Jüngere Generation falsch eingeschätzt?

ab. Eine jüngere Generation wächst nach, die unprätentiös und zäh in Ausbildung, Studium und Beruf ihre Sache macht. Sie sind keine Selbstdarsteller, wie es der Traum der alten 68er-Generation war und ist. Sie stellen trocken fest, dass die mittlere Generation sie falsch einschätzt und sich vom Denken der frühen 90er Jahre nicht lösen kann. «Die argumentieren wie Nato-süchtige Junkies», sagt einer von ihnen. «Wir wollen die Schweiz verteidigen können», sagt – nein, nicht Ueli Maurer – sondern eine knapp 30jährige Gymnasiallehrerin, die Militärdienst geleistet hat. «Wir wollen aber nicht, dass uns die mittlere Generation ständig in den Rücken fällt. Wenn unser Einsatz ein bisschen mehr gewürdigt wird (z.B. bei Anstellungsgesprächen oder bei Gesuchen um einen Tag für eine dienstliche Weiterbildung), dann werden wir im Nu die doppelte und dreifache Anzahl sein.» Sie ist eine von denen, die auch kein Problem mit unruhigen Schulklassen hat. «Man muss nur ein bisschen führen können», sagt sie, «dann machen die gerne mit. Die meisten sind unterfordert und fühlen sich als junger Bürger nicht ernst genommen.» Auf die Frage, ob sie in der Familie ein Vorbild hatte für diese Lebenseinstellung, sagt sie: «Ja, das auch. Aber ich habe auch die Jugend-Leiter-Ausbildung im Turnverein gemacht. Andere machen das in den kirchlichen Jugendverbänden, bei den Samaritern, der Jugend-Feuerwehr oder ähnlichem. So lernt man früh, gemeinsame Aufgaben sinnvoll zu lösen und verblödelt nicht die Pubertätsjahre. Ich würde das allen empfehlen. Aber auch da bräuchte es nur ein klein wenig Unterstützung und Mittun der mittleren und älteren Generation, und dann blüht das rasch auf.» Vielleicht sollten wir den Konstruktiven unter der Jugend öfters einmal genau zuhören und mitdenken, anstatt immer nur auf der Seite der Fehlerhaften defizit-orientiert mit Scharen von Helfern und Unterstützern beizuspringen. Das würde eine andere Richtung in der gesellschaftlichen Entwicklung stärken – gleichsam Zug auf der positiven Seite. Daran könnten sich dann auch die Unsicheren als Peergroup anders orientieren. Und wie man die wirklich Schwächeren mitnimmt, sollte beim heutigen integrierten Schulunterricht schon von Beginn der Primarschule an leicht zu vermitteln sein.