Hilfe, die von Herzen zu Herzen geht

Die Schweizer Hilfsorganisation «Good Hearts Organisation» (GHO) hilft den Ärmsten der Armen im Kibera-Slum von Nairobi mit grossem Erfolg

Interview mit Alex Weigel, dem Gründer und Geschäftsführer von GHO

thk. Wenn man sich die Frage stellt, wie sinnvolle und erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit aus­sehen muss, so findet man im Hilfswerk «Good Hearts Organisation» ein Beispiel, das wesentliche Grundsätze erfolgreicher Schweizer Entwicklungszusammenarbeit verkörpert, weil die Organisation sich vor allem an den Bedürfnissen und Bedingungen der dort lebenden Bevölkerung orientiert.
Der Gründer und Geschäftsführer dieser Organisation ist der Schweizer Alex Weigel. Er hat begonnen, mit viel Herzblut aus dem Nichts eine Schule für Slum-Kinder aufzubauen, und hat dabei grossen Erfolg.
Obwohl Kenia kein Schwerpunktland der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit ist, bekommt er auch Unterstützung von der offiziellen Schweiz.
Was Alex Weigel dazu veranlasste, nach Nairobi auszuwandern, und nach welchen Grundsätzen er seine Schule, die «KidStar Academy», aufgebaut hat und führt, verrät er im nachfolgenden Interview.

Herr Weigel, Sie sind der Gründer und Geschäftsführer der Hilfsorganisation «Good Hearts Organisation», die in Kibera, im grössten Slum von Nairobi, eine Schule und eine medizinische Versorgungsstelle betreibt. Wie kam es dazu?

Das hat eine lange Geschichte. Ich hatte während meiner Gymnasialzeit das Privileg, nach Mexiko reisen zu können, dort habe ich Armut zum ersten Mal mit eigenen Augen gesehen. Das hat mich sehr berührt, und ich habe mir gesagt, irgendwann im Leben wirst du etwas dagegen tun, irgendwann werde ich versuchen, dem entgegenzuwirken und den Leuten zu helfen, die davon betroffen sind, von Armut, Hunger und Ausbeutung und allem, was damit zusammenhängt. Ich habe mich eigentlich immer für soziale Anliegen interessiert, bin aber schliesslich in eine Karriere bei einer Versicherung eingestiegen, die im Lauf der Zeit von einer Bank übernommen wurde. Mein eigentliches Ziel habe ich nie ausser acht gelassen, nämlich mich in der Entwicklungszusammenarbeit zu engagieren. So bekam ich die Chance, ein paar Jahre bei einer weltweit tätigen Hilfsorganisation die Kundendienstabteilung zu leiten, und bin damit meinem Wunsch ein bisschen näher gekommen, den Menschen in der dritten Welt zu helfen. Dieser Wunsch ist um so stärker geworden, je mehr ich Einblick in die Zustände gewann. Der Eindruck hat sich noch verstärkt, als ich in der glücklichen Lage war, eine Reise von Paten und Sponsoren nach Lateinamerika zu leiten. Dort haben wir im speziellen Projekte in Nicaragua besucht. Dabei wuchs in mir der Wunsch wieder sehr stark, etwas direkt bewirken zu wollen. Ich hatte auch schon andere Projekte auf anderen Kontinenten besucht, war auch in Asien gewesen, hatte aber den afrikanischen Kontinent noch nie besucht. Nachdem ich einige Kontinente schon mehrmals betreten hatte, war für mich der Zeitpunkt gekommen, Afrika zu besuchen. Als meine Tochter 18 Jahre alt wurde, entschlossen wir uns, eine Ferienreise an einen ganz anderen Ort zu machen. Die Reise führte uns diesmal nicht nach Kalifornien oder auf die Insel Kreta, sondern nach Kibera, dem grössten Slum in Nairobi. Dort hatten wir keine grossen Pläne, ausser einer viertägigen Safari in den Masai Mara, und den Rest der Zeit in Kibera, im am dichtesten besiedelten Slum von Afrika, zu verbringen.

Was hat den entscheidenden Ausschlag gegeben, die Zelte in der Schweiz abzubrechen und nach Kibera zu ziehen, das geordnete Leben mit viel Ungewissheit zu tauschen?

Wir haben dort so viele Menschen getroffen und gesprochen und so viele Dinge gesehen, dass ich mir gesagt habe: Jetzt musst du etwas machen. Wenn ich jetzt nichts mache, bin ich vor mir selber unglaubwürdig. Ich habe meine damalige Position gekündigt. Bin kurz vor Weihnachten noch im gleichen Jahr nach Nairobi gereist. Dort kontaktierte ich die Leute, die ich beim ersten Mal im Slum getroffen hatte, und evaluierte, was man Sinnvolles machen könnte.

