Brot ist Leben

von Rita Brügger und Ursula Felber

Chilenische Frauen stellten uns am diesjährigen Weltgebetstag (4. März 2011) mit bib­lischen Worten folgende Frage: «Wie viele Brote habt ihr?» Sie sprachen damit die Verteilung der Nahrungsmittel und die Ernährungssouveränität an. Angeregt durch den Artikel «Unser täglich Brot» (Zeit-Fragen Nr. 7 vom 14.2.2011) haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir dieses Thema in der Schule aufnehmen und umsetzen könnten.

Die Frage des Brotes, die Nahrungsmittel­sicherheit ist etwas, was die Menschen sehr beschäftigt. Ist sie nicht gewährleistet, wehren sich die Menschen, und es treibt die Völker auf die Strassen, wie jüngst die Proteste in den arabischen Ländern zeigten. Der Volkszorn ist Ausdruck der unheilvollen Abhängigkeit. In diesen Ländern kann die Landwirtschaft die inländische Nachfrage nicht mehr decken. Ernteausfälle und erhöhte Importe, um die Lager aufzufüllen, treiben die Getreidepreise in die Höhe. Der Weltmarktpreis für Weizen ist um mehr als 70% gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Für die Ernährung der Weltbevölkerung kommt ihm eine herausragende Bedeutung zu. Weizen ist nahrhaft und lässt sich unter geeigneten Bedingungen jahre­lang lagern.
Wir kommen nicht darum herum, uns Gedanken zu den jüngsten Ereignissen im arabischen Raum zu machen. Könnte dies auch bei uns geschehen? Wird auch bei uns eines Tages das Brot nicht mehr für jedermann erschwinglich sein? Wir können uns von diesen Vorgängen nicht ausnehmen.
Wir wissen heute, dass es genügend Nahrungsmittel für die gesammte Weltbevölkerung haben könnte. Es ist eine Frage der Verteilung. Über die Knappheit der Rohstoffe werden wir hinreichend informiert. Wir können nicht Millionen von Menschen vom Wohlstand ausschliessen und sie neben den Satten verhungern lassen. Es müssen Lösungen gefunden werden. Der Weltagrarbericht gibt Antworten und räumt mit dem Mythos der Überlegenheit industrieller Landwirtschaft aus volkswirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Sicht gründlich und ehrlich auf. Er fordert einen Paradigmawechsel in der Landwirtschaft: kleinbäuerliche Strukturen als die wichtigsten Garanten und die grösste Hoffnung einer sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltigen Lebens­mittelversorgung.

Was kann die Schule beitragen?

Brot ist unsere tägliche Nahrung, so auch das Pausenbrot. Aber wissen die Kinder, dass auf einer Fläche ihres Pultes rund 400 Roggenpflanzen wachsen können, die 16 000 Getreidekörner liefern? Und diese reichen für ein kleines Roggenbrot. Im Computerzeitalter haben die Kinder Zugang zu vielen Informationen. Was fehlt, sind nachhaltige Überlegungen über unser Zusammenleben. Aufklärung über die Ernährungssouveränität tut not. Uns Pädagogen kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Im Lehrplan wird verlangt, dass ein wirtschaftlicher Zusammenhang von Erzeugung, Verteilung und Verbrauch einer Ware aufgezeigt werden soll. Dies kann anhand der Broschüre «Vom Brot zum Korn» ganz besonders gut geschehen.
Von alters her hat das Brot für die Menschen eine grosse Bedeutung und einen grossen Wert. Es gibt nur wenige Begriffe des Alltags, um die sich so viele Sprichwörter und Redensarten drehen wie um das Brot. Der fächerübergreifende Unterricht ermöglicht Einsichten in kultur- und technischhistorische Zusammenhänge, aber auch vielfältige intellektuelle sowie soziale Kompetenzen können gefördert werden.
Der Schweizer Bauer, die Landwirtschaft werden in Zukunft für uns alle noch an Bedeutung zunehmen. In der Schule haben wir viele Möglichkeiten, den Kindern deren Wichtigkeit und Bedeutung näherzubringen. Gerade das Thema «Brot» kann von verschiedenen Fächern her bearbeitet werden: Sprache, Geographie, Geschichte, Mensch und Umwelt, Religion und Kultur. Bereits liegen ausführliche Materialien wie Dokumentationen, Broschüren für alle Stufen, Filme und Handreichungen für Lehrer vor.
Das Thema Bauernhof ist für Unterstufenkinder sehr geeignet. Anhand der Tiere, der vielfältigen Arbeiten auf dem Hof und auf dem Feld können den Kindern wichtige Lebensgrundlagen vermittelt werden. Auf der Mittelstufe bietet sich im Fach Mensch und Umwelt eine Brotreise durch die ganze Schweiz an. Fast jeder Kanton verfügt über eigene Brotspezialitäten.

