Die Qualität der Schule hängt von der Persönlichkeit der Lehrer und den Schulleitungen ab

Gespräch mit den Initianten der Parlamentarischen Initiative

Zeit-Fragen: Was hat Sie bewogen, eine Parlamentarische Initiative zur Abschaffung der Fachstelle für Schulbeurteilung im Kantonsrat einzureichen?

Corinne Thomet: Für mich steht der Aufwand in keinem Verhältnis zum Ertrag. Nachdem man nun zwei, drei Jahre Erfahrungswerte hat und auch die Jahresberichte der Fachstelle lesen konnte – ich habe die Jahresberichte sehr genau angeschaut – könnte man sagen, es ist ja schön, wenn zusammenfassend gesagt wird, dass die Schulen gut sind. Wenn ich aber den Aufwand betrachte, den die Fachstelle betreibt, und vor allem den Aufwand, den sie auslöst, da stelle ich mir schon die Frage: «Was soll das?» Der Aufwand steigt auch auf seiten der Gemeinden, es kommen immer neue Leistungen dazu. Irgendwann ist die Volksschule nicht mehr bezahlbar. Das ist einer meiner Hauptbeweggründe für die Initiative.
Fragwürdig ist für mich auch, dass die Fachstelle der Bildungsdirektion unterstellt ist. Die Gemeinden sind ja eigentlich zuständig für die Qualität der Schulen. Wir haben ein Volksschulgesetz, das sehr klar regelt, wie die Schule laufen soll.
Man konnte nicht von Anfang an absehen, in welche Richtung das geht. Nun haben wir aber diese Erfahrung gemacht. Schaut man sich die Detailberichte pro Schuleinheit an, so behaupte ich, enthalten sie viel «copy paste». Die Diskussion muss auf jeden Fall bezüglich des eigentlichen Auftrags der Fachstelle geführt werden.

Kurt Leuch: Sie enthalten so eine Art Standardsätze, die immer wieder auftauchen. Das ist tatsächlich einer der Hauptpunkte, dass Aufwand und Ertrag überhaupt nicht zusammenstimmen. Das, was am Schluss eines solchen Berichtes an die Schulleitung herauskommt, das weiss sie Schulleitung schon lange. Das kann die Schulleitung auch selber erheben.

Matthias Hauser: Die Fachstelle verursacht laut Voranschlag jährlich einen Aufwand von knapp 6 Millionen Franken für eine sinnlose Aufgabe: Die Fachstelle hat 16 sogenannte «Qualitätsansprüche», nach welchen sie die Schulen evaluiert. Zwölf davon richten sich an die Schulhauskultur, Zusammenarbeit mit dem Schulumfeld, Schulentwicklung. Damit wird missachtet, was nämlich der Kern einer guten Schulqualität ist: Der Unterricht, das, was im Schulzimmer geschieht, rund um das existentielle «Aha-Erlebnis» der Kinder, die im Lernen und im «Sich-im-Klassenverband-Einfügen-und-Vertragen» täglich Sinn erfahren. Immerhin anhand von vier Qualitätsansprüchen qualifiziert die Fachstelle den Unterricht. Damit mischt sie sich elementar in die Pädagogik ein, für die jede einzelne Lehrperson in Freiheit zuständig bleiben muss. Sie liefert der Schulbehörde und der Schulleitung zum Beispiel den Eindruck ab, dass in einer Schule zu wenig kooperativer und individualisierender Unterricht praktiziert würde. Das bringt anschliessend Lehrkräfte, die einen guten Frontalunterricht machen, unter Druck.
Übrigens kommen neben den direkten Kosten noch die Aufwendungen hinzu, welche für die Schulbeurteilung in den evaluierten Schuleinheiten betrieben werden müssen. In manchen Teams fällt der Unterricht an einigen Halbtagen aus, damit die Evaluation vorbereitet werden kann. Die Schulleitungen arbeiten wochenweise am abzuliefernden Dossier (etwa ein A4-Ordner).

Corinne Thomet: Ich denke, die Frage der definitiven Kosten werden wir in der Kommission erfahren. Wir sind ja alle Mitglieder der Kommission und haben diese Frage auch traktandiert. Da werden wir uns ganz sicher vergewissern, wie die Zahlen genau aussehen.

