«Offen und ehrlich auf die anderen Menschen zugehen»

Was ein mit Land und Leuten verbundener Mensch alles bewirken kann

Interview mit Caspar Walker, Urner alt Landrat und ehemaliger Gemeindepräsident von Gurtnellen

Wer sich in Deutschland mit dem Gedanken befasst, mehr direkte Demokratie einzuführen, dem ist der folgende Artikel zu sorgfältigem Lesen und genaueren Nachdenken sehr zu empfehlen. Dieser, wie unzählige andere Abläufe machen deutlich, wieviel es braucht, um für die neue Staatsform «fit» zu werden.

Caspar Walker war 16 Jahre Landrat im Kanton Uri und 15 Jahre Gemeinderat in Gurtnellen, davon 4 Jahre als Gemeindepräsident. Vor seiner Amtszeit, während und danach hat er sich für die Belange der Gemeinde und ihrer Bewohner eingesetzt. So war er in verschiedenen Kommissionen tätig, war Präsident oder Vorstandsmitglied verschiedener Vereine, hat sich um die Wasserversorgung, um Lawinenverbauungen und nicht zuletzt um das neue Schulhaus seiner Gemeinde gekümmert. Er war Präsident der Baukommission und Präsident der Stiftung, die das Schulhaus gebaut und für die Finanzierung gesorgt hat. Walkers jüngster Erfolg war der Kampf gegen den Naturpark Urschweiz. «Wir leben in einem Naturpark, wir müssen keinen mehr kreieren», sagt er. Die ganze Schweiz ist ein Naturpark. Er wehrt sich dagegen, die eigene Gemeinde zu vermarkten. «Zeit-Fragen» hat Caspar Walker in seinem Restaurant «Feld» in Gurtnellen-Feld getroffen.

Zeit-Fragen: Herr Walker, das neue Schulhaus in Gurtnellen steht heute leer. Warum?

Caspar Walker: Gurtnellen hatte zwei Schulhäuser, und eines davon war baufällig. Dann haben wir uns zusammengesetzt und beschlossen, wir wollen keine Schulfusion, sondern die Kinder sollen dort zur Schule gehen können, wo sie aufwachsen. Wir gründeten eine Stiftung, und diese sammelte dann Geld, um das alte Schulhaus durch ein neues zu ersetzen. Das Schulhaus kam zustande, und wir konnten es dann bald einweihen. Nachdem das Gebäude fertig war, hat die Stiftung das Haus der Gemeinde geschenkt.
Musste die Gemeinde dafür etwas bezahlen?
Nein, das war eine legendäre Gemeindeversammlung, als wir das Schulhaus übergeben haben. Ich habe damals dem Gemeindepräsidenten gesagt, ich gebe ihm noch einen Franken dazu, damit er es in der Abrechnung der Gemeinde aktivieren kann.
Und wie wurde das Schulhaus finanziert?
Zum einen durch Bund und Kanton und zum andern mit finanzieller Unterstützung aus der ganzen Schweiz. Zum Beispiel haben einige Gemeinden aus der ganzen Schweiz sowie Private uns finanziell unter die Arme gegriffen. Es gab einige Sponsoren. Das lief damals alles über die Schweizer Berghilfe und kam von dort direkt zu uns. Wir konnten das Schulhaus also schuldenfrei übergeben, und der Schulbetrieb begann. Hier funktionierte der Finanzausgleich auf freiwilliger Basis bestens.
Heute steht ein Teil des schönen Gebäudes leider leer. Gibt es keine Schüler mehr in Ihrer Gemeinde?
Doch, aber nach etwa 10 –12 Jahren kamen  neue Leute ans Ruder, die der Auffassung waren, eine Fusion sei doch «modern» und so «kostengünstig». Obwohl wir in unserem Kreis Gurtnellen Dorf 40 –50 Kinder haben, wurde die Fusion durchgeführt und das Schulhaus stillgelegt. Wir müssen jetzt am Morgen und am Nachmittag dreimal mit dem Bus unsere Kinder in die umliegenden Gemeinden «exportieren».
Welche Gemeinden haben fusioniert?
Die Schulgemeinden von Göschenen, Gurtnellen und Wassen haben fusioniert, das ist ja «modern» heute, da springt man auf. Man hat der Bevölkerung weisgemacht, es koste 200 000 weniger im Jahr. Tatsächlich kostet es 200 000 mehr. Das ist ein Unterschied von 400 000 Franken.
