Zur Waffeninitiative

Skandalöse Irreführung

Das jüngst vom BAG Bundesamt für Gesundheit veröffentlichte «Faktenblatt: Suizid mit Schusswaffen» ist eine skandalöse Irreführung des Stimmbürgers. Denn das Faktenblatt ist keine unabhängige wissenschaftliche Untersuchung, sondern ein Parteigutachten für die Initianten der Waffeninitiative. Der Autor, Dr. med. Thomas Reisch, gehört als Vorstandsmitglied von «Ipsilon» zu den Initianten der Waffeninitiative. Zudem ist das BAG-Faktenblatt keine neue Untersuchung, sondern ein wildes Potpourri von bereits veröffentlichten Publikationen, die meisten davon aus der Feder der üblichen Kronzeugen der Verbots-Initianten, wie Martin Kilias, Andreas Frei u.a.
Die dabei verwendeten Zahlen stehen im Widerspruch zur offiziellen polizeilichen Kriminalstatistik, welche das Bundesamt für Statistik am 28. Dezember 2010 veröffentlichte. Diese offizielle und somit glaubwürdige Statistik besagt, dass die Zahl der Suizide mit Schusswaffen in der Periode von 1995 bis 2008 um 40% zurückging (von 392 auf 239) und lediglich 1,5% aller Suizide mit einer Armeewaffe verübt worden sind.
Eine derartige Instrumentalisierung des BAG und skandalöse Irreführung der Stimmbevölkerung muss aufs schärfste verurteilt werden.

Felix Meier, Schönenberg ZH

Die Begründung – so­genannt wissenschaftlich

Sehr geehrter Herr de Haller
Die Delegiertenversammlung der FMH hat sich auf Empfehlung des Vorstandes hinter die Initiative für die Abschaffung der Waffen in Haushalten gestellt. Die Absicht war Gesundheitsförderung, die Begründung sogenannt wissenschaftlich, indem unkritisch angenommen wurde, dass die Waffen zu Hause suizidbegünstigend sein könnten. Die zitierten Arbeiten Ajdacic-Gross1, Killias2,3 und zuletzt Reisch4 sind alles andere als wissenschaftlich. Sie zeigen Parallelen zwischen der Zahl von Waffen zu Hause und der Anzahl Waffensuizide. Paralleles Verhalten von zwei Grössen ist höchstens ein Grund, die Phänomene kausal näher zu untersuchen. Kausale Rückschlüsse sind nicht erlaubt. Die zitierten Arbeiten und viele von den Befürwortern der Initiative vorgebrachte Zahlen untersuchen nicht die Umstände der einzelnen Suizide: Haben sie sich im Dienst ereignet? Sind die Suizide tatsächlich mit eigener Militärwaffe durchgeführt worden? Hätten andere Waffen zur Verfügung gestanden? Viele Haushalte haben Jagdgewehre mit Munition zur Verfügung, leicht mit Militärpistole oder Gewehr zu verwechseln. Und zuletzt: Die Zahl der Waffensuizide geht zurück, obwohl die Zahl der Waffen zu Hause konstant bleibt. Die Führung der FMH hat sich mit einem rein politischen Thema befasst, ohne die breite Basis zu konsultieren. Es ist das Thema der eigenen Sicherheit zu Hause und des möglichen abschreckenden Wertes der Waffe zu Hause. Wie stellt sich der Bürger zu dem Problem der eigenen Sicherheit zu Hause, wenn er weiss, dass gerade in den USA, wo Waffen zu Hause behalten werden, die bewaffneten Raubüberfälle in den Häusern viel seltener sind? Im Tessin, Grenzkanton, sind bewaffnete Überfälle zu Hause sehr selten, während jenseits der Grenze fast täglich bewaffnete Hauseinbrüche stattfinden. Gibt der Bürger seine Waffen ab, und der Kriminelle behält die eigenen? Schade: Die FMH hat diesmal nicht realisiert, dass sie über so ein Problem hätte schweigen sollen.

Prof. Dr. med. Sebastiano Martinoli,
Dr. med. Pio Fontana, beide Lugano

1    Ajdacic-Gross V. Die Schusswaffeninitiative: Beginn einer neuen Ära für die Suizidprävention in der Schweiz? Schweiz. Ärztezeitung. 2008;89(12):479–81.
2    Killias M, Dilitz C, Bergerioux M. Familiendramen – ein schweizerischer «Sonderfall», Crimiscope 1–4, 33. Lausanne ESC. UNIL; 2006.
www.unil.ch/webdav/site/esc/shared/Crimiscope/crimiscope033_2006_D.pdfKillias 01
3    Killias M., Haas H. Waffen – Wie viele haben sie, wie gefährlich sind sie? Crimiscope. 2001; 16/17:1–10.
4    Reisch T. Die Schweiz im glücklichen Blindflug. Schweiz. Ärztezeitung. 2011;92(1/2):11–3.
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