Oberstufe – das Klassenlager einmal anders erleben

Eine Projektwoche mit Schulverlegung auf einen Bauernhof gehört zu den wichtigsten und erfolgreichsten Wochen vieler Schulklassen. Viele Bauernfamilien bieten auf ihren Höfen Unterkunft, Verpflegungs- oder Selbstkochgelegenheiten und eine interessante Auswahl von Themen zum Gestalten eines Wochenprogramms. Die Kinder haben Gelegenheit, auf einem Bauernbetrieb mitzuarbeiten, und was in der Schule theoretisch behandelt wurde, kann in der Praxis nachvollzogen werden. Das Thema Bauernhof und Landwirtschaft ist aber nur ein Teil der Projektwoche. Daneben laden Exkursionsangebot, Wanderungen und Sportmöglichkeiten in der nahen Umgebung eines Hofes zum Ergänzen der Projektwoche bei. Nicht zuletzt bieten die Bauernhöfe meist eine kostengünstige Alternative zu Unterkünften für Schulklassenlager.
In den vergangenen Jahren wurden in Fronarbeit verschiedene alte Mühlen wiederaufgebaut und stehen für Schulungszwecke zur Verfügung. Ein Beispiel dafür ist die Haumühle in Embrach. Während Hunderten von Stunden errichteten verschiedene Handwerker ehrenamtlich diese alte Mühle. Heute können das Mühlrad, die Mühle und die Mehlproduktion ganzen Schulklassen vorgeführt werden. Es hat auch speziell für Schulklassen einen Schulungsraum. Swissmill hat den Anbau, die Ernte und Produktion von Getreide virtuell auf dem Internet veranschaulicht. Plakate, Broschüren werden von der Schweizerischen Brotinformation SBI zur Verfügung gestellt. Weiter erwähnt der Artikel «Unser tägliches Brot» (Zeit-Fragen Nr. 7 vom 14. Februar) verschiedene Museen zu diesem Thema.•

Die Broschüre «Vom Korn zum Brot» kann in der Schule für den ­Unterricht verwendet werden. Es gibt jeweils eine Version für die Mittelstufe und für die Oberstufe und eine Handreichung für den Lehrer.
Die Materialien können bestellt werden bei:

Schweizerische Brotinformation SBI
c/o Swiss Granum
Postfach 7957
Belpstr.26
3001 Bern
www.schweizerbrot.ch

Das Brotbacken wird entdeckt

Das älteste in der Schweiz ganz erhaltene Brot stammt aus Twann (um 3530 v. Chr.) und wurde am 27. Februar 1976 gefunden. Es ist aus Weizenkörnern hergestellt, die auf einer Handreibemühle zerrieben wurden.
In der ersten Entwicklungsphase wurde Mehl mit Körnern und Wasser zu Klumpen geformt, dann angeröstet, damit sie haltbar blieben, und weiterverarbeitet. Die Masse wurde unter Asche angebacken, später in Herdmulden gegossen, bis man schliesslich die geformten Brotteige in Backmulden zu garen begann.
Von da war es nur noch ein kleiner Schritt zum richtigen Backen der Fladenbrote in Backöfen. Sauerteig, der durch einen Gärungsprozess entsteht, wurde von den alten Ägyptern erfunden, die dadurch einen wichtigen Grundstoff des Brotbackens entdeckten. Das Bäckergewerbe war bei den Ägyptern bereits vor 4800 Jahren bekannt, in der Schweiz sind Bäcker seit dem Jahr 623 nachgewiesen.
In der dritten Welt formen Frauen noch heute nach alter Tradition kleine Teiglinge und backen sie auf einem heissen Stein oder im Holzofen.
Entwicklung des Backofens
Fladenbrote wurden in verschiedenen Backöfen gebacken:
Die ersten überwölbten Öfen vor 4500 Jahren bestanden aus einer gepflasterten Fläche und einer länglichen Überwölbung.
Die Germanen benutzten unterirdische Grubenbacköfen.
Der zweiteilige altägyptische Zylinderofen bestand aus einem Unterofen zum Einfeuern und einem Oberofen zum Backen.
Kuppelförmige Öfen aus Lehmziegeln waren im Nahen Osten und bei den Pfahlbauern bekannt. Die Römer entwickelten diese weiter. Diese Ofenform setzte sich bis in unsere Dorfbackhäuschen durch.
Die Backfläche erhitzte man mit brennendem Holz. Dann wurde die Glut entfernt und auf der heissen Fläche das Backgut gebacken.
In verschiedenen Bauernhäusern, aber auch als Backhaus einer Gemeinde, sind in der Schweiz Holzbacköfen noch erhalten.
Quelle: www.schweizerbrot.ch     