Was geschieht jetzt mit dem Schulhaus?
Der Gemeinderat hat eine Kommission eingesetzt, und die Kommission und der Gemeinderat kamen zum Schluss, dass man die Schulräume aufgibt und Wohnungen daraus macht. Aber wir von der Stiftung und noch zwei, drei weitere Interessenten haben sofort gesagt, das kann es nicht sein, dass man so etwas aufgibt, eine halbe Million investiert und dazu mit 28 000 Franken jährlich aus der Gemeindekasse die Wohnungen noch subventionieren möchte, da man die Wohnungen, nach Ausfassung des Gemeinderats, nicht selbsttragend vermieten könne und so das Haus leerstehe. Und man wäre bereit gewesen, 28 000 Franken aus der Gemeindekasse zu nehmen. Wir haben uns also zusammengetan mit Leuten, die Interesse an einer gewerblichen Nutzung hatten, und einen Verein gegründet, der die Trägerschaft für das leerstehende Schulhaus übernimmt. Ich habe das noch zwei, drei Kollegen aus dem Zürcher Oberland erzählt, und sie wollten sich etwas dazu überlegen. Kurz bevor die Frist abgelaufen war, haben wir in der Gemeinde ein Gesuch eingereicht und gesagt, wir übernähmen das für gewerbliche Nutzung.
Es kam dann vor die Gemeindeversammlung. Der Gemeinderat schlug den Umbau für Wohnungen vor, und ich habe den Antrag auf Vermietung für gewerbliche Nutzung gestellt. Die Mehrheit der Bevölkerung folgte meinem Antrag. Wir mussten dann trotz allem noch bauliche Anpassungen vornehmen, was einiges Geld gekostet hat. Das haben wir investiert.
Jetzt ist es bereit, aber es fehlen uns noch die Nutzer. Das braucht eine gewisse Anlaufzeit. Man kann die Interessenten nicht einfach aus dem Boden stampfen. Was wir bräuchten, wären gute Ideen und eventuell auch Sponsoren, die uns helfen, das bekanntzumachen, damit das Haus sinnvoll genutzt werden kann.
Was für Möglichkeiten bietet die Umgebung, was könnte man alles hier unternehmen?
Wir hatten zwischen Weihnachten und Neujahr einen Skiclub aus Genf einquartiert, und alle waren hell begeistert. Sie konnten hier alles machen. Skifahren, Eisklettern, Langlaufen und Freeriding, sie konnten alles durchführen, was in der Umgebung möglich ist.
Das ist aber nur ein Beispiel. Ich sehe das Haus vor allem für alle Arten von Vereinen. Vom Pilzverein über Wandervereine, Schulen, Pfadi, Jungwacht, alles, was in Gruppen unterwegs ist, hat dort die Möglichkeit, sich einzurichten, sich zu verpflegen, die Freizeit zu gestalten und die Hobbys zu pflegen. Es gibt sehr viele Sorten von Pilzen und Beeren, es gibt eine aussergewöhnliche Flora und Fauna, wir haben herrliche Wanderwege, die die Herzen höher schlagen lassen. Man findet alles, was man an vielen anderen Orten so nicht findet.
Wäre es eigentlich eine Option, die Fusion wieder rückgängig zu machen?
Im Moment sicher nicht. Der Kanton möchte die Schulgemeinden noch grösser fassen und die Schüler aus Göschenen nach Andermatt schicken und die aus Wassen und Gurtnellen nach Silenen, aber da wird sicher noch einiges Wasser die Reuss hinunterlaufen, bis das soweit ist.
Gibt es denn eine Abwanderung der Bevölkerung, oder was ist der Handlungsgrund für die Fusion der Schulgemeinde?
Nein, die Einwohnerzahlen stagnieren. Es gibt eine gewisse Überalterung, vor allem im unteren Dorfteil, und man müsste den Ausbaustandard der teilweise sehr alten Häuser etwas verbessern, sonst bekommt man keine Jungen in die Gemeinde. Es muss kein hoher Standard sein, sondern ein zeitgemässer Ausbau. Es hat ein paar Häuser, die man renoviert hat und die heute vermietet sind.
