Irakische Spuren beim Massaker von Houla

Britischer Ex-Geheimdienstoffizier Alastair Crooke: Diese Art des Tötens ist kulturfremd

für den levantinischen Islam, für Syrien und den Libanon. Sie kommt aus der Anbar-Provinz im Irak.
Während die Untersuchung des Massakers von Houla weitergeht, erklärt der britische Geheimdienstbeamte Alastair Crooke gegenüber Russia Today, diese Attacken seien atypisch für die kulturelle Region, zu der Syrien gehört.
«Diese Art der Ermordung, Enthauptung, Aufschlitzen der Kehle (auch von Kindern), und diese Art der Verstümmelung von Leichen ist kein Kennzeichen des levantinischen Islam, nicht von Syrien, nicht von Libanon, sondern sie kennzeichnet das, was in der Anbar-Provinz des Irak stattfand. Sie scheint daher sehr in Richtung von Gruppierungen zu weisen, die mit dem Krieg gegen die Vereinigten Staaten im Irak in Verbindung gebracht worden sind und die vielleicht nach Syrien zurückgekehrt sind, oder auf Iraker, die von Anbar [ein an Syrien grenzendes irakisches Gouvernement, Anm. d. Red.] gekommen sind, um daran teilzunehmen», sagt er.
Crooke ist der Meinung, dass eine Verbindung zu al-Kaida in die Irre führt, da das Massaker seine taktischen und ideologischen Wurzeln im Irak-Krieg hat.
«Ich denke, die Attacke steht Musab al-Zarqawi [welcher der Schia im Irak den totalen Krieg erklärte, Anm. d. Red.] viel näher als al-Kaida, wie wir sie kennen, und zwar in dem Sinne, dass Zarqawi und der Irak diese sehr strenge, bigotte, gegen die Schia und gegen Iran gerichtete Rhetorik hervorbrachten. Vieles davon kam nach Syrien, als die Kämpfer von Anbar an ihre Heimatorte rund um Homs und Hama zurückkehrten.
Es stimmt, wenn wir von al-Kaida-artigen Gruppen sprechen, die am äussersten Ende des Spektrums der Opposition stehen. Sie mögen eine Minderheit sein, was ihre Zahl an der gesamten Oppostion betrifft, aber sie bestimmen den Krieg», vertritt Crooke.    •

Quelle: Russia Today vom 29.5.2012, www.RT.com

 

Russischer Aussenminister Lawrow:
Gewisse Länder nutzen die Tragödie aus, um einen Krieg daraus zu machen
Massaker aus nächster Nähe: massiv negative Folgen der Morde von Houla
Unter Anschuldigungen, wonach von der Regierung unterstützte Milizen hinter dem Massaker von Houla stünden, werden syrische Diplomaten von westlichen Regierungen ausgewiesen. Die Mehrheit der bei dem blutigen Anschlag getöteten Opfer wurde aus nächster Nähe exekutiert, sagte das Menschenrechtsbüro der Uno.
Der Uno-Hochkommissar für Menschenrechte, Rupert Colville, sagte am Dienstag laut Reuters, dass «von den beim Anschlag Getöteten weniger als 20 von 108 Opfern auf Artilleriefeuer und Panzerbeschuss zurückgeführt werden können».
«Es ist ganz klar, dass das, was in Houla stattfand, ein absolut abscheuliches Ereignis war, und ein wesentlicher Teil davon waren auf jeden Fall summarische Exekutionen von Zivilisten, Frauen und Kindern», erklärte Colville gegenüber Medienvertretern in Genf. «Im Moment sieht es so aus, als seien ganze Familien in ihren Häusern erschossen worden», berichtet die Nachrichtenagentur.
Überlebende schilderten den Uno-Beobachtern vor Ort, dass der Grossteil der Morde von Tür zu Tür, bei der 49 Kinder und 39 Frauen umgebracht wurden, von regierungsfreundlichen Shabiha Milizen ausgeführt worden seien.
Andere Augenzeugen haben die aufständischen Kämpfer beschuldigt und behaupten, dass die Attacken eine Vergeltung gegen diejenigen seien, die sich weigerten, gegen die Regierung zu den Waffen zu greifen.
Damaskus hat jede Beteiligung an dem Massaker dementiert und «bewaffnete Terroristen» für die Morde verantwortlich gemacht, die den Friedensprozess destabilisieren wollten.
Am Dienstag haben die Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich, Frankreich, Deutschland, Italien, Kanada und Australien angekündigt, sie würden als Reaktion auf das Massaker vom Wochenende ihre syrischen Botschafter ausweisen.
Der Sondergesandte der Uno und der arabischen Liga, Kofi Annan, sprach mit Präsident Bashar al-Assad, «um die ernste Besorgnis der internationalen Gemeinschaft bezüglich der Gewalt in Syrien zu übermitteln […] insbesondere bezüglich der jüngsten Ereignisse in Houla».
Weiter sagte er, sein Sechs-Punkte-Plan müsse vollständig umgesetzt werden, und «das geschieht nicht».
In einem Telefongespräch mit Annan wiederholte der russische Aussenminister Sergej Lawrow seine Forderung, dass beide Seiten des Konfliktes jede Gewalt einstellen sollten.
Lawrow hatte schon früher gewarnt, dass einige Länder die Tragödie ausnutzen, um eine militärische Lösung des Syrienkonfliktes zu forcieren.
Er verurteilte auch die Aufrufe des Führers des syrischen Nationalrates (Syrian National Council SNC), Burhan Ghalioun, die Kämpfe so lange weiterzuführen, bis der Sicherheitsrat «einer Militärintervention zustimmt». Der Aussenminister sagte, solches Gerede sei eine direkte Provokation eines Bürgerkrieges und stehe in direktem Gegensatz zu Annans Friedensplan.
Nach Gesprächen mit seinem britischen Amtskollegen sagte Lawrov, es sei «klar, dass beim Ereignis in Houla beide Seiten ihre Hand im Spiel hatten».    •
Quelle: Russia Today vom 29.5.2012, www.RT.com
(Übersetzung Zeit-Fragen)
(Übersetzung Zeit-Fragen)