Wie steht es um die Legitimation der Fachstelle? Vorher hatte diese Aufgabe die Bezirksschulpflege, und die war durch das Volk legitimiert, weil sie durch das Volk gewählt wurde. Das war eine demokratische Kontrolle.

Corinne Thomet: Die Rückkehr der Bezirksschulpflege könnte ich mir nicht vorstellen, das würde ich auch nie unterstützen. Ich finde, im Moment hat sich die Schullandschaft so verändert, dass man Schulleitungen hat, mit Schulprogrammen, und die Behörden haben vorwiegend die Aufgabe der strategischen Führung. Das wäre auch im Sinne der teilautonomen Volksschule, von der wir weit weg sind, aber ich finde, dazu sollten wir kommen.

Matthias Hauser: Es ist politisch nicht mehr realistisch, die Bezirksschulpflege wieder einzuführen, die Aussicht auf Mehrheiten in dieser Frage ist chancenlos, und es hat sich nun gezeigt, dass auf die Bezirksschulpflegen verzichtet werden kann. Worunter natürlich auch die Schulqualität leidet.
Die Fachstelle für Schulbeurteilung hat die Bezirksschulpflege nämlich nicht ersetzt, wie immer behauptet wird. Die Fachstelle evaluiert einmal alle vier Jahre und versteht ihre Resultate explizit als «Führungsunterstützung» für Schulleitungen und Schulbehörden. Die Bezirksschulpflege hat demgegenüber erstens die Schulen laufend besucht und dabei ständig mündliche und jährlich schriftliche Rückmeldungen gemacht, sie hat zweitens oft als neutrale Behörde in Konflikten zwischen Eltern, Schule, Lehrpersonen, Schulbehörde vermittelt, geschlichtet, gecoacht, und sie war drittens Rekursinstanz, und zwar eine, die über lokale Begebenheiten informiert war. Diese drei Aufgaben nimmt die Fachstelle nicht wahr, obwohl sie einen Drittel mehr kostet, jährlich. Zudem war die Bezirksschulpflege vom Volk gewählt und hat als Volksvertretung die Schule beurteilt.

Kurt Leuch: Ich sehe auch nicht, dass man die Bezirksschulpflege wieder einführen könnte. Ich meine, die Rollen haben sich etwas verschoben: die Schulleitung hat eigentlich jetzt die Rolle der Gemeindeschulpflege übernommen. Die Gemeindeschulpflege ist jetzt frei für die sogenannten strategischen Aufgaben.

Mit der Abschaffung der demokratischen Kontrolle ist es nun der Bildungsrat, der die Qualitätskriterien definiert.

Kurt Leuch: Was ich problematisch finde, sind die Kriterien zur Schulqualität und das Handbuch Schulqualität. Das Handbuch ist von irgendeinem Grüppchen zusammengestellt worden. Die sagen: «Das ist gute Schule» und aus dem leiten sie dann ihre Beobachtungspunkte ab. Darüber kann man natürlich streiten: «Was ist gute Schule?» Das ist für eine Schule auf dem Land etwas anderes als für eine Schule in der Stadt.

Matthias Hauser: Die Fachstelle schlägt Qualitätsansprüche vor, der Bildungsrat diskutiert sie und segnet sie nachher ab. Der Bildungsrat wird vom Kantonsrat gewählt, ist aber letztlich eine Stabsstelle der Regierung. Das Problematische dabei ist, dass es ganz viele pädagogisch richtige und begründbare Ansichten darüber gibt, was eine gute Schule, was ein guter Unterricht ist. Es ist falsch, dass die «Experten» der pädagogischen Institute an Hochschulen das bestimmen, das zeigt auch ein Blick in die Geschichte. Pädagogische Haltungen haben Auswirkungen auf den Unterricht, den Schulalltag und die Schulformen, letztlich sogar auf die Kinder. Deshalb ist die Pluralität wichtig: Die Tatsache, dass verschiedene Lehrpersonen verschiedene Haltungen haben, garantiert über die ganze Schullaufbahn eines Kindes gesehen oder auch die ganze Schule betreffend eine gewisse «Neutralität» und spiegelt gleichzeitig die Vielfalt der Haltungen ausserhalb der Schule. Die Einengung der pädagogischen Vielfalt ist immer ideologisch. Eine Kontrollinstanz sollte nicht den «guten Unterricht» mittels sogenannter «Qualitätsansprüche» definieren, sondern mit gesundem Menschenverstand schauen, dass es den Kindern wohl ist und sie die Lernziele erreichen. Die meisten Bildungsräte kennen die Vielfalt wissenschaftsgestützter pädagogischer Haltungen übrigens gar nicht, sondern orientieren sich an dem, was Trendsetter ausführen.

