Für Hellas – für Griechenland

Wenn ich gerade lese, dass unsere Staatsholding, ÖIAG, den «armen Griechen» bei der Privatisierung von Staatsvermögen helfen soll, dann steigt mir nicht nur die Schamröte, sondern auch die Zornesader ins Gesicht.
Ein Volk, dessen Regierende vorher von den Finanzmächtigen in unverantwortbare Schulden hineinverführt wurden, wird nun von eben diesen Finanzmächtigen geplündert … und die an ihrem Gängelband laufende Staatengemeinschaft macht ihnen die Mauer und spielt Handlanger – auch mein Vaterland.
Da ich wusste, dass in Griechenland, Portugal und Spanien die Anleihen auslaufen, habe ich vor «Ausbruch der Krise» vorausgesagt, dass die grossen Kapitaleigner eine Schlechtmachungs- und Bereicherungs-Stampede veranstalten werden, um die Zinsen wieder hochzuschrauben und sich im Angesicht des gefährdeten Weltwährungssystems Realvermögen anzueignen. Beim weit höher verschuldeten Italien getraut man sich nicht, weil man einen kommunistischen Umschwung nicht riskieren will; denn dieser würde Totalverlust bedeuten.
Den einzigen klugen Weg hat Frau Kirchner in Argentinien gewählt (den ich auch angeraten habe), nämlich den Finanzmächtigen zu sagen:
a)    Ihr habt gewusst, was ihr tut, und ihr habt jahrelang die Politik am Nasenring herumgeführt. Warum habt ihr nicht im Interesse des Gemeinwohls und im Interesse eurer Kunden entsprechend beraten – auch in Richtung von mehr Disziplin, Fleiss und Korrektheit?
Vielmehr habt ihr sogar Bilanzierungstricks verkauft.
b)    Ihr habt hohe Zinsen verlangt. Hohe Zinsen beinhalten eine Risikoprämie. Nun ist das von euch zumindest mitverschuldete Risiko schlagend geworden.
c)    Ihr habt das Geld ohnehin aus der Luft kreiert (fiat-money). Nun führt die Blase wieder in erträgliche Dimensionen zurück.
Daher verlangen wir eine zumindest teilweise Schuldenstreichung.
Meine Ökonomen-Freunde haben mir gesagt: Wenn Argentinien dies tut, dann wird es nie mehr mit Krediten bedient werden. Ich habe darauf geantwortet, dass die Chinesen ihre Dollar-Überschüsse ohnehin gerne anlegen. Frau Kirchner braucht dort nur anzuklopfen, und sofort werden die ‹Investoren› einlenken.
Und so war es.
Der Trick der Grosskapitaleigner, die EU in die Haftung hineinzudrängen («Rettungsschirm») und sich nach dem Absahnen schrittweise zu Lasten der EU-Steuerzahler zurückzuziehen, macht die Sache natürlich nicht leichter.
Mein Rat ist dennoch: Geordneter Ausgleich – wenn nötig auch anderer EU-Staaten und der EU selbst. Dies ist der einzige sinnvolle Ausweg.
Wenn die «Investoren» diesen Weg nicht gehen, dann wird es in allen europäischen Staaten wieder zum Ruf der «Expropriation der Expropriateure» kommen (und zwar leider zu Recht) und zum gewaltsamen Umsturz.
Schulden wird man nicht los, indem man neue (andere) auf sie aufsetzt.

Heinrich Wohlmeyer, 9. Juni 2011