Gefährlichste Feindmöglichkeit: Wirtschaftskrieg

Eine bankrotte EU will die Schweiz erpressen

von Dr. sc. techn. Franz Betschon, Oberst i Gst aD

Im ersten Teil des Schwarzbuchs der Gruppe Giardino, den «Zeit-Fragen» in der Ausgabe 21 vom 23. Mai 2011 vollständig veröffentlicht hatte (siehe dazu auch untenstehenden Kasten), wird der Wirtschaftskrieg erwähnt, der auf die Schweiz überschwappen könnte.

In der Weltwoche Nr. 42/2011, S. 60ff. wird ein Interview mit dem ehemaligen Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank (SNB) J.-P. Roth veröffentlicht. Nun ist gerade in den vergangenen Tagen auch ein (weiterer) EU-Gipfel mühsam zu Ende gebracht worden, der als Durchbruch gefeiert wird. Sicher hat die deutsche Bundeskanzlerin recht, wenn sie ein Scheitern der Währungsunion mit einem Scheitern Europas gleichsetzt und damit als grosse Gefahr für den Frieden ausmacht.
Mehrere Wochen nach dem Interview mit Roth, das vor ein paar Wochen veröffentlicht wurde, ist die Entwicklung schon wieder grosse Schritte weitergekommen. Heulen und Zähneklappern herrscht unter den EU-Verantwortlichen, und sicher sind alle EU-Mitglieder daran, auch das Unmögliche anzudenken und sich zu fragen, wo zum Teufel sonst noch Geld herkommen könnte? Roth sagte unter anderem:
•    «Die Politiker wollen die Wahrheit nicht hören» (könnte auch für die schweizerische Sicherheitspolitik gelten!).
•    «Wir werden in den nächsten Jahren sehr stark den Drohungen der EU ausgesetzt sein. Die EU besteht aus 350 Millionen Bürgern, wir haben bloss 7 Millionen und wir sind zudem in der Mitte des EU-Gebildes. Weil wir relativ stark sind, ist es klar, dass die anderen versuchen werden, an unser Geld zu kommen. Wir sind nicht beliebt. Das ist die Realität.»
•    Dies ist, was Konrad Hummler schon vor dreieinhalb Jahren den «Kampf ums Eingemachte» nannte (Schwarzbuch, erster Teil, S. 7).
•    «Realität ist, dass der Protektionismus zunimmt und damit die Diskriminierung der Schweiz.» (Man könnte dies auch das «Faustrecht» nennen.)
•    «Wir sind klein. Drohungen und Druck werden zunehmen, damit werden wir also weiter leben müssen. Je stärker die finanziellen Probleme unserer Nachbarn sind, desto höher wird der Druck sein.» (Und diese Probleme werden zur Selbststrangulation führen, wenn nicht noch ein Wunder passiert.)
•    Dass Deutschland und Grossbritannien mit der Schweiz die Abgeltungssteuer beschlossen haben, ein bilaterales Abkommen also, «ist für mich ein Zeichen, dass sie dringend Geld sehen wollen». […] «Auch die Amerikaner wollen Geld sehen.»
Das sind keine finsteren Prophezeiungen, wie es die Prognosen von Giardino noch vor einem Jahr waren (damals entstand das Schwarzbuch, erster Teil). Sie können von jedermann eigenständig in der Tagespresse nachgelesen werden. Sie werden, wie üblich, demnächst von irgendwem vom VBS als Resultat eigener Lagebeurteilungen wiederholt werden. Deshalb sei noch eins draufgesetzt. Was genau in Brüssel am 26. Oktober sonst noch beschlossen wurde, wissen wir noch nicht. Vermutung: Es ist ein Brief an die Schweiz in der Schlussredaktion, in welchem folgendes steht:
«Die EU anerkennt die Souveränität der Schweiz vollumfänglich. Trotzdem geht sie davon aus, dass sich die Schweiz freiwillig an der Rettung Europas mit einem Beitrag von 100 Milliarden Euro beteiligt. Es liegt im Ermessen der schweizerischen Regierung, ob sie diesen Betrag in bar an die EZB einzahlen will oder ob sie für denselben Betrag Bankbürgschaften stellt. Die EU weiss, dass die schweizerische Regierung in der Lage ist, einen solchen Entscheid in eigener Kompetenz und kurzfristig zu fällen, wie sie dies im Falle der UBS am 15. Oktober 2009 kurzfristig tun konnte.»
Lagebeurteilung: Unsere Regierung wird die Öffentlichkeit nicht darüber informieren, dass dieser Brief gleichzeitig begleitet ist von massiven Drohungen im Falle einer Zuwiderhandlung. Sie wird den Vorgang als normalen zwischenstaatlichen Vorgang darstellen und Erfüllung anstreben, da ihr der eigene Knüppel in der Hand (Armee) fehlt. Sie wird ihr eigenes Handeln als dasjenige eines souveränen Staates und als Ausfluss eigener strategischer Regierungskunst darstellen. Wissen tut sie zudem, dass von den 100 Milliarden kein Cent je mehr in die Schweiz zurückfliessen wird, und wartet auf die nächsten Begehrlichkeiten.
Es werden Wetten entgegengenommen!    •

Hier sei nochmals auf das Kapitel 4 des ersten Teils dieses Schwarzbuches, «Die Entwicklung der Äusseren Sicherheit der Schweiz», hingewiesen, das auch auf einem abgerüsteten europäischen Kontinent im Lichte des schon ausge­brochenen heftigen Wirtschaftskrieges und des weltweiten Kampfes um Res­sourcen eine steigende Wahrscheinlichkeit für militärische Auseinanderset­zungen herleitet. Wenn nicht unter direkter Beteiligung der Europäer, so doch auf europäischem Boden und unter Rechnungsstellung an Europa. Minimal kann eine entwaffnete Schweiz zu Beitragszahlungen und zur Hergabe ihres Wohlstandes gezwungen werden.
Quelle: Schwarzbuch 2 der
Gruppe Giardino – Schweizer Armee 2011
www.gruppe-giardino.ch