Wie steht es mit der Methodenfreiheit. Bisher hat der Lehrplan das Ziel vorgegeben, aber der Lehrer war frei bei der Wahl der Methode.

Corinne Thomet: Für mich ist sehr wichtig, dass man vom einzelnen Schüler ausgeht, den Schüler als Individuum wahrnimmt. Da steht die Lehrperson sowieso vor der Frage der Individualisierung, aber sie sollen selber entscheiden, wie sie das umsetzen. Der Lehrer hat eine Verantwortung für die ganze Klasse, er soll als Lehrperson diese Kompetenzen bei den Schülerinnen und Schülern erreichen. Dabei ist es für mich wichtig, dass die Lehrpersonen selber entscheiden.

Matthias Hauser: Ich erlebe: Ein guter Frontalunterricht, in dem die Schüler nicht einfach nur zuhören, mit Lehrgespräch, bei dem die Schüler aktiv sind und Beiträge kommen, der ist einfach effizienter in bezug auf Fachwissen. Und Wissen vermitteln, die kognitive Förderung, ist die hauptsächliche Aufgabe der Schule.
Sozialkompetenzen, Teamarbeiten, Eigenständigkeit lernt man – im Normalfall – im Alltag, im Leben, «on the job» schnell. Zugegeben, heute muss die Schule vielleicht tatsächlich immer mehr Erziehungsdefizite decken. Das braucht Ressourcen (Kleinklassen, Zeit für Erziehungsaufgaben mit dem einzelnen Kind, Begegnung), aber keine bestimmten Unterrichtsformen. Im Gegensatz dazu ist Wissen oft eher mühsam zu erwerben, denn im Moment des Lernens hat das Individuum vielleicht keinen direkten Vorteil davon. Dennoch muss die Schule einen soliden Grundstock an Wissen verankern. Wer viel weiss, lernt während des ganzen Lebens leicht, weil man alles Neue besser vernetzen kann.
Bei Unterrichtsbeurteilungen heute geht es selten um die Fachkompetenzen. Im Fokus von Schulleitung, Schulbehörden und der Fachstelle steht die Förderung der Selbst- und Sozialkompetenzen. Zum Beispiel ist es ein Kriterium für die Unterrichtsbeurteilung, ob kooperative Unterrichtsformen angewandt werden. Es geht mir nicht darum, Fach-, Sozial- und Selbstkompetenzen gegeneinander auszuspielen, sondern darum, dass Lehrerinnen und Lehrer die volle Freiheit haben, sie entsprechend ihrer konkreten Situation (Kinder, Klasse, zu erreichende Lernziele) zu fördern.

Was Sie beschreiben, ist im Grunde guter Klassenunterricht, mit Klassengespräch und gemeinsamem Erarbeiten des Stoffes, bei dem die Schüler auch Sozialkompetenzen erwerben.

Kurt Leuch: Das Individualisieren wird im Moment einfach etwas zu stark gewichtet, wie Herr Hauser schon gesagt hat, Frontal- oder Klassenunterricht hat genauso seine Berechtigung. Je nach dem, was man erreichen will, in welcher Zeit.

Die Lehrer haben ja professionell gearbeitet. Wie kommen denn die Kriterien zustande? Was ist denn gute Schule? Wenn man Qualität messen will, muss man ja zunächst definieren, was man darunter versteht. Im Handbuch heisst es, «Qualität entstehe durch Schulmanagement, Evaluation und Verbesserungsvorschläge». Was macht in Ihren Augen eine gute Schule aus?

Corinne Thomet: Das Know-how, die ganze Qualität einer Schule hat mit den Lehrpersonen und den Schulleitungen zu tun. Das heisst, die Lehrpersonen sind für mich die wichtigsten Player in einer Schule, auch die Schulleitungen und die Schulverwaltung, damit eine Schule gut funktioniert. Das hat damit zu tun, dass Lehrpersonen motiviert sind, dass sie mit Kindern arbeiten können, dass sie Kinder individuell wahrnehmen können, nicht als Masse, sondern individuell.