Wie sieht es mit Arbeitsmöglichkeiten rund um die Gemeinde aus?
In den letzten zehn Jahren hatten wir Bauunternehmen und Steinsägereien, die Konkurs machten. Und das waren in dem Bereich insgesamt 35 Arbeitsplätze, die uns verlorengegangen sind. Man muss immer die Augen offenhalten und beobachten, was so rundherum geschieht. Dabei fiel mir auf, dass man in den letzten 10 bis 20 Jahren bei Bachverbauungen oder beim Strassenbau immer mehr vom Beton wegkommt und wieder mehr Stein verwendet. Das Natürlichste, was wir haben, was uns zur Verfügung steht, wird vermehrt eingesetzt. Die Gemeinde Gurtnellen hat in den besten Zeiten noch 1600 Einwohner gezählt, und ein grosser Anteil der Bevölkerung hat in den 7 Steinbrüchen gearbeitet und hier sein Auskommen gehabt.
Wie viele Einwohner leben heute in Gurtnellen?
Knapp 700 wohnen hier.
Wann begann die Abwanderung?
Im Zeitalter des Betons. Als der Beton im Bahn- und Strassenbau aufkam. Den Stein wollte niemand mehr. Beim letzten Steinbruch kam noch die Autobahn dazu. Diese hat den Steinbruch durchschnitten, und dieser wurde dann aufgegeben. Seither steht alles still. Das begann in den 50er Jahren und kam in den 80ern zu einem Stillstand.
Mit dem Einstellen der Steinbrüche sind die Menschen langsam abgewandert.
Ja, genau, sie konnten keine Arbeit mehr finden und mussten sich neue Stellen suchen. Ein Teil war noch bei der Bahn und beim Elektrizitätswerk angestellt. Zwei Kraftwerke stehen auf Gurtneller Boden, und zwei weitere kleine sind in den letzten Jahren dazugekommen. Das ist natürlich sehr lukrativ für die Gemeinde. Ja, auch die Berglandwirtschaft steht auf gesunden Füssen, werden da doch immer noch vier Genossenschaftsalpen bestossen. Somit ist auch zum grossen Teil die Erhaltung und Pflege der Bergwelt gesichert, Wege und Stege für Touristen und Wanderer, und das fast unentgeltlich.
Ich habe auf der anderen Seite vom Dorf einen Steinbruch gesehen. Ist der neu?
Die Gemeinde Wassen hat ein Projekt aufgestellt mit Steinabbau. Die Gemeindeversammlung hat aber die Umzonung in Wassen abgelehnt. Am nächsten Tag rief ich den Ingenieur, der das Projekt lanciert hatte, an und sagte ihm, er solle nach Gurtnellen kommen, wir hätten dort genug Steine. In Silenen war eine grosse Deponie geplant, die die Gemeinde abgelehnt hatte. Ich habe den Regierungsrat angerufen und gesagt: Ihr könnt uns das Material bringen, wenn ihr uns den Steinbruch bewilligt. Wir füllen auf, was wir herausnehmen dürfen. Ich bekam die mündliche Zusage, aber es dauerte doch zwei Jahre, bis die Bewilligung da war. Jetzt darf dort sauberes Material, sogenannte «Inertstoffe», gelagert werden, das heisst saubere Erde, Humus, keine Bauabbrüche. Und wir können jetzt den Granit herausnehmen. Bei uns hat es jetzt einen Haufen Steine zu vergeben. Die liefern wir natürlich gerne in die ganze Schweiz, für den Gartenbau sowie Bachverbauungen, Strassenbau usw.
Es braucht also einen ziemlichen Einsatz und eine grosse Umsicht, um so etwas zu erreichen.
Mir persönlich haben diese Arbeitsplätze gefehlt, die bei den Konkursen verlorengegangen sind. So haben wir versucht, andere Arbeitsplätze zu schaffen. Das war jetzt eine Möglichkeit. Wir hätten natürlich gerne mehr erreicht. So hätten wir 15 bis 20 Arbeitsplätze schaffen können. Wir wollten wieder eine Steinsägerei aufbauen, aber dazu müssten wir mehr Steine abbauen können, sonst lohnt sich das einfach nicht. So gibt es aber immerhin 3– 4 neue Arbeitsplätze im Dorf.