Wie ist die Idee entstanden, eine Schule zu gründen?

Ich hatte wohl im Kopf, dass wir eine Hilfsorganisation gründen könnten, aber man muss­te erst einmal sehen, ob und wie das überhaupt möglich war. Nach kurzer Zeit Anfang Januar haben wir mit der Schule angefangen. Ich hatte eine Wanderung durch den Slum gemacht und verschiedene Gebiete evaluiert. Dabei stellte ich fest, dass der Teil, in dem Raila, Gatwekera und Soweto West zusammenkommen, wohl der ärmste ist. Ich habe mich mit den Gebietsältesten unter einem Blechdach getroffen und mit ihnen die Diskussion geführt, um zu erfahren, was sie am nötigsten brauchen.

Was haben diese Menschen für Vorschläge gemacht?

Wir haben eine ganze A4-Seite gefüllt mit wünschbaren Projekten und Aktivitäten. Schliesslich haben wir uns nochmals viel Zeit genommen, um gemeinsam zu priorisieren. Als erste Priorität resultierte eine 24 Stunden und 7 Tage operierende Klinik. Ich musste den Leuten sagen, dass ich damit nicht anfangen kann, weil es meine damals als Privatperson entsprechend beschränkten Möglichkeiten übersteigt. Schon an zweiter Stelle stand aber eine Schule, und zwar für Kinder, die noch recht klein sind, ab drei Jahren. Dann können die Eltern einer bezahlten Tätigkeit nachgehen, während die Kinder bei uns tagsüber versorgt sind. Das lag im Rahmen meiner Möglichkeiten und würde uns ausserdem die Türe zu den Familien und ihren Problemen öffnen. Fangen wir also damit an.

Ich stelle mir das nicht einfach vor, als Fremder eine Schule in einem Slum bei den Ärmsten der Armen aufzubauen. Man kommt in eine ganz andere Kultur und dort mit Menschen in Berührung, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. Wie sind Sie vorgegangen?

Ich habe eine Lehrerin kontaktiert, die ich bei meinem ersten Besuch mit meiner Tochter und ihrer Freundin kennengelernt habe.
Wie haben Sie diese Lehrerin kennengelernt?
Das war absolut zufällig. Wir hatten damals Kontakt zu einer Jugendgruppe im Slum, die eine «Slum-Putzete» organisierte. Gerne haben wir als Besucher mitgeholfen, und die Lehrerin war damals eben auch mit dabei. Wir kamen ins Gespräch. Sie war Montessori-Lehrerin in einer etablierten Schule im Slum. Dort hatte man ihr schon seit sieben Monaten keinen Lohn mehr bezahlt. Also war sie bereit, etwas Neues mit aufzubauen. Wir haben dann noch eine Freiwillige dazu genommen, eine Lehrerin, die auch auf Jobsuche war. So fing das Ganze an.
Als ich im April in die Schweiz zurückkam, hatten wir bereits das Projekt gestartet und über 20 Schülerinnen und Schüler. Es gab aber noch keine Organisation.

Das heisst, Sie haben das Ganze aus einem persönlichen Impuls heraus gestartet und bis zu diesem Zeitpunkt alles selber getragen, einschliesslich der Kosten?

Ja, das ist richtig. Das geschah aus der Notwendigkeit heraus. Wenn man sieht, was es dort braucht, kann man nicht anders. Ich habe meine bescheidenen Mittel dafür eingesetzt, mit meinem eigenen Geld auch teils gravierende Fehler gemacht, und dabei sehr viel dazugelernt. Das erste Jahr hatte ich operativ und finanziell weitgehend selbst bestritten, dann wollte ich aber einen Verein gründen, damit wir das ganze Projekt, das jetzt stetig wuchs, auf offizielle Füsse stellen können. Als ich die Gewissheit hatte, das Projekt längerfristig führen zu können, und mir auch mein persönliches Geld ausging, kam dann der Verein ins Spiel. So ging alles relativ schnell, und ich bin allen dankbar, die mir dabei geholfen haben. Beim Verfassen der Statuten und dem Aufbau des Vereins konnte ich zum Beispiel auf Freunde aus meiner Zeit bei einer Hilfsorganisation zurückgreifen.

Wie ist nun der Stand bei der Schule, wie hat sich das Projekt entwickelt? Wie reagieren die Menschen vor Ort darauf?

