Ein Volk hat seine Identität wiedergefunden

Die eidgenössischen Abstimmungsresultate der beiden letzten Jahre zeigen einen deutlichen Wertewandel in der Bevölkerung der Schweiz. Was mit dem deutlichen Ja zum Minarettverbot und zur Ausschaffungsinitiative krimineller Ausländer von politischen Mandatsträgern und Institutionen im In- und Ausland als völkerrechtliche Entgleisung bezeichnet wurde, ist in Wahrheit eine Rückkehr zu alten Werten.
Eine unveröffentlichte Studie des Umfrage- und Marketinginstituts Demoscope liefert erstaunliche Ergebnisse über die Wertehaltung und Lebenseinstellung von Herrn und Frau Schweizer. Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1974 zeigten die Untersuchungen immer in dieselbe Richtung, nämlich zu einer immer progressiver werdenden Gesellschaft. Diese Haltung erreichte ihren eigentlichen Höhepunkt im Jahr 2001. In den folgenden Jahren schlug das Pendel erstmals seit Untersuchungsbeginn in eine konservative Richtung um. Die beiden Abstimmungen zu den Volksinitiativen «Gegen den Bau von Minaretten» und «Ausschaffung von kriminellen Ausländern» haben die definitive Trendwende eingeläutet. Der anhaltende Erfolg der Schweizerischen Volkspartei (SVP) und die jüngsten Voraussagen des Wahlbarometers der SRG idée suisse, welche der SVP ein weiteres Wachstum zutrauen, belegen dies deutlich.

Sicherheit hat Priorität

Der Wunsch nach Sicherheit wird immer zentraler und ist so wichtig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Bedrohung durch Gewalttäter und Kriminelle toleriert das Schweizervolk immer weniger. Deutlich machen dies zudem auch die Annahme der beiden Volksinitiativen «Lebenslange Verwahrung für nicht therapierbare, extrem gefährliche Sexual- und Gewalttäter» und «Unverjährbarkeit pornographischer Straftaten an Kindern». Interessanterweise messen junge Schweizer der Sicherheit eine höhere Bedeutung zu als die älteren Generationen. Nach fast zwanzigjährigem Streben nach Erfolg und Wohlstand ist dieses einer neuen Bescheidenheit gewichen. Das Schweizervolk kommt von der zügellosen Ausgabenpolitik der 90er Jahre ab. Dabei ist der Wille zur Leistung nicht verlorengegangen, die Bevölkerung ist in ­politischer und ideologischer Hinsicht realistischer geworden, was sich sowohl in der Beurteilung des persönlichen Fortkommens als auch der Entwicklung der gesamten Wirtschaft niederschlägt. Ein wichtiger Trend ist der Wunsch nach starken und verlässlichen Wurzeln. Herkunft und Tradition gewinnen an Bedeutung.
Waren im Jahr 2000 noch 47% der Stimmberechtigten für einen EU-Beitritt, so sind es heute noch 28%. Dieser Gesinnungswandel ist nicht nur mit den Schwierigkeiten bei den bilateralen Verträgen und den zunehmenden Krisen der Europäischen Union erklärbar.

Konservative Wähler

Die Studie von Demoscope hat weitere erstaunliche Untersuchungsergebnisse hervorgebracht. So wurde die Wählerschaft der SVP in den letzten vier Jahren konservativer – trotzdem konnten die Wähleranteile gesteigert werden, während sich die FDP in den letzten vier Jahren in die andere Richtung bewegte und so an Wählergunst verloren hat. Betrachtet man die Untersuchungen genau, so zeigen diese, dass sich die SVP in ihrem politischen Profil der EDU angenähert hat.

Thomas Käser

Quelle: Standpunkt EDU. Christlich-politische Monatszeitung. Offizielles Organ der Eidgenössischen Demokratischen Union EDU, Nr. 3, März 2011