Ein weiteres grosses Projekt, das Sie geleitet haben, war der Ausbau der Wasserversorgung. Wie ging das?
Wir haben eine Genossenschaft gegründet, um so eine möglichst grosse Unterstützung zu erhalten. Es mussten 25 Kilometer Leitungen gelegt werden für 31 Familien, um 31 Häuser mit Wasser zu versorgen. Das ist enorm. Das Ganze hat 4,5 Millionen Franken gekostet. Das ging nur durch grosse Unterstützung und viele freiwillige Helfer.
Wo kamen die Freiwilligen her? Wie muss man sich das vorstellen?
Natürlich aus der Gemeinde oder von umliegenden Kantonen. Aber es kamen auch Auswärtige. Wir haben ein Barackenlager gebaut, das hat 10 –12 Jahre bestanden. Wir hatten sogar Holländer oder auch Deutsche und Franzosen, die uns geholfen haben. Und wir haben ab und zu Besuch von Menschen, die als junge Leute dort mitgeholfen haben, die wissen wollen, wie das jetzt aussieht. Das ist sehr eindrücklich. Wir haben das in den 80er Jahren begonnen, und heute ist es abgeschlossen. Die Gemeinde hat keinen Beitrag leisten müssen. Auch die Genossenschaft kann neben den Betriebskosten für die laufenden Wartungsarbeiten und Reparaturen ein bisschen auf die Seite legen.
Wie funktioniert die Wasserversorgung? Muss das Wasser aufbereitet werden?
Nein, nein. Wir haben Quellwasser, und das wird gefasst. Das ist von hervorragender Qualität. Das kann man direkt von der Quelle trinken. Es sind 5 Quellen, die man fassen musste. Es bestehen 3 Reservoire und 12 Schächte, um den Wasserdruck zu brechen. Meine Idee war es damals schon, das Wasser auch noch zu turbinieren. Zu der Zeit war das eine absurde Idee, Trinkwasser auch noch gleichzeitig für die Stromgewinnung zu nutzen. Was aber grossartig gewesen wäre, da sich die Quellen auf 1300 m ü.M. befanden und die tiefstgelegenen Heimwesen auf 700 m ü.M. Die grosse Arbeit war natürlich, die kilometerlangen Leitungen zu verlegen.
Sie erwähnten vorhin Sponsoren. Wie geht das?
Dazu gibt es folgende Geschichte: Als die Planung, die schon jahrelang in der Schublade lag, mit einem Bericht in der Schweizer Illustrierten vorgestellt wurde, meldete sich ein ehemaliger Gurtneller Bürger namens Hugo Honegger, der früher hier eine Karbid-Fabrik hatte, bei mir mit dem Anliegen, einen Beitrag an die Wasserversorgung zu leisten, er habe auch mal hier gewohnt. Als ich ihn dann fragte, an welchen Betrag er denke, gab er mir zur Antwort, 1,2 bis 1,3 Millionen. Ich war völlig perplex und musste mich erst einmal setzen und bat ihn, das noch einmal zu wiederholen. Er sagte dann, dass das alles Wertpapiere seien, die demnächst fällig würden, und die wolle er uns schenken. Damit stand die Finanzierung schon fast.
Was waren seine Beweggründe für dieses grosszügige Geschenk?
Das ist noch eine spezielle Sache: Zum einen war er Bürger von Gurtnellen und zum andern hat er hier die Karbid- und eine Korkfabrik geführt. In dieser hat es einige Male gebrannt, und von der Produktion her gab es immer Geruchsemissionen. Die Gurtneller wollten die Fabrik hier eigentlich nicht. Daraufhin ist er mit seiner Fabrik nach Steinhausen ins Zugerland abgewandert und hat dort grossen Erfolg gehabt. Doch auch einige einheimische Arbeiter zogen mit dem Unternehmer ins neue Domizil. Und obwohl ihm die Gurtneller das Leben schwergemacht haben, hat er an uns gedacht, was sicher nicht selbstverständlich ist.
Damit stand die Finanzierung praktisch schon. Die Gemeinde hat etwas daran gegeben, der Kanton ebenfalls, und den Rest hat die Genossenschaft getragen – und nicht zu vergessen die viele Freiwilligenarbeit.
Wie ist es heute organisiert?
Wir sind immer noch eine Genossenschaft, die Wasserversorgung ist in unserer Hand.
