krieg dient nicht der Sicherheit der Ukrainer und auch nicht der Sicherheit der Deutschen. Sie sind die Leidtragenden des Krieges: die Ukrainer in jeder Hinsicht und unmittelbar, die Deutschen mittelbar über eine Kriegspolitik, die die deutsche Wirtschaft, die deutschen Staatsfinanzen und den deutschen Sozialstaat zerrüttet. Für was und für wen auch immer (eben nicht für die Ukrainer und nicht für die Deutschen): Russland soll «ruiniert» werden, eine «strategische Niederlage» erleiden.
    Deutschland ist am Krieg gegen Russland schon seit geraumer Zeit direkt beteiligt: mit massiven Waffenlieferungen, mit der Ausbildung ukrainischer Soldaten, mit militärischer Beratung usw. Und brüstet sich damit, heute an erster Stelle an der Seite der -Ukraine zu stehen. Dass Russland hierauf bislang nicht mit militärischer Gewalt reagiert hat, ist keine Garantie dafür, dass dies so bleiben wird. Deutschland dreht an der Eskalationsspirale! Bis der Krug zerbricht?
    Mit der «Erklärung über eine Strategische Partnerschaft zwischen Deutschland und der Ukraine»2 vom 14. April 2026 hat die deutsche Kriegsbeteiligung eine neue Dimension erreicht. Von besonderem Interesse sind die Vereinbarungen unter der Überschrift «Sicherheit» und die «Durchführungsvereinbarung über die gemeinsame Fertigung von Lang-strecken-Kampfdrohnen vom Typ Anubis und Mittelstrecken-Kampfdrohnen vom Typ Seth-X». Gemeinsam an ukrainischen und deutschen Standorten sollen solche Drohnen für den Krieg gegen Russland gebaut werden, die auch Ziele weit im russischen Hinterland treffen sollen.
    In den vergangenen zwei Wochen hat es viele Stellungnahmen hierzu gegeben – vor allem in unabhängigen Medien. Deutlich im Urteil war der Beitrag der ehemaligen Bundestagsabgeordneten Sevim Dagdelen.3 Wir beschränken uns auf den Auszug aus einem Artikel, den Thomas Röper – von der EU sanktioniert – auf seiner Internetseite Anti-Spiegel am 16. April veröffentlicht hat.4
    «Am Mittwoch [15. April] ist etwas passiert, was es bisher noch nicht gab. Das russische Verteidigungsministerium hat eine Erklärung herausgegeben, in der es warnt, diese Standorte [der gemeinsamen Drohnenproduktion] anzugreifen. Es warnt die Bevölkerung der betroffenen europäischen Länder ziemlich deutlich davor, sich in der Nähe dieser Standorte aufzuhalten.
    Es gab in der Vergangenheit schon oft russische Warnungen wegen der offenen Kriegsbeteiligung europäischer Länder. Man könnte diese russische Warnung also leicht abtun und sagen, dass Russland wieder nur blufft. Aber diese russische Warnung unterscheidet sich in einem Punkt deutlich von allem, was es bisher gab.
    Ab 2022 war ich bekanntlich im Donbass auf einigen Pressetouren für ausländische Journalisten, die das russische Verteidigungsministerium organisiert hat. Für jede Veranstaltung dieser Art wurde ein Telegram-Chat für die Teilnehmer eingerichtet, in dem die organisatorischen Fragen besprochen wurden. Dabei ging es beispielsweise um Details der Anreise, wann und wo welcher Bus bereitstand, und so weiter. Nach Ende der Veranstaltung ‹starben› diese Chats, und dort wurde nichts mehr veröffentlicht. […]
    Am Mittwoch sind alle diese Chats ‹wieder zum Leben erwacht›. Das russische Verteidigungsministerium hat seine Warnung in alle Chats gepostet, es hat also offenbar ein grosses Interesse daran, dass seine aktuelle Erklärung bekannt wird, und zwar gerade für ausländische Journalisten und damit für das ausländische Publikum. Ich veröffentliche die Erklärung daher hier im Wortlaut zur Information:
    ‹Laut vorliegenden Informationen haben die Regierungen mehrerer europäischer Länder am 26. März 2026 angesichts steigender Verluste und eines sich verschärfenden Personalmangels in den ukrainischen Streitkräften beschlossen, die Produktion und Lieferung von Drohnen für Angriffe auf russisches Territorium in der Ukraine zu erhöhen. Es ist eine signifikante Steigerung der Drohnenproduktion für das Kiewer Regime durch erhöhte Finanzmittel für ‹ukrainische› und ‹gemeinsame› Unternehmen in europäischen Ländern geplant, die Kampfdrohnen und deren Komponenten herstellen. Wir betrachten diese Entscheidung als einen bewussten Schritt, der zu einer drastischen Eskalation der militärpolitischen Lage in ganz Europa und zur schleichenden Umwandlung dieser Länder in das strategische Hinterland der Ukraine führt. Die Umsetzung der von Vertretern des Kiewer Regimes angekündigten Szenarien von Terroranschlägen gegen Russland unter Einsatz angeblich ‹ukrainischer› Drohnen aus europäischer Produktion führt zu unvorhersehbaren Konsequenzen. Anstatt die Sicherheit der europäischen Staaten zu stärken, ziehen die Handlungen der europäischen Regierungen diese Länder zunehmend in den Krieg mit Russland hinein. Die europäische Öffentlichkeit sollte nicht nur die wahren Ursachen der Bedrohungen ihrer Sicherheit klar verstehen, sondern auch die Adressen und Standorte von ‹ukrainischen› und ‹gemeinsamen› Unternehmen kennen, die in ihren Ländern Drohnen und deren Komponenten für die Ukraine herstellen›.
    Danach folgt eine Liste mit 21 Standorten, an denen in vor allem europäischen Ländern Drohnen oder deren Komponenten für die Ukraine gefertigt werden. In der Liste […] werden auch drei in Deutschland ansässige Unternehmen genannt: In München sind das die DaVinci Avia GmbH, ein Hersteller von Drohnen, und das ukrainische Unternehmen Airlogix, das zusammen mit dem deutsch-amerikanischen Softwarehersteller Auterion ebenfalls Drohnen produziert. Das dritte Unternehmen ist laut der Erklärung die Firma 3W Professional aus dem hessischen Hanau.»
    Ein deutsches Einlenken ist jedoch nicht zu erkennen. Im Gegenteil: Am 20. April postete das deutsche Auswärtige Amt auf X: «Unsere Antwort ist klar: Wir lassen uns nicht einschüchtern. Solche Drohungen und alle Arten von Spionageaktivitäten in Deutschland sind vollkommen inakzeptabel. Dazu wurde heute der russische Botschafter einbestellt.» Wir wissen nicht, wie das Gespräch im Auswärtigen Amt verlaufen ist. Wir wissen aber, was der russische Aussenminister Sergej Lawrow wenige Tage zuvor bei einer internationalen Konferenz im türkischen Antalya sagte: «Unsere nationale Eigenschaft ist die Geduld. […] Aber irgendwann ist die Geduld erschöpft.»