Matthias Hauser: Wie erwähnt: 4 von 16 Qualitätsansprüchen der Fachstelle betreffen den Unterricht. Eigentlich müssten 15 den Unterricht betreffen. Wenn ich als Lehrperson 15 von 16 Anteilen meiner Zeit dem Unterricht widmen kann, zum einen wirklich der Beziehung zu den Schülern, und zum andern der Vorbereitung und der Nachbereitung, also der Frage, wie ich den Stoff vermitteln kann, und ich dafür den Raum erhalte, dann kann ich gute Schule machen. Dazu gehört das Vertrauen der Behörden und Schulleitung: Rückenstärkung für die Klassenführung und das Unterrichten, welche 95% meiner Zeit füllen sollten. Heute konzentrieren wir uns zu stark auf das ganze Rundherum, statt auf den Kern, das Erlebnis des Lernens.
Die Fachstelle kann es unmöglich recht machen: Entweder sie fokussiert am Kern der Schulqualität vorbei, oder, wenn sie sich doch mit Unterricht beschäftigt, dann schränken ihre Qualitätsansprüche die pädagogische Freiheit ein. Ein Dilemma.

Kurt Leuch: Was gute Schule ist, ist eine schwierige Frage. Dazu gehören sicher zufriedene Lehrpersonen und zufriedene Eltern. Daran merkt man, dass die Schule gut ist, und natürlich daran, dass die Kinder etwas lernen, dass sie Fortschritte machen – kurz motivierte Schüler und Lehrer.
Und der Rest, wie man das dann erreicht – da gibt es zum Beispiel die Kriterien von Dubs oder von Dieter Rüttimann und Claude Bollier – kann man je nach persönlicher Haltung definieren, auch welche Punkte man stärker gewichten soll, um eine gute Schule zu erreichen.

Welche Punkte sind für Sie wichtig?

Kurt Leuch: Neben dem Klima des Vertrauens gehört dazu ein pädagogisch optimistisch forderndes, wohlwollendes Lernklima, inklusive Kontrollieren und Korrigieren, Engagement der Lehrperson, Leistungsziele, Mindestbedingungen von Disziplin und Ordnung und die Identifikation mit der Schule, die in ihren Abläufen effizient organisiert ist.

Corinne Thomet: Gute Schulen sind für mich dort, wo man die Ressourcen da reinsteckt, wo es um den Lerntransfer geht, das sind für mich die Lehrpersonen. Für mich braucht es aber auch eine gute strategische Führung, welche die Ziele definiert – und zwar gemeinsam: für mich gehört die Schulleitung dazu, für mich gehören die Lehrpersonen dazu, damit man gemeinsam die Ziele definiert.
Und ich finde, es gibt nicht eine Form der Schule, die überall gleich gut ist oder gleich schlecht: Was gut ist, bezieht sich auf die örtlichen Verhältnisse, es kommt zum Beispiel auf die Struktur der Bevölkerung eines Ortes an usw. Und darum bin ich auch jemand, der die Teilautonomie wieder viel, viel mehr zurückholen will, statt dieses Zentralistische.

Damit die Schule wieder mehr Spielraum hat, um sich nach den örtlichen Bedürfnissen zu richten.

Corinne Thomet: Die örtliche Behörde muss mehr Möglichkeiten haben, die Ressourcen dort einzusetzen, wo es sie auch braucht. Ich sage auch, es gibt überall verschiedene Zusammensetzungen von Klassen. Man kann nicht einfach sagen, prinzipiell sind 23 Schüler die richtige Grösse für eine Klasse. Es gibt Klassenbestände, da sind 16 zuviel, oder 28 oder 29 sind gut, das hängt sehr stark zusammen mit der Zusammensetzung. Ich finde, es soll gemeinsame Ziele geben zwischen dem Dreieck Lehrpersonen, Schulleitung und Schulbehörden. Und da spielen örtliche Gegebenheiten eine Rolle. Natürlich gibt es Kriterien, die für alle gelten, aber es kann auch nicht sein, dass wir die Kriterien so festlegen, dass am Schluss ein Bericht herauskommt, in dem es – so wie das im Moment der Fall ist – dann heisst: Zu 90% ist überall alles gut, aber es wird zuwenig individualisiert. Da muss ich sagen, dazu braucht es keine Fachstelle. Gute Schule heisst für mich wirklich zu realisieren, wo die Bedürfnisse sind, und dann die Ressourcen dort einsetzen zu können, wo man gemeinsam erkennt, dass es sie braucht.
Noch ein Satz, der für mich zusammenfassend sagt, was gute Schule heisst: Für mich ist eine Schule dann gut, wenn sie die Kinder, die Schülerinnen und Schüler so weit befähigen kann, dass sie nachher in ihren beruflichen und gesellschaftlichen Aufgaben im Leben bestehen können, und zwar selbständig.
Vielen Dank für das Gespräch.    •