«Danke, gutes Brot»

Ein Bilderbuch für Kinder ab 4 Jahren von Brigitte Weninger und Anne Möller

Heute wachsen viele Kinder ohne einen direkten Bezug zu ihrer Nahrung auf. Bestenfalls dürfen sie dabeisein, wenn die Mutter einkauft oder mithelfen, wenn das Essen für die Familie gekocht wird. Wenige wissen Bescheid, welches einheimische Früchte und Gemüse sind, wann sie reif sind und geerntet werden. Auch die Geschichte vom Brot ist den meisten unbekannt. So kennen sie den langen Weg vom kleinen Samenkorn bis hin zum Brot nicht.
Deshalb ist dieses Buch «Danke, gutes Brot» ein wertvoller Schatz, der die Kinder an das wunderbare Entstehen eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel mit Sorgfalt und Liebe heranführt. Das Buch hat ansprechende Bilder und einen für Kinder leicht verständlichen Text: «Heute Morgen habe ich mit meiner Mama Brot gebacken. Wie fein du duftest, frisches Brot! Du schmeckst so gut und bist so gesund.» Das Gesicht eines Jungen strahlt beim Riechen am abgeschnittenen Brotstück sichtliche Zufriedenheit aus.
Der Reihe nach erzählt die Geschichte kindgerecht alle Sachinformationen, die erklären, wie ein Brot entsteht und wie viel Arbeit und Zeit damit verbunden sind, bis das Brot bei uns fertig gebacken auf dem Tisch liegt. «Man kann gar nicht sehen, wie viele, viele Getreidekörner in so einem Brot stecken», heisst es da beispielsweise. Und auf dem Bild sieht man die säende Hand mit den Körnern. Die Körner im Boden, das erste leichte Keimen, die Wurzeln, erste Blätter, Stengel, das Grösserwerden der Getreidepflanze bis hin zur dicken, reifen Ähre, das wird dem Kind in bunten Bildern anschaulich dargestellt.
«Jede Ähre ist voller Getreidekörner. Aus einem einzigen Korn sind so viele Körner gewachsen!» erzählt die Geschichte weiter. Der Werdegang der Samenkörner, die vom Bauern in die Mühle gebracht werden, ist beschrieben und dass man das Korn auch mit einer Handmühle zu Mehl verarbeiten kann. Dann folgt die Verarbeitung mit Mehl, Salz, Wasser und Hefe zu einem Brotteig. Der Bub im Bilderbuch ist mit Hingabe dabei, das Brot zu kneten und es dann fertig geformt in den Ofen zu schieben.
Am Ende der Sachgeschichte wird auch das Problem des gerechten Verteilens der Nahrung den Kindern vermittelt: «Mama sagt, dass viele Menschen Hunger haben.» Im Bild zu diesem Text greifen fünf Kinderhände in verschiedenen Hautfarben nach einem Brot, das in viele Stücke geteilt ist. Sie teilen das Brot. Und der Junge, der durch das ansprechende Buch führt, meint zum Schluss: «Ich muss nicht hungern. [...] Aber ich wünsche mir, dass alle Kinder dieser Welt auch genug Brot zu essen haben. Danke, gutes Brot!»
Schon jüngere Kinder können mit diesem schönen Buch die Achtung vor dem täglichen Brot lernen. Sie werden mit der nötigen Sorgfalt und Liebe zu diesem Lebensmittel vertrauter gemacht. Das Kind erfährt, erlebt und kann nachvollziehen, wie viel Zeit, Regen, Sonne und Pflege der Natur nötig war und welche Arbeit dahinter steckt, bis es sein Frühstücksbrot mit der nötigen Achtung essen kann.

Informationsmaterial
• Schweizerische Brotinformation SBI c/o Swiss Granum, Postfach 7957, Belpstr.26, 3001 Bern
• «Vom Korn zum Brot». Bundesamt für Landwirtschaft (BLW). «Die Brotgetreideversorgung der Schweiz im 20. Jahrhundert»
• Buchtitel: «Danke, gutes Brot»: Bilderbuch für Kinder ab 4 Jahren, Herausgeber Brigitta Weninger, Anne Möller, Michael Neugebauer Verlag
www.muehlerama.ch
www.swissmill.ch
www.landwirtschaft.chhttp://www.landwirtschaft.ch http://www.landwirtschaft.chhttp://www.landwirtschaft.ch