«Wenn jeder auf seinem Platz das Beste tut, wird es in der Welt bald besser aussehen»

Interview mit Markus Hausammann, Präsident des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft

zf. Eine gesunde und gut funktionierende Landwirtschaft ist für die Schweiz von grosser Wichtigkeit. Die Qualität der Schweizer Produkte hat einen hohen Standard erreicht. Dieses Know-how wird in der Entwicklungszusammenarbeit sehr geschätzt und gibt unserm Land die Möglichkeit, sein über Jahrhunderte entstandenes Wissen weiterzugeben. Was eine gute Landwirtschaft ausmacht und welche Bedeutung die Familie dabei hat, erklärt in folgendem Interview der Präsident des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft, Markus Hausammann.

Zeit-Fragen: Die Thurgauer Landwirtschaft ist sehr erstarkt. Hat die gute Ausbildung der jungen Landwirte dazu so viel beigetragen oder welche anderen Faktoren auch noch?

Markus Hausammann: Die jungen Landwirte und Landwirtinnen dürfen im Thurgau eine moderne und weitsichtige Ausbildung geniessen. Die Lehrmeister, der Verband Thurgauer Landwirtschaft und das BBZ Arenenberg ziehen dabei am gleichen Strick. Bestehende leistungsfähige Betriebe sind Vorbilder für Betriebsentwicklungen und die Jungbauern und Jungbäuerinnen dürfen dabei auf eine fortschrittliche Beratung zählen. Dass auch einige grössere Verarbeitungs- und Handelsbetriebe im Thurgau sesshaft sind, gibt gegenseitig positive Impulse.

Welche Bedeutung messen Sie der Familie und dem guten Verhältnis innerhalb dieser Grundeinheit unserer Gesellschaft bei?

Für die nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft ist es zentral, dass das einzelne Individuum in seinem engsten sozialen Umfeld gut aufgehoben ist. Ein intaktes Familienleben bietet dafür beste Voraussetzungen, ist aber auch etwas, woran stetig gearbeitet werden muss.

Wie könnte man heute die junge Generation allgemein wieder stärken? Wäre zum Beispiel so etwas wie ein freiwilliger Landdienst für einen konstruktiven Teil der Jungen denkbar? Damit würden sie Grundlagen bekommen für spätere Hilfe in Entwicklungsländern und würden Ökologie und Tierwohl nicht nur aus dem Theorie-Computer kennen.

Agriviva bietet den freiwilligen Landdienst für Jugendliche von 14 bis 25 Jahren bereits an. Jährlich nehmen etwa 2500 junge Menschen dieses interessante Angebot wahr. Früher war dieser Einsatz für Mittelschüler sogar obligatorisch, was einen gewissen Multiplikatoreffekt hatte. Sicher ist eine Teilnahme für Jugendliche heute empfehlenswerter denn je, damit niemand mehr vor dem Warenhaus wartet, bis das Huhn sein Ei legen kommt. Mehr unter: www.agriviva.ch

Wie kann das Verhältnis von landwirtschaftlicher und urbaner Bevölkerung wieder verbessert werden, nachdem die Medien in den letzten Jahren diesbezüglich grossen Schaden angerichtet haben?

Ich glaube, der Schaden hält sich in Grenzen. Nach wie vor darf unser Bauernstand von der übrigen Gesellschaft auf grosse Wertschätzung und Respekt gegenüber seinen erbrachten Leistungen zählen. Das kommt nicht von ungefähr. Mit unserer hohen Produktivität versorgen wir die Bevölkerung nicht nur weitreichend mit hochwertigen und sicheren Lebensmitteln, sondern wir erhalten damit auch Tausende Arbeitsplätze im vor- und nachgelagerten Bereich. Auch unsere Anstrengungen im ökologischen Bereich werden positiv wahrgenommen.

Müssen wir nicht wieder ein Bewusstsein legen, dass wir alle Bürger und Bewohner eines Landes sind, unserer Schweiz, Bürger eines Kantons und einer Gemeinde und nicht nur Produzenten und Konsumenten? Das würde heissen, den Dialog wieder mehr auf der Ebene führen, wo sich alle auch als Persönlichkeiten ernstgenommen fühlen?

Doch sicher! Das aktuelle Beispiel des hohen Schweizerfrankens zeigt, dass wir bei unserem Denken und Handeln oft nicht über die eigene Nasenspitze hinaussehen. Mit der nahezu höchsten Kaufkraft weltweit lassen wir die einheimische Produktion und Fertigung auf ihren Gütern sitzen und decken unseren Bedarf über der Grenze ein. Dabei sind wir uns nicht bewusst, dass wir am eigenen Ast sägen, auf dem wir sitzen, und welchen binnenwirtschaftlichen Schaden wir anrichten. Wenn dann der Arbeitsplatz wackelt, kommt das grosse Erwachen.

Wo wäre nach Ihrer Ansicht das Schwergewicht zu legen? Sie sind im Frühsommer einstimmig zum Präsidenten des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft gewählt worden.

In der Aufklärung und Information. Darin ist man aber nur glaubwürdig, wenn man sich selber korrekt und vorbildlich verhält. Adolph Kolping hat im vorletzten Jahrhundert schon gesagt: «Wenn jeder auf seinem Platz das Beste tut, wird es in der Welt bald besser aussehen.»

Vielen Dank für das Gespräch.