Wissenschaftliche Ökologie versus «ideologischer Environmentalismus»

ts. In seinem Buch «Europa?», welchem obenstehender Textauszug entstammt, äussert Prof. Dr. Václav Klaus, seit 2003 Staatspräsident der Tschechischen Republik, Gedanken, die in den heute brandaktuellen Fragen der Energiesicherheit, aber auch der Gesundheitspolitik dringend Gehör finden sollten. Ruft er doch zu nichts weniger auf als zur Abkehr von ideologischer Verblendung und interessengeleiteter Verpolitisierung von Sachfragen und hin zu wissenschaftlich fundiertem Denken in allen Fragen unseres menschlichen Zusammenlebens auf diesem Planeten, wie es einem fortschrittlichen Europa in der Tradition der Aufklärung gut anstünde.
Die Natur zu schützen und für künftige Generationen zu bewahren ist für Václav Klaus heilige Pflicht. Dies muss aber mit Sachverstand, Um- und Weitsicht erfolgen, auf der Grundlage naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und Vorgehensweisen. Heute werde aber die wissenschaftliche Ökologie in den Hintergrund gedrängt durch etwas, was unter «ideologischem Environmentalismus» zu fassen sei; und zwar von Gruppen, die uns wieder in eine Ära des Etatismus und der Beschneidung unserer Freiheit führen wollen.
Durch Erleiden von Umweltangst sollen die Menschen, statt nach wissenschaftlich fundierten Lösungen zu suchen, nach dem starken, diktatorischen Staat rufen: Nacheinander, so zählt Klaus in seinem Buch «Europa?» auf, wurden in den letzten Jahren folgende Katastrophenszenarien an die Wand gemalt: Wer erinnert sich nicht an die Schlagworte wie «Erschöpfung der Ressourcen», «Wasser- und Luftverschmutzung» (für die Schweiz hätte Klaus auch noch das «Waldsterben» anführen können), «Bevölkerungs-Bombe», «Überalterung», «Ozonloch» und schliess­lich «globale Erwärmung»? Grundlage dieser masslosen Übertreibungen und Fehleinschätzungen sei unter anderem ein Malthusianischer Pessimismus und eine Anbindung an Sozialwissenschaften, statt dass die Naturwissenschaften zu Rate gezogen würden. Ziel der hinter diesen Schlagworten stehenden Ideologen sei es, die freie und spontane Entwicklung der Menschheit durch eine globale Planung zu ersetzen. Klaus hält es da mit Professor Richard Lindzen vom Massachu­setts Institute of Technology, der es so formulierte: «Künftige Generationen werden sich verwundert fragen, warum die Industrienationen Anfang des 21. Jahrhunderts wegen eines weltweiten durchschnittlichen Temperaturanstiegs von einigen zehntel Grad in hysterische Panik verfallen sind und warum sie auf Grund krasser Übertreibungen höchst ungewisser Computerprognosen, die in unglaubwürdigen Schlussfolgerungen zusammengefasst wurden, erwogen haben, das Rad des Industriezeitalters zurückzudrehen.»
(Václav Klaus: «Europa?», S. 147)
Klaus fordert uns auf, durch unser persönliches Verhalten auf die Umwelt achtzugeben, statt nur über sie zu reden. Beim Thema globale Erwärmung gehe es nicht um Naturwissenschaften, sondern vielmehr um Sozialwissenschaften, nicht um einige zehntel Grad Celsius Temperaturveränderung, sondern um uns Menschen und unsere Freiheit. Wir sollten uns gegen die Politisierung der Wissenschaft wehren und uns nicht mit katastrophalen Prognosen gegenseitig Angst einjagen, so dass zentralistische Strukturen schliesslich mit Zwang und Gewalt unser Leben von oben her organisieren. Er rät uns, unsere Gesellschaften bescheiden, aber zuversichtlich weiterzuentwickeln. Ein Rat, der ernst genommen gehört – gerade auch nach Fukushima und der stark ideologisierten Atomdebatte, aber auch in der Debatte um gesundheitspolitische Präventionskonzepte, die ebenfalls in etatistischer Manier die Freiheiten der Bürger einschränken.