Die Bauern wollen «produzierende Landwirtschaft» betreiben

Interview mit Bruno Dauwalder, Beatenberg

Zeit-Fragen: Beatenberg wird am 3. Dezember zum zweiten Mal über den Naturpark Thunersee-Hohgant abstimmen. Wie ist die Stimmung in der Bevölkerung?

Bruno Dauwalder: Der Gemeinderat lehnt in seiner Botschaft den Parkbeitritt ab. Das ist für uns Gegner einfacher, wenn der Gemeinderat schon auf unserer Seite ist.

War das bei der ersten Abstimmung nicht so?

Nein, damals war die Präsidentin des Parkvereins, Frau Moser, noch gleichzeitig unsere Gemeindepräsidentin – in Personalunion.

Dann kommt der Wunsch nach einem Naturpark also nicht von der Bevölkerung?

Nein, von einer kleinen Splittergruppe kam das. Damals wussten die Leute noch nicht, dass der Naturpark Einschränkungen mit sich bringen kann. An der Gemeindeversammlung war ich der einzige Gegenvotant gegen den Park. Das «hät wüescht über mi abegrägnet».

Das kann ich mir lebhaft vorstellen. – Sie rechnen also mit konkreten Einschränkungen durch den Naturpark?

Pro Natura macht grossen Druck, es gibt auch Zeitungsartikel dazu. Ich sage dem «Extremnaturschutz». Wir sind alle Naturschützer in unserem Gebiet, sonst wäre die Natur nicht so gut erhalten.

Wir sind gestern durch das Gebiet ob dem Thunersee gefahren, das ist so eine schöne, gepflegte Landschaft.

Der «Extremnaturschutz», den Pro Natura ausübt – vor dem haben wir Angst.

Was will Pro Natura denn zum Beispiel für Einschränkungen durchsetzen?
Sie schreiben, der Naturschutz komme zu kurz, und sie wollen Auflagen für die Bewirtschafter und Grundeigentümer machen. Langsam gehen uns die Personalressourcen für die Landschaftspflege aus, da können wir nicht immer noch mehr Erschwerungen brauchen.

Und die Bauern sind ja nicht nur Landschaftspfleger.

Nein, natürlich nicht! Sie wollen schliess­lich auch noch produzieren können. – Was ich persönlich noch befürchte, ist, dass ein Grossteil der «grossen öffentlichen Beiträge», die versprochen werden, in den Büros verbraucht werden. Mindestens in der Anfangsphase ist das so. Die Büros sahnen ab.

Nicht nur in der Anfangsphase, ist zu befürchten. Wie viele Stellenprozente sind in der Parkleitungszentrale Thunersee-Hohgant geplant?

Das wird gar nicht genau verraten, aber ich habe gehört, dass es mindestens 150 Stellenprozente wären, das kostet einiges mit allem, was dazukommt. – Was bei uns übrigens im Gespräch ist, sind Windpärke. Alle sind jetzt gegen Atomkraftwerke (ich persönlich nicht), aber man muss Alternativen anbieten.

Welche konkreten Befürchtungen haben Sie als Grundeigentümer?

Ich bin Präsident einer grösseren Korporation, wir besitzen eine grosse Alp und auch Wald. Je mehr uns dreingeredet wird, desto schwieriger wird es für uns. Gerade mit den Auflagen bei der Waldpflege sind wir heute schon am Limit mit den Kosten. Wenn das Produkt nichts mehr wert ist, können wir kaum den Forstbetrieb decken. Früher war der Wald für viele Korporationen der Brotkorb.

Wie sehen Sie die Stimmung vor der zweiten Abstimmung in der Bevölkerung?

Es hat schon eine Kehrtwendung gegeben, vor allem von der bäuerlichen Seite her. Die Ablehnung unserer beiden grossen Nachbargemeinden Habkern und Sigriswil – zum Glück – hat in unserem Dorf schon einen Niederschlag. Und natürlich ist jetzt die Einheit nicht mehr gewährleistet. Habkern und Sigriswil waren eigentlich für die Gemeinde Beatenberg die Lungenflügel, die markanten grossen Gemeinden, zu denen auch wichtige Beziehungen bestehen. Ohne sie kann der Park gar keine Einheit mehr geben. Die Karte ist ein Flickwerk geworden.    •