50 Länder bei Raketenschild-Konferenz: Moskau legt Argumente gegen Nato-System dar

Die internationale Konferenz über das Raketenabwehrsystem in Europa, die am Donnerstag beginnt, soll laut Vizeverteidigungsminister Anatoli Antonow unter anderem zeigen, wie sich die neuen Objekte, die die Nato in Polen, Rumänien und der Türkei stationieren will, auf die nuklearen Eindämmungskräfte Russlands auswirken können. 


«In einer für Militärs und technische Experten verständlichen Sprache möchten wir bei der Konferenz erklären, zu welchen Folgen für die strategische Stabilität die Umsetzung der Raketenabwehrpläne der USA und der Nato führen kann», sagte Antonow in einem Interview, das am Mittwoch in der Tageszeitung «Rossijskaja Gaseta» veröffentlicht wurde. 


«Unsere bisherigen Konsultationen mit den westlichen Partnern auf der Ebene des Aussen- und des Verteidigungsministeriums wurden hinter verschlossenen Türen geführt», sagte der Vizeminister. Bei der Suche nach der Antwort auf die Frage, warum die Nato die Besorgnis Russlands über dieses Projekt nicht wahrnimmt, «haben wir die Notwendigkeit gesehen, Experten zu versammeln, die sich mit der Raketenschild-Problematik befassen und Beschlüsse auf diesem Gebiet treffen, um noch einmal unsere Argumente gegen eine Umsetzung der Nato-Pläne darzulegen und uns gleichzeitig die Meinung der ausländischen Kollegen anzuhören.» 


Zur Konferenz seien Experten aus mehr als 50 Ländern eingeladen worden: Neben den Nato-Ländern und paktfreien europäischen Staaten werden Vertreter Chinas, Indiens, Japans und Südkoreas erwartet. Die Nato-Delegation werde vom ersten Stellvertreter des Generalsekretärs, Alexander Vershbow, geleitet. 


Während die grössten europäischen Staaten die Einladung zur Konferenz sofort angenommen haben, «weil sie sich stets für einen Kompromiss mit Russland eingesetzt hatten», reagierten einige osteuropäische Länder nur zögernd darauf und beschlossen schliesslich, auf der Ebene von Militärattaches daran teilzunehmen. 


«Hinter einer Stationierung von Raketenschild-Objekten auf dem Territorium dieser Länder stehen bestimmte politische, wirtschaftliche und militärische Aspekte», stellte Antonow fest. «Immerhin bedeutet der Bau von Stützpunkten neue Arbeitsplätze, Investitionen und Pachtgelder. Ausserdem fühlen sich einige osteuropäische Staaten als zweitrangige Allianz-Mitglieder. Ihrer Ansicht nach würde ihre Teilnahme am kontinentalen Raketenabwehrsystem ihr Gewicht im Block vergrössern.» 


Die Eröffnungsansprache des russischen Generalstabschefs Nikolai Makarow soll live übertragen werden. Nur ein Teil der Diskussionen im Rahmen der Konferenz werde hinter verschlossenen Türen abgehalten. Das russische Verteidigungsministerium wolle ausserdem alle Unterlagen der Konferenz anschliessend in einer Broschüre herausgeben. 


Die Konferenz sollte die Beschlüsse des für die zweite Mai-Hälfte geplanten Nato-Gipfels in Chicago beeinflussen, hiess es. «Wir betrachten die Konferenz als eine wichtige Etappe im Dialog zwischen Russ­land und der Nato», betonte der stellvertretende Minister. «Die Meinungen von Experten könnten den Diplomaten und den Militärs helfen, die Lösungen zu finden, die beide Seiten brauchen.» 


Am 4. Mai werde den Konferenzteilnehmern das in Sofrino bei Moskau stationierte Frühwarnsystem gezeigt. «Wir möchten, dass die Partner sehen, wie die Radarstation die Raketenstarts kontrolliert, und sich davon überzeugen, dass Russland und die Nato einen grossen Spielraum für das Zusammenwirken auf diesem Gebiet haben», fügte An­tonow hinzu. «Mehr noch: Eine solche Zusammenarbeit würde die Bereitschaft der nationalen Raketenabwehrsysteme zur Abwehr von Raketenangriffen aus verschiedenen Richtungen erhöhen.    •

Quelle: Ria Novosti vom 2.5.2012, www.de.rian.ru