Die Schweizer Neutralität während des Zweiten Weltkrieges

Leserbrief

Peter Küpfer kommt das Verdienst zu, auf eine sehr wichtige Ausstellung im Schloss Morges aufmerksam gemacht zu haben (Zeit-Fragen Nr. 3 vom 3.2.2026). Die Ausstellung beleuchtet das Wirken der internationalen Geheimdienste in der Schweiz, und zwar speziell zur Zeit des Zweiten Weltkrieges. Die Schweiz war vor allem nach 1940 mit der Besetzung Frankreichs durch deutsche Truppen in ihrer Existenz eminent bedroht. Der Bundesrat hatte gleich nach dem Kriegsausbruch 1939 zusammen mit der Generalmobilmachung die integrale Neutralität der Schweiz erklärt. 
    Die Schweiz musste noch mehr als während des Ersten Weltkrieges eine Balance zwischen Anpassung und Widerstand finden, besonders punkto Neutralität. Beiden Seiten, also den Alliierten (vor allem Grossbritannien, den USA und auch der Sowjetunion) und den Achsenmächten (Italien und Deutschland) musste die Schweiz Zugeständnisse machen, die an die Schmerzgrenze gingen. Auf alliierter Seite war das, und das zeigt die Ausstellung in Morges anschaulich auf, die Duldung des Wirkens der alliierten Geheimdienste von der Schweiz aus. Die Schweiz konnte damals als «Drehscheibe» der Geheimdienste bezeichnet werden. Die Schweiz profitierte aber selber sehr von diesen Kontakten, erfuhr Details zu den deutschen Angriffsplänen und konnte dementsprechend ihre Verteidigung danach ausrichten. Andererseits musste die Schweiz besonders gegenüber Hitler-Deutschland ebenso empfindliche Abläufe billigend in Kauf nehmen. Auch hier verletzte die Schweiz neutralitätsrechtliche Grundlagen, indem sie für Kriegsmateriallieferungen Staatskredite an Deutschland und Italien gewährte und den Transitverkehr zwischen Deutschland und Italien nur ungenügend kontrollierte. Das hat allerdings nichts mit der vom Bundesrat heute geforderten «flexiblen Handhabung der Neutralität» zu tun, sondern war der spezifischen äusserst schwierigen historischen Situation geschuldet. Die Schweiz musste beiden Seiten etwas geben, um zu überleben!
    Dieser Balanceakt fand zusammen mit der Réduit-Strategie von General Guisan im Gegensatz zum Zaudern des damaligen Bundesrates (v.a. Pilet-Golaz) in der Bevölkerung breite Zustimmung. Die Schweizer Bevölkerung gewann im Zeichen der «Geistigen Landesverteidigung» eine nie geahnte Stärke, die mögliche Kriegsgegner abschreckte. Genau einen solchen antitotalitären Konsens benötigt unsere Eidgenossenschaft auch heute wieder. Das wird möglich mit der breiten Unterstützung der Neutralitätsinitiative!

Dr. phil. René Roca, Forschungsinstitut direkte Demokratie

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