«Als Demokrat bin ich nicht für brutale Homogenisierung dieser Länder»

Ein Interview mit Václav Klaus, Präsident der Tschechischen Republik

Austria Presse Agentur: Fühlen Sie sich durch die zunehmenden Schwierigkeiten des Euro in ihrer langjährigen Kritik an dem Integrationsmodell der EU bestätigt? Haben Sie eine pragmatische Lösung in bezug auf den Euro (z.B. Vereinheitlichung der Staatsfinanzierung/Eurobonds, kleinere Währungsunion), oder hilft da nur ein grundsätzlicher Richtungswechsel «zurück zu den alten Währungen» bzw. «weg von der Zentralisierung»?

Václav Klaus: Auf der einen Seite fühle ich mich «bestätigt» (wie Sie sagen), aber ich wusste es. Die heutige Entwicklung in ­Europa ist für mich keine Überraschung. Dieses Experiment (die Einführung einer Währung für 17 verschiedene Länder war ein Experiment) musste so ausgehen, wie wir heute sehen. Auf der anderen Seite bin ich davon nicht begeistert, weil ich – so wie Millionen von anderen Europäern – auch ein Opfer dieses Experiments bin. Es ist ohne Zweifel, dass die Kosten dieses Experiments sehr hoch sein werden und schon heute sehr hoch sind.
Die pragmatischste Lösung ist immer, in allen Fällen, die Lösung, die auf die tiefsten Gründe des Problems zielt. Der Grund für das heutige Problem ist die enorme Heterogenität der Länder, die sich in der Zwangsjacke einer Währung befinden. Die Heterogenität kann man entweder durch die Verminderung der Zahl der Länder beseitigen, die an diesem Experiment teilnehmen, oder durch die brutale Homogenisierung dieser Länder. Als Demokrat bin ich für die erste Variante.

Tschechien hat sich 2004 grundsätzlich verpflichtet, der Währungsunion beizutreten. Ist der Euro heute aber noch attraktiv für Tschechien bzw. für dessen Bürger? Vielleicht wollen Sie das auch allgemeiner beantworten – ist der Euro für die Beitrittsländer von 2004 (die noch nicht dabei sind) attraktiv?

Die tschechische Verpflichtung zum Euro von 2004 wurde zum Glück ohne irgendwelche bindende Fristen gemacht. Das gibt uns Zeit zum Nachdenken. Heute – und das ist nicht nur meine Position, sondern auch die Position der tschechischen Regierung und, was am wichtigsten ist, der überwiegenden Mehrheit der tschechischen Bürger – ist unser Beitritt zum Euro bei uns kein Thema. Was die anderen «neuen» Beitrittsländer betrifft, möchte ich nicht im Namen von diesen Ländern sprechen. Jedes Land wird seine eigene Entscheidung treffen.    •

Quelle: Internetseite des Präsidenten der Tschechischen Republik, www.klaus.cz/clanky/20909 , vom 23.8.2011