Ich wurde in Afrika immer sehr, sehr freundlich empfangen. Die Kenianer, die mich nicht kennen, die vielleicht auch keinen weiten Horizont haben, sehen einen Weissen wie mich einfach als Geldautomaten. Ausserdem sind es viele Leute, vor allem die Kinder, die grosse Hoffnung in die Weissen haben. Denn die meisten Weissen, die dort hinkommen und wirklich mit den Leuten in Kontakt treten, wollen helfen. Das hat den Einstieg sehr einfach gemacht. Manchmal kann man die Erwartungen der Menschen, die etwas kurzfristiger denken, nicht erfüllen. Viele finden, das ist ein Weisser, und der soll mir jetzt Geld geben. Das machen wir aber nicht.
Was den Einstieg noch erleichtert hat, ist, dass wir nur mit lokalen Leuten aus dem Slum gearbeitet haben. Das war eine optimale Symbiose. Ich habe das dem Häuptling dort so erklärt: Das ist wie Schokolade. Die ist zusammengesetzt aus besten afrikanischen Agrarprodukten, die in die Schokolade einfliessen, kombiniert mit ein wenig Technologie, die in der Schweiz, hier in Zürich, erfunden wurde. Und die Synthese dieser beiden Ingredienzen ergibt die beste Schokolade, die wir auf beiden Seiten der Erdkugel gerne haben. Das können wir erreichen, wenn wir auf beiden Seiten das Beste geben. Genauso haben wir die Schule aufgebaut. Die Akzeptanz bei den Leuten hat uns geholfen, dass uns von den Menschen dort sehr einfach Türen geöffnet wurden, auch bei den lokalen Behörden. Dort haben wir wirklich offene Türen eingerannt. Auf Probleme stösst man dann, wenn die Behörden meinen, sie könnten Geld von uns bekommen, aber da sind wir äusserst konsequent: Korruption unterstützen wir absolut nicht. Das machen wir aus Prinzip nicht, da hilft auch meine Toggenburger Sturheit.

Lassen Sie uns noch über die Schule sprechen. Wie läuft der tägliche Schulbetrieb ab? Was für Erfahrungen haben Sie dabei gewonnen?

Im täglichen Schulbetrieb hatten wir von Anfang an viele Herausforderungen. So haben wir gelernt, dass man den Kindern auch ein Mittagessen geben muss. Wir wussten, dass wir ihnen ein Frühstück geben werden, aber es war schnell klar, dass wir auch am Mittag eine Mahlzeit bereitstellen müssen. Die Kinder könnten zwar über Mittag nach Hause, aber dort bekommen sie eben nichts zu essen, weil nichts da ist. Dabei habe ich eine eindrückliche Erfahrung gemacht. Weil wir grundsätzlich partizipativ arbeiten wollen, das bedeutet, dass die Leute selbst etwas beitragen sollen, bringen wir die Teller und das Essen, aber wir möchten, dass die Kinder von zu Hause einen Löffel mitbringen und mit diesem dann das Essen bei uns einnehmen können. Der Löffel bleibt dann natürlich in der Schule. Zwei Eltern haben uns gesagt, dass das nicht gehe, und auf meine Frage, warum denn nicht, antwortete eine Mutter: Weisst du, das ist unser einziger Löffel und den brauche ich zum Kochen, wenn es am Abend was zu essen gibt. Diesen Löffel teilen wir uns dann auch zum Essen. Wir sind eine achtköpfige Familie.
So geht es den Menschen dort. Ich habe mich geschämt und musste meine Tränen verbergen, war aber dankbar für die Ehrlichkeit. Wir haben natürlich viel daraus gelernt.
Die Schule ist gewachsen, immer mehr Eltern oder Bezugspersonen brachten ihre Kinder. So bekamen wir einen tieferen Einblick in die Welt der Menschen hier und sahen uns mit vielen ihrer Probleme konfrontiert. Nicht nur wenn eine Schülerin oder ein Schüler krank wird, sondern wenn irgendeiner aus der Familie erkrankt, die Eltern oder diejenigen, die für die Versorgung der Kinder zuständig sind, oder eines der Geschwister, dann brauchen diese dringend medizinische Versorgung, weil sonst in Kürze alle leiden und «unser» Kind zu lange nicht die Schule besuchen könnte. Wir mussten also noch ein medizinisches Programm anschliessen. Das heisst, ich oder eine Helferin tragen täglich ein paar Kinder zu unserer Ärztin Dorah, die eine ausgewiesene Ärztin ist, lange im renommiertesten Spital von Ostafrika gearbeitet hat und nun im Slum zwei Krankenstationen und eine Geburtsklinik führt. Sie sind rund um die Uhr beschäftigt. Sie ist ein herrlicher Mensch.

Es ist beeindruckend, was Sie in so kurzer Zeit aufgebaut haben. Ist die Zukunft der Schule gesichert?

