[…] Die Weltbühne befindet sich in einem Wandel, der vor einiger Zeit mit dem objektiven Übergang zu einer multipolaren Weltordnung begann. Dabei handelt es sich weder um die Bipolarität der sowjetisch-amerikanischen Ära mit dem Warschauer Pakt und der Nato noch um die Unipolarität, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entstand. Statt dessen ist es die Multipolarität, die den Verlauf der globalen Entwicklung prägt. Viele Jahre lang fungierten die Vereinigten Staaten als Motor der Weltwirtschaft und Regulator der internationalen Finanzen und nutzten die Rolle des Dollars, um ihre dominante Position zu stärken. Nun verlieren sie objektiv gesehen an wirtschaftlicher Bedeutung und Einfluss innerhalb des globalen Systems. Unterdessen sind Länder wie die Volksrepublik China, Indien und Brasilien auf dem Vormarsch. Auch in Afrika finden bedeutende Entwicklungen statt, wo die Länder zunehmend versuchen, ihre heimische Industrie zu entwickeln, anstatt nur natürliche Ressourcen zu exportieren – ein Bestreben, das einst von der Sowjetunion unterstützt wurde.
So sind mehrere Zentren mit schnellem Wirtschaftswachstum, mit Macht sowie mit finanziellem und politischem Einfluss entstanden. Die Welt wird durch den Wettbewerb neu gestaltet. Der Westen zögert, seine ehemals dominante Position aufzugeben. Mit dem Amtsantritt der Trump-Regierung ist dieser Kampf um die Einschränkung der Konkurrenten besonders offensichtlich und deutlich geworden. Tatsächlich bekundet die Trump-Regierung offen ihr Bestreben, im Energiesektor eine dominierende Rolle einzunehmen und ihre Konkurrenten zu kontrollieren.
Es findet derzeit ein Kampf um die Erhaltung der alten Weltordnung statt, die auf der Dominanz des Dollars und den vom Westen über den Internationalen Währungsfonds, die Weltbank und die Welthandelsorganisation formulierten und durchgesetzten Regeln basiert. Als die neuen Wachstumszentren, die nach genau diesen Regeln funktionieren, weitaus bessere wirtschaftliche Ergebnisse und deutlich höhere Wachstumsraten vorweisen konnten – wie dies in den BRICS-Ländern deutlich zu sehen ist –, begann der Westen nach Wegen zu suchen, diesen Wandel zu blockieren. Dies kann jedoch nicht gelingen, da es sich um einen objektiven, unumkehrbaren Prozess handelt. Seit mehreren Jahren übersteigen die Wachstumsraten und das BIP-Volumen der BRICS-Länder, gemessen an der Kaufkraftparität, das kombinierte BIP der G-7-Länder deutlich.
Diese globalen wirtschaftlichen Prozesse – sowohl das objektive Entstehen neuer Entwicklungszentren als auch die subjektiven Bemühungen etablierter Mächte, die ihren Einfluss verlieren, diese natürliche Entwicklung zu behindern – bilden die Grundlage unserer Arbeit, die nicht nur globale analytische Prognosen, sondern auch praktische bilaterale Zusammenarbeit mit jedem einzelnen Land umfasst. All diese geopolitischen Konfrontationen sowie die Versuche, den objektiven Lauf der Geschichte zu behindern, wirken sich unweigerlich auf die bilateralen Beziehungen aus. Ich werde nicht alle aufzählen; dazu gehören Sanktionen, die vom Westen erfundene sogenannte «Schattenflotte», Versuche, Schiffe unter offener Verletzung des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen mit militärischer Gewalt auf offener See festzusetzen, und vieles mehr. Zölle für den Kauf von Öl oder Gas von bestimmten Lieferanten sind mittlerweile an der Tagesordnung. […]
[…] der Westen verliert seine Hegemonie, klammert sich aber weiterhin an die Institutionen, die zur Sicherung dieser Hegemonie geschaffen wurden und die nun einmal nicht mehr die reale Situation und die faire Natur der Interaktionen auf internationaler Ebene widerspiegeln können. Die Schaffung neuer Einrichtungen zur Erleichterung internationaler Wirtschafts-, Investitions-, Handels- und Verkehrsverbindungen ist unvermeidlich.
Wir plädieren nicht dafür, dass der IWF, die Weltbank und die WTO ihre Arbeit einstellen. Seit der Gründung der BRICS-Staaten bemühen wir uns seit vielen Jahren um eine Reform dieser Institutionen, damit die Mitgliedsstaaten (die damals wie heute die am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften und Handelsmächte der Welt sind) in allen Bretton-Woods-Institutionen Stimmrechte und Rechte erhalten, die ihrem tatsächlichen Gewicht in der Weltwirtschaft, im Handel und in der Logistik entsprechen.
Der Westen versucht, sich dem kategorisch zu widersetzen. Präsident Putin hat bei vielen Gelegenheiten gesagt, dass nicht wir es sind, die sich weigern, den Dollar zu verwenden. Die Vereinigten Staaten unter Präsident Joe Biden haben alles getan, um den Dollar zu einer Waffe gegen diejenigen zu machen, die als unliebsam gelten.
