Der gleiche Trick, um Krieg zu erzwingen, wie im Irak?

Vorsicht vor Denkfallen und emotionalen Triggern

US-Präsident Barack Obama, von dem man nach den Greueln von Houla weitherum eine direkte Aktion gegen den syrischen Herrscher Bashar al-Assad erwartete, ist vollauf mit etwas beschäftigt, was er als grössere Bedrohung für die Welt erachtet: dass al-Kaida oder andere Terrororganisationen den riesigen syrischen Vorrat an chemischen und biologischen Waffen an sich reissen könnten. Das wird von Gewährsleuten von DEBKAfile exklusiv aus Washington und Geheimdienstkreisen berichtet.
Der US-Präsident versucht den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu überreden, seinem neuen Plan zuzustimmen, mit dem der Uno-Sicherheitsrat sofort 3 000 bewaffnete Beobachter beauftragen soll, das Kommando über die sechs chemischen und biologischen Lager zu übernehmen. Weitere 2 000 werden sich dem Team später anschliessen.
Um Putins Verdacht, es könnte sich um einen Trick handeln, mit dem gegen den Willen Moskaus bewaffnete westliche Streitkräfte nach Syrien verschoben werden sollen, zu beschwichtigen, hat Obama vorgeschlagen, dass der Grossteil der Beobachter Russen oder Staatsangehörige jener Regierungen sein sollen, die mit der russischen Unterstützung für das Assad-Regime einiggehen.
Wie unsere Gewährsleute erfahren, merkte Obama in einem der Gespräche der beiden Präsidenten an: «Wenn nur ein Barrel Anthrax in die Hand einer kaukasischen Terrorgruppe gerät, stehen die Russen vor einer der grössten terroristischen Bedrohungen ihrer Geschichte. Millionen von Russen könnten umkommen.»
Anhand dieses Bemerkung wird klar, dass die Massenvernichtungswaffen Assads nicht als Gefechtsköpfe, Bomben oder Granaten gelagert werden, sondern in grossen Tonnen oder kleineren Fässern in sechs unterirdischen Bunkern; sie enthalten Sarin (GB), Tabun (GA) und VX Nervengase, etwa vier Formen von Senfgas und Anthrax. Die Silos sind rund um Al Safir verteilt, der wichtigsten syrischen Raketenbasis im Norden bei Cerin, einem biologischen Forschungszentrum an der Mittelmeerküste, in Militäranlagen bei Hama und Homs, auf der syrischen Marinebasis bei Latakia, die an die Russen verpachtet ist, und in Palmyra an der Schnellstrasse zwischen Homs und Aleppo.
Laut Informationen, die der US-Geheimdienst erhielt, liegen drei dieser Orte in Gebieten, die von der syrischen Armee und den Rebellen schwer umkämpft werden, und zusätzlich dazu sind in den letzten zwei Wochen Elemente von al-Kaida in die kriegsgeschüttelten Distrikte in der Absicht eingedrungen, einige der Lager mit Massenvernichtungswaffen in Besitz zu nehmen.
Obama warnte Putin, dass die Dschihadisten noch nie so nahe davor waren, grosse Mengen solch tödlicher unkonventioneller Waffen in die Hände zu bekommen, vor allem jetzt, da die von Assads Bruder Maher kommandierte 4. Division, welche dieses Lager bewacht, zusätzlich mit der Unterdrückung des Aufstandes betraut ist und daher für deren Sicherung über zu wenig Leute verfügt.
Wenn der russische Präsident Obamas Plan schluckt, gemäss dem 5 000 internationale Beobachter die Sicherheitsaufgabe übernehmen, hofft Obama, auch Assad und sogar Teheran davon überzeugen zu können, den Plan zu akzeptieren.
Am frühen Morgen des 31. Mai führte der US-Präsident eine Video-Telefonkonferenz mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem französischen Präsidenten François Hollande und dem italienischen Premierminister Mario Monti, um sie über seine Initiative und seine Gespräche mit Putin zu informieren.
Die Gewährsleute von DEBKAfile in Washington und Jerusalem sagten ausserdem, dass Obama auch dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak eine persönliche Nachricht zukommen liess und gewarnt habe, wenn al-Kaida oder eine andere terroristische Gruppe in Besitz dieser Todeswaffen kommen sollte, sie in die West-Bank und den Gaza-Streifen geschmuggelt werden könnten. «Israel wäre ihr Ziel Nummer eins», sagte er.
Diese Meldungen wurden israelischen Führern diese Woche von höheren US-Geheimdienstleuten und Regierungspersonen weitergegeben mit der Einschätzung des Präsidenten, wonach die Gefahr, dass syrische Massenvernichtungswaffen in die Hände von Terroristen fallen, heute akuter sei als ein atomar bewaffnetes Iran.
Sie lieferte den Kontext für die Bemerkung des Generalmajors der OC Northern Command der israelischen Armee, Yair Golan: «Wir könnten innert Wochen oder Monaten mit Attacken von al-Kaida aus Syrien konfrontiert sein.»
Der russische Präsident hat Obama noch keine Antwort gegeben und hegt noch immer den Verdacht, es handle sich um eine amerikanische List, um westliche Truppen innerhalb Syriens zu stationieren. Daher die Stellungnahme seines Sprechers von Mittwoch: «Russland zieht keine Änderung seines Standpunktes zu Syrien in Betracht und alle Versuche, auf Moskau Druck auszuüben, sind unangemessen.»
Teheran hat dies so verstanden, dass der russische Präsident Obamas Vorschlag nicht zurückgewiesen hat, und war dermassen entrüstet, dass es eine energische Drohung aussprach: «Eine westliche Intervention in Syrien würde zu einem regionalen Aufruhr führen, der Israel zweifellos überfluten würde», sagte der Sprecher des iranischen Parlamentes, Ali Laridschani. «Er würde sich auf Palästina ausweiten und die Asche der Flammen würden das zionistische Regime zweifellos verschlingen … Die Beamten des US-Militärs sollten sich ihres gefährlichen Spiels bewusst sein.»
Gewährsleute in Washington haben das als iranische Drohung verstanden, Israel niederzubrennen, falls Obamas Plan, 5 000 bewaffnete Beobachter in Syrien zu stationieren, durchginge. Iranische Gewährsleute erklärten DEBKAfile, dass die Drohung gleichermassen darauf gerichtet war, Putin davon abzuhalten, sich daran zu beteiligen.
Susan Rice, die Uno-Botschafterin der USA, krönte diese verbrämten Botschaften in der Nacht von Mittwoch mit einer Warnung an den Uno-Sicherheitsrat: «Das wird ein Stellvertreter-Konflikt, bei dem Waffen von allen Seiten hereinströmen. Und die Mitglieder des Sicherheitsrates und der internationalen Gemeinschaft haben dann nur noch die Möglichkeit, darüber zu beraten, ob sie bereit sind, Massnahmen ausserhalb des Annan-Planes oder der Kompetenz dieses Rates zu ergreifen.»
Mit diesen Worten informierte das Weisse Haus den Kreml darüber, dass – sollte Präsident Putin Obamas Plan zur Stationierung von 5 000 Beobachtern in Syrien zurückweisen – Washington nicht zögern würde, den Uno-Sicherheitsrat und das russische Veto zu umgehen und unter Missachtung Moskaus eine bewaffnete Aktion gegen Syrien zu beginnen.    •

Quelle: www.debka.com
(Übersetzung: Zeit-Fragen)