Wenn ich so die Berge rund um Gurtnellen betrachte und die vielen Lawinenverbauungen anschaue und weiss, dass Sie dreissig Jahre in der Lawinenrettung tätig waren und dabei manchem das Leben gerettet haben, frage ich mich natürlich, ob Sie auch etwas mit diesen Verbauungen zu tun haben.
Ja, ich bin Präsident der Baukommission. Ich bin natürlich nicht von Anfang an dabeigewesen. Die Lawinenverbauungen gibt es schon seit über 50 Jahren. In den 90er Jahren waren die ersten zwei, drei grossen Projekte abgeschlossen, und es war klar, dass das nicht reicht und dass es noch mehr braucht. Es gibt immer etwas zu verbessern. Aber der Kredit war aufgebraucht, und man wollte noch weitere Verbauungen machen. Für ein Projekt in der Grössenordnung von 8 Millionen Franken braucht es bei uns eine kantonale Volksabstimmung. Der Lawinenwinter 1999, so absurd es auch tönen mag, kam uns hierbei zu Hilfe. Es gab eine Lawine, die sehr nahe am Dorf vorbeiging und auch die Wasserversorgung der Gemeinde und die Strasse verschüttete. Wie durch ein Wunder gab es keine Toten. Ein paar Ställe wurden zerstört, wir hatten Glück. Man hat mich danach zum Baukommissionspräsidenten gewählt, und ich bin an die Öffentlichkeit gegangen, damit wir Unterstützung für einen weiteren Ausbau der Verbauungen bekommen. Es sollte eine kantonale Abstimmung geben. Wir konnten in den Zeitungen das Projekt vorstellen. Jeder hat mitgeholfen, einen guten Text zu verfassen, und die Bevölkerung hat das überzeugt. Das Ergebnis der Abstimmung war historisch: 91 Prozent stimmten dem Kredit zu. Durch die Zeitungsberichte und unseren Einsatz haben wir dieses Resultat erreicht. So konnten wir die Verbauungen weiter ausbauen. Zum 50-Jahr-Jubiläum erschien ein kleines Buch mit dem Titel «Ein Berg schreibt Geschichte», und ein spezieller Themenweg wurde angelegt und beschildert. 50 Jahre Lawinenverbauung.
Sie haben immer wieder Dinge an die Hand genommen und konnten diese auch zu einem erfolgreichen Abschluss bringen. Was ist Ihr Erfolgsrezept, wenn man das so überhaupt sagen kann?
Man muss sich für die Dinge einsetzen, sonst geht alles verloren. Das ist manchmal hart, aber ich habe mir in solchen Situationen gesagt: Widerstand gibt Kraft. Man muss sich mit den Menschen zusammensetzen und die anstehenden Probleme gemeinsam lösen, wir schauen uns die Dinge gemeinsam an. Und noch etwas ist wichtig. Man kann solche Projekte nicht alleine bewerkstelligen, man braucht immer Menschen, die mithelfen, sonst geht so etwas nicht. Unser demokratisches System hat uns diese Aufgabe gestellt, und wir müssen sie ausfüllen. Die Verantwortung übernehmen und die Dinge zusammen mit den anderen Bürgern angehen. Wir müssen mehr miteinander reden, das ist der Schlüssel zum Erfolg. Die Zeiten werden nicht besser, wir müssen zusammenrücken und miteinander sprechen. «Mit vereinten Streichen fällt man die schwersten Eichen.» Wenn man offen und ehrlich auf die anderen Menschen zugeht, dann findet man immer Gleichgesinnte. Wenn mich einer anlügt, ist das Vertrauen zerstört, was soll man dann mit diesem Menschen noch anfangen?
Neben den menschlichen Kontakten ist es in der heutigen Zeit wichtig, auch unseren Boden zu hegen und zu pflegen. Wir müssen uns um unser Land kümmern. Wir hier auf dem Land haben alles, was wir brauchen. Die Städter warten 5 Tage in der Woche, damit sie die Natur erleben können, wie wir es jeden Tag haben. Das ist doch ein riesiges Kapital, das wir unbedingt schützen müssen. Wir leben in einem Naturpark, wir müssen keinen mehr kreieren.
Caspar Walker, ganz herzlichen Dank für das offene Gespräch.    •