PS Am 16. April berichtete die «Berliner Zeitung»: «Bundeskanzler Friedrich Merz ist laut einer internationalen Umfrage der unbeliebteste Regierungschef unter führenden Demokratien. Wie das US-Meinungsforschungsinstitut Morning Consult ermittelte, sind nur 19 Prozent der Befragten in Deutschland mit seiner Arbeit zufrieden. Gleichzeitig liegt die Ablehnung bei 76 Prozent – der höchste Wert unter den 24 untersuchten Staats- und Regierungschefs.» Wer und was geben Friedrich Merz das Recht, Deutschland in so grosse Gefahr zu bringen?

1https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/merz-amtseinfuehrung-papst-2348326 vom 18.5.2025

2https://www.bundesregierung.de/resource/blob/974430/2420616/2810b1a2113c7d4687e75b47251397bc/2026-04-14-erklaerung-deutsch-ukrianische-regierungskonsultationen-deutsch-data.pdf?download=1 vom 14.4.2026

3https://www.nachdenkseiten.de/?p=149141 vom 16.4.2026

4https://anti-spiegel.ru/2026/russland-warnt-firmen-zur-gemeinsamen-drohnenproduktion-in-deutschland-sind-legitime-ziele/ vom 16.4.2026

Papst Leo XIV. setzt sich ein für Frieden und Gerechtigkeit

km. Papst Leo XIV. hat sich seit seinem Amtsantritt durch sein engagiertes Eintreten für den Frieden in der Welt als wohltuende Stimme der Vernunft und Menschlichkeit gezeigt. Dabei hat sich der Papst auch nicht gescheut, den politisch Verantwortlichen – mögen sie sich auch noch so mächtig gebärden – entgegenzutreten. Ganz offensiv tut er dies seit Beginn des US-israelischen Angriffskrieges gegen den Iran. Auch während seiner 11tägigen Afrika-Reise vom 13. bis zum 23. April 2026 hat er dies fortgesetzt. So in einer Ansprache vor der christlichen Gemeinschaft Bamenda in Kamerun am 16. April.1 In dieser Ansprache würdigte der Papst die erfolgreichen Bemühungen des Landes um eine Annäherung der Christen und Muslime und weitete dabei den Blick:
    «Jesus sagte uns: Selig sind die Friedensstifter! Wehe jedoch denen, die die Religionen und selbst den Namen Gottes für ihre militärischen, wirtschaftlichen oder politischen Zwecke verbiegen und damit das Heilige in Schmutz und Finsternis ziehen. […] 
    Die Kriegsherren tun so, als ob sie nicht wüssten, dass ein Augenblick genügt, um zu zerstören, dass aber oft ein ganzes Leben nicht ausreicht, um wiederaufzubauen. Sie tun so, als sähen sie nicht, dass Milliarden von Dollars verbraucht werden, um zu töten und zu verwüsten, dass man jedoch nicht die Mittel findet, um zu heilen, zu erziehen und wiederaufzurichten. […]
    Der Friede braucht nicht erfunden zu werden. Er muss bloss angenommen werden, indem wir unseren Nächsten als unseren Bruder und als unsere Schwester annehmen. Niemand sucht sich seine Brüder und Schwestern aus – wir brauchen einander nur anzunehmen! Wir sind eine einzige Familie und bewohnen dasselbe Haus, diesen wunderbaren Planeten, um den sich die alten Kulturen über Jahrtausende gekümmert haben.»
    Im direkten Bezug zur Plünderung des Landes durch neokolonialistische Staaten sagte der Papst:
    «Wer euer Land seiner Ressourcen beraubt, investiert in der Regel einen Grossteil der Gewinne in Waffen, in eine Spirale der Destabilisierung und endlosen Sterbens. Es ist eine verkehrte Welt, ein Zerrbild der Schöpfung Gottes. Jeder aufrichtige Mensch muss dies anprangern und ablehnen und jene Kehrtwende […] vollziehen, die in die entgegengesetzte Richtung führt, auf den tragfähigen und zielführenden Weg der menschlichen Geschwisterlichkeit. Die Welt wird von wenigen Herrschenden zerstört und von Myriaden solidarischer Brüder und Schwestern aufrechterhalten!»

1https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/speeches/2026/april/documents/20260416-camerun-incontro-pace.html

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