Was ein Naturpark der Bevölkerung nicht bringt

Endlich liegt klar auf dem Tisch, warum die Professoren und Studierenden verschiedener Studienzentren die Land- und Berggebiete der Schweiz praktisch flächendeckend mit Naturpärken beglücken wollen. Der Artikel einer Studentin der ZHAW (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften) macht deutlich, was die Bevölkerung trotz Naturpark selbst leisten muss und wem der Naturpark etwas bringt.

Was die Bevölkerung selbst leisten muss

•    Die Bauern müssen einen rentierenden Nebenerwerb im Agrotourismus («Ferien auf dem Bauernhof» usw.) bekanntlich selbst aufbauen.
•    Die Voraussetzungen für den Agrotourismus – Geschick im Umgang mit Menschen, genügend Zeit, zum Betrieb passende Angebote – müssen die Bauernfamilien selbst aufbringen, ganz ohne Naturpark.
•    Um konkurrenzfähig zu sein, müssen die KMU und die Landwirte hochstehende Qualitätsprodukte anbieten.
Gute Schweizer Qualität der landwirtschaftlichen Produkte und der touristischen Angebote bieten die Schweizer Landwirte schon von jeher. Ein Park­label steigert jedenfalls die Qualität nicht. Inwiefern ein Parklabel die Vermarktung der Produkte fördern sollte, wenn die halbe Schweiz aus Naturpärken besteht, die alle ein Parklabel auf ihren Käse, auf ihren Wein sowie auf ihre Übernachtungs­angebote kleben, bleibt im dunkeln.
•    Der Naturpark locke angeblich zusätzlich Gäste an, die an Kultur und Natur interessiert sind, schreibt die Studentin.
Warum um alles in der Welt soll ein Naturpark Gäste anlocken, die nicht auch ohne Naturpark in ihrer Freizeit aufs Land kommen? In unseren vielen schönen und besuchenswerten Landschaften ist bereits alles vorhanden, vom Wanderwegnetz samt zugehörigen Wanderkarten über Bänkli und Rastplätze bis zu den liebevoll gepflegten kulturellen Einrichtungen, von einer reichhaltigen Palette an Produkten höchster Qualität bis zu einer Vielfalt an touristischen Angeboten. Dazu braucht’s keine Naturpärke.

Was ein Naturpark bringt – oder genauer: Wem er etwas bringt

•    Die Geschäftsleitung des Parks braucht ein Büro!
•    Manch einer lässt sich vielleicht durch die grosszügigen Beiträge verlocken, mit denen Bern winkt. Aber: Leider wird das Bundesgeld nicht an die Landbevölkerung verteilt.

Der finanzielle Segen von Bund und ­Kanton wird in erster Linie für die Spesen eines Bürogebäudes und die Löhne der Parkleitung verwendet

Die Landbevölkerung brauche eine Stelle, die eine «strategische Planung» und eine «Zukunftsvision» für ihren Agrotourismus liefere, so die Studentin.
Die Beiträge von Bund und Kanton würden nur einen Teil dieser Kosten decken, den Rest der Raumkosten, Arbeitskräfte und einer umfangreichen Bürokratie müssten die Gemeinden des künftigen Naturparks aus ihrer Steuerkasse berappen. Das heisst, wir beschliessen und bezahlen selbst unseren Landesverrat an die EU: Nebst den grossen Verkehrsachsen (Autobahnen, Bahnlinien) kämen alle kleineren Berg- und Passübergänge unter fremde Verwaltung. Die Park-Charta, die ausgearbeitet wird, wird in der EU entwickelt – ohne demokratische Abstimmung!     •

Quelle: Claudia Calabrò: «Naturpark könnte für Aufwind sorgen» in: Schaffhauser Bauer vom 24.11.11