Parlamentarische Initiative betreffend «Abschaffung der Fachstelle für Schulbeurteilung»

Matthias Hauser (SVP, Hüntwangen)
Kurt Leuch (EVP, Oberengstringen)  
Corinne Thomet-Bürki (CVP, Kloten)

Das Volksschulgesetz soll wie folgt geändert werden:
§47    1unverändert
          2unverändert
§§47     Abs. 3 bis 49 werden aufgehoben.

Begründung:
1a)    Die Fachstelle für Schulbeurteilung verursacht vor, während und nach der Evaluation einer Schule an dieser einen immensen administrativen Aufwand.
1b)    Die Schulqualität wurde bisher durch die Fachstelle nicht wesentlich gesteigert.
1c)    Die Fachstelle für Schulbeurteilung misst die Schulqualität an Ansprüchen, welche nicht legitimiert sind. Die Gewichtung dieser Ansprüche ist nicht transparent.
Mit über 50 Mitarbeitenden evaluiert die kantonale Fachstelle für Schulbeurteilung jede Schuleinheit der Volksschule ein Mal in vier Jahren. Vor der Evaluation erstellt die Schule ein umfangreiches Portfolio (inklusive Selbstbeurteilung). Schriftliche Befragungen (Schüler, Eltern, Lehrpersonen), Interviews und Unterrichtsbeobachtungen bilden weitere Datenquellen. Der Beurteilungsbericht der Fachstelle enthält Entwicklungshinweise, die Schule muss zu deren Umsetzung einen Massnahmeplan erarbeiten. Vom ersten Kontakt mit der Fachstelle bis zur Erstellung des Massnahmeplans dauert es rund dreissig Wochen.
Zwar wurden an zahlreichen evaluierten Schulen Entwicklungshinweise umgesetzt. Deren Nutzen ist aber gemessen am Aufwand, welche die Schulbeurteilung für die Schule (und für die kantonalen Finanzen) verursacht, gering. Der Jahresbericht der Fachstelle zeigt, dass die Qualität der Volksschule auch vor der Umsetzung von Mass­nahmeplänen hoch ist.
Guter Unterricht sollte durch das Einhalten des Lehrplans definiert werden. Organisatorische und methodische Rahmenbedingungen, an welche sich Schulen und einzelne Lehrpersonen halten müssen, sind im Volksschulgesetz und der Volksschulverordnung geregelt. Das Handbuch für Schulqualität, welches der Bildungsrat verfasst hat und welches die Fachstelle für Schulbeurteilung als Qualitätsmassstab nimmt, darf den Spielraum von Gesetz, Verordnung und Lehrplan nicht einschränken. Ein Beispiel: Im Kanton Zürich besteht gemäss Lehrplan «Methodenfreiheit». Trotzdem erhebt die Fachstelle «Individualisieren» zum Qualitätsmerkmal. Sie lenkt damit über den Willen des Gesetzgebers hinaus den Schulalltag und unterwirft die Handlungsfreiheit von Lehrpersonen, Schulleitungen und Behörden ihren eigenen pädagogischen Vorstellungen.
Zudem sind von den 16 evaluierten Qualitätsansprüchen nur vier dem Unterricht verpflichtet. Alle anderen betreffen Schulentwicklung, Zusammenarbeit und Schulkultur. Der durch die Schulbeurteilung generierte Aufwand ist somit weit weniger qualitätswirksam, als wenn Lehrpersonen in derselben Zeit besseren Unterricht gestalten würden.
Die kantonsrätliche Kommission für Bildung und Kultur kann zu dieser Parlamentarischen Initiative einen Gegenvorschlag entwickeln, welcher statt der Abschaffung eine Reduktion der Fachstelle vorsieht und deren Auftrag neu definiert.

Quelle: Parlamentarische Initiative KR-Nr. 174/ 2010 vom 14. Juni 2010