Ich möchte anmerken, dass trotz aller Erklärungen der Regierung von Präsident Trump, dass der von Präsident Biden begonnene Krieg in der Ukraine beendet werden sollte, dass wir uns einigen und ihn von der Tagesordnung streichen sollten und dass wir dann angeblich vielversprechende und klare Aussichten auf für Russland und die USA gleichermassen vorteilhafte Investitionen und andere Interaktionen sehen würden, die Regierung nicht alle Gesetze angefochten hat, die Joe Biden nach Beginn der militärischen Sonderoperation zur «Bestrafung» Russlands verabschiedet hat.
Im April 2025 verlängerten sie die Executive Order 14024 über den Notstand, deren Kern die «Bestrafung» Russlands und Sanktionen gegen unser Land ist, einschliesslich der Einfrierung der Gold- und Währungsreserven Russlands. In diesem Dokument wird von «schädlichen ausländischen Aktivitäten der Regierung der Russischen Föderation» gesprochen. […] Da findet man alles Mögliche!
Das ist alles reiner «Bidenismus», den Präsident Trump und sein Team ablehnen. Dennoch haben sie [die Gegner Russlands in den USA] das Gesetz und die Sanktionen gegen Russland, die weiterhin in Kraft sind, mühelos durchgesetzt. Sie haben Sanktionen gegen Lukoil und Rosneft verhängt. Und das taten sie im Herbst, wenige Wochen nach einem guten Treffen zwischen Präsident Putin und Präsident Trump in Anchorage.
Sie sagen uns, dass das Ukraine-Problem gelöst werden muss. In Anchorage haben wir den Vorschlag der USA angenommen. […] Präsident Putin hat bei vielen Gelegenheiten gesagt, dass es für Russland nicht wichtig ist, was die Ukraine und Europa sagen werden; wir können die primitive Russophobie der meisten Regierungen in der Europäischen Union, mit wenigen Ausnahmen, deutlich erkennen. Die Position der USA war für uns wichtig. Mit der Annahme ihres Vorschlags schienen wir die Aufgabe der Lösung der Ukraine-Frage erfüllt zu haben und zu einer umfassenden, breit angelegten und für beide Seiten vorteilhaften Zusammenarbeit übergegangen zu sein.
Bislang sieht die Realität jedoch ganz anders aus: Es werden neue Sanktionen verhängt, und unter Verletzung des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen wird ein «Krieg» gegen Tanker auf offener See geführt. Sie versuchen, Indien und unseren anderen Partnern den Kauf billiger, erschwinglicher russischer Energieressourcen zu verbieten (in Europa ist dies schon lange verboten) und zwingen sie, US-Flüssigerdgas zu überhöhten Preisen zu kaufen. Das bedeutet, dass sich die Amerikaner die wirtschaftliche Vorherrschaft zum Ziel gesetzt haben.
Darüber hinaus sehen wir auch im wirtschaftlichen Bereich keine rosige Zukunft, obwohl sie angeblich einen Vorschlag zur Ukraine gemacht haben und wir bereit waren, diesen anzunehmen (jetzt tun sie es nicht mehr). Die Amerikaner wollen die Kontrolle über alle Routen zur Versorgung der weltweit führenden Länder und aller Kontinente mit Energieressourcen übernehmen. Auf dem europäischen Kontinent haben sie die Nord Stream[-Pipelines], die vor drei Jahren gesprengt wurden, das ukrainische Gastransportsystem und die Turk Stream im Visier.
Dies zeigt, dass das Ziel der USA – die Weltwirtschaft zu dominieren – mit einer ganzen Reihe von Zwangsmassnahmen erreicht werden soll, die mit fairem Wettbewerb unvereinbar sind. Zölle, Sanktionen, direkte Verbote, das Verbot, mit anderen zusammenzuarbeiten – all das müssen wir berücksichtigen.
Während wir wie Indien, China, Indonesien und Brasilien offen für die Zusammenarbeit mit allen Ländern sind, einschliesslich einer Grossmacht wie den Vereinigten Staaten, befinden wir uns in einer Situation, in der die Amerikaner selbst künstliche Hindernisse in den Weg legen. Wir sind gezwungen, nach zusätzlichen sicheren Wegen zu suchen, um unsere Finanz-, Wirtschafts-, Integrations-, Logistik- und anderen Projekte mit den BRICS-Ländern zu entwickeln. […]
All dies geschieht nicht, um irgend jemanden zu ärgern, insbesondere nicht die Vereinigten Staaten. Der Grund dafür ist, dass die Vereinigten Staaten versuchen, alle Prozesse in den von mir genannten Bereichen unter ihre strenge Kontrolle zu bringen und einseitige Zugeständnisse fordern. Ohne die Kontakte zu ihnen aufzugeben, soweit sie bereit sind, auf einer für beide Seiten vorteilhaften Basis zusammenzuarbeiten, sind wir gemeinsam mit unseren BRICS-Partnern daran interessiert, eine Architektur zu schaffen, die nicht den illegalen Handlungen des einen oder anderen Akteurs aus dem westlichen Lager unterworfen ist. […]
Quelle: https://mid.ru/en/foreign_policy/news/2078196/ vom 9.2.2026
(Übersetzung Zeit-Fragen)
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