Geld und Land – nur für den Grashüpfer: in Zeiten der Wirtschaftskrise

Lesen Sie die Pilotstudie von Pro Natura zum Naturpark Gantrisch

Medienmitteilung von WWF und Pro Natura, Bern, 22. März 2011

Naturpärke: Auch die Natur soll gewinnen

Die Berner Naturpärke Chasseral, Diemtigtal, Gantrisch und Thunersee-Hohgant haben letztes Jahr ihre Parkdossiers erstellt und an den Kanton abgegeben, der sie Anfang 2011 an das Bundesamt für Umwelt weitergeleitet hat. Die kantonalen Verbände von Pro Natura und WWF haben die Dossiers der einzelnen Naturpärke studiert und bei der Erhaltung und Förderung der Naturwerte beträchtliche Lücken und Mängel festgestellt und diese den Pärken letzten Herbst auch mitgeteilt. Sie kommen zum Schluss, dass in einzelnen Naturpärken die Naturwerte nicht wesentlich mehr gefördert werden, als dies Bund und Kantone auch ausserhalb der Naturpärke vorschreiben, oder dass Projekte als Naturförderung ausgegeben werden, die eher dazu geeignet sind, touristische oder landwirtschaftliche Ziele zu verfolgen. […]
Pro Natura und WWF wollen, dass die Naturpärke einen wesentlich grösseren Beitrag zur Förderung von besonderen Arten und Lebensräumen leisten, als dies von Bund und Kanton bereits ausserhalb der Parkperimeter gesetzlich verlangt wird. Darum muss mindestens ein Drittel der Projektmittel in die Erhaltung und die Förderung der Naturwerte fliessen. […]
Um ihre Ideen den Naturpärken bekanntzumachen, haben WWF und Pro Natura eine Pilotstudie zum Naturpark Gantrisch initiiert und unterstützt. Diese zeigt auf, welche charakteristischen Tier- und Pflanzenarten sowie Lebensräume im Naturpark vorkommen und seine Einmaligkeit ausmachen.
Die nach naturschutzfachlichen Kriterien erarbeitete Liste umfasst 27 Arten und zwei Lebensräume, die für die Förderung besonders empfohlen sind.

Auszug aus der Pilotstudie zum Naturpark Gantrisch

Arten- und Lebensraumförderung im regionalen Naturpark Gantrisch

Vorauswahl der besonderen Arten und Lebensräume, vom 2. Juni 2010
Finanziert durch
–    Regionaler Naturpark Gantrisch
–    WWF-Sektion Bern
–    Pro Natura Bern
–    Amt für Gemeinden und Raumordnung des Kantons Bern
www.gantrisch.ch/fileadmin/user_upload/dokumente/Arten_Lebensraumfoerd_RNPGantrisch_06_1
In der Pilotstudie vorgeschlagene – intensive Kosten verursachende – Massnahmen zur Erhaltung bestimmter Lebensräume von Pflanzen oder Tieren, zum Beispiel:

Tier- oder PflanzenartVorgeschlagene Massnahmen
Flussuferläufer und Eisvogel Jahreszeitlich begrenzte Betretungsverbote, Renaturierungen,
Monitoring
Kiesbank-Grashüpfer und
Türks Dornschrecke
Sense nicht verbauen, evtl. Flussbett erweitern, Freizeitaktivität
einschränken
Kleine HufeisennaseVernetzung der Quartiere mit dem Jagdgebiet im Wald fördern:
z.B. Hecken pflanzen
AuerhuhnLebensraumaufwertung, Besucherlenkung, lokal Hunde an die Leine, Monitoring
ZitronengirlitzFutterpflanzen (Samenangebot) fördern
Korallenkugelträger / Tannen-Strahlflechte / Schwarzfrüchtiger Kugelträger / Parmelia laevigataAusscheiden von Waldreservat mit alten Bäumen. Erhaltung bekannter Trägerbäume. Erhalt und Förderung von
naturnahem Nadelwald mit alten Fichten und Weisstannen.
BirkhuhnBesucherlenkung, lokal Hunde an die Leine, Grosswaldreservat,
Monitoring
Pyrenäen-LöffelkrautEvtl. Auszäunen bei zu starker Trittbelastung durch Besuchende.
Überwachen alle 5 Jahre (Zunahme / Abnahme)
Kopf-Kreuzkraut Fehlendes Wissen erarbeiten. Evtl. Bewirtschaftung der Alpweiden
anpassen, Zäune versetzen. Überwachung

(Dazu kommt der spezielle Schutz von Hoch- und Flachmooren.)