Wir sind gewachsen und könnten beliebig weiterwachsen, aber leider ist der Platz beschränkt. Wir müssen uns jetzt noch auf gut 80 Schüler begrenzen, auch damit die Qualität nicht leidet. Dadurch, dass wir medizinische Hilfe anbieten und ein Ernährungsprogramm im Rahmen der Welternährungsorganisation WFP durchführen können, erreichen wir derzeit 800 der bedürftigsten Menschen im Slum. Das sind die Eltern, die Geschwister und die Verwandten unserer Kinder und einige sehr arme Familien, die wir kennen, weil wir schon drei Jahre da sind. Das WFP vertraut uns, weil wir die Menschen richtig versorgen, direkt und bedarfsgerecht, und wir genau Buch führen über die abgegebenen Nahrungsmittel und den Gesundheitszustand der Kinder. Das ist der Stand heute. Wir dienen 800 Menschen, aber die Schule sollte weiter wachsen können. Dann könnten wir potentiell viel mehr Menschen erreichen. Wir möchten auch gerne auf dieser Seite des Slums eine Klinik anbieten und ein Programm aufbauen für Menschen mit HIV und Aids. Die betreuen wir auch am Rande, aber nicht so umfassend, wie wir das gerne machen würden. Wir haben ganz schlimme Fälle gesehen, wo wir einfach mehr machen möchten. Es sollte auch eine Möglichkeit für die vielen Waisenkinder geben, damit sie an einem sicheren Ort übernachten könnten. Es kommt auch oft vor, dass Familien auseinandergerissen werden und die Kinder irgendwo hinkommen, wo sie vermutlich weder in die Schule gehen noch sich sonst gut entwickeln können. Wir wollen für und mit diesen Menschen Möglichkeiten entwickeln. Das alles hatten wir schon länger geplant, sind aber bei der Regierung immer auf Ignoranz gestossen, und zwar aus dem einfachen Grund, weil ich nicht bereit bin, der Korruption Futter zu geben. Wenn ich unser Konzept vorlege, und das habe ich bisher viermal gemacht, dann lege ich nicht noch ein paar Scheine dazu, obwohl ich mir bewusst bin, dass die Gegenseite das erwartet. Ich mache das trotzdem nicht.

Sie sind noch mit weiteren Unwegsamkeiten konfrontiert.

Wir haben im Moment die Situation, dass unsere Schule und Behausungen für weitere 6000 Menschen einem Strassenprojekt weichen sollen, und zwar aus dem einfachen Grund, weil ein paar korrupte Sprösslinge von hohen Regierungsvertretern eine Menge Land sich selbst zugeschrieben haben und deshalb eine sehr grosse Strasse anders geführt wird, als es ursprünglich geplant war. Das ist auch auf den Plänen der Stadt ersichtlich. Jetzt werden sehr bald 5 Schulen, 2 Spitäler, 3 Kirchen und viele Slumbehausungen zerstört werden, natürlich ohne dass jemand es kompensieren würde.

Wie geht es dann mit der Schule weiter?

Einerseits ist es eine Bedrohung, weil man nie weiss, wann genau die Bulldozer kommen. Diese Situation hat den Bewohnern und mir schon so manchen Schlaf geraubt. Die Grenzsteine haben sie bereits versetzt, und in ein bis zwei Monaten ist dort alles flach. Das ganze Land ist von einer chinesischen Baufirma neu vermessen worden, die die Arbeiten durchführt, unter dem Schutz von zwei Spezialeinheiten der Polizei, die mit Waffen und Tränengas nicht sparsam umgehen.
Gelernt habe ich in Afrika, ob all der Probleme auch unsere Chancen darin zu erkennen. Wir haben an höchster Stelle, beim Premierminister, einen Antrag gestellt, nämlich Land zu verlangen, das wir uns als Ersatz ausgesucht haben. Das Grundstück ist sehr steil, und bis jetzt hat sich noch niemand dafür interessiert, weil man dort so nicht bauen kann. Aus diesem Grund ist das Land wie für uns frei geblieben. Sonst wird alles verbaut, wo es nur möglich ist. Zum Teil stehen die Hütten am Hang, und die Menschen müssen in Hanglage schlafen, das ist ganz schrecklich. Dazu fliesst noch Abwasser durch dieses Gelände.

Wie können Sie dann darauf etwas aufbauen?

Wir kommen wieder zurück auf die Schokolade. Mit unserer Technologie etwas machen, was wir kennen und wissen und mit den vorhandenen Möglichkeiten und Ressourcen vor Ort kombinieren. Wir müssen das Land terrassieren, und auf diese Terrassen können wir dann die einzelnen Projekte stellen. Wir aus der Schweiz haben damit Erfahrungen aus unseren Berggebieten, sogar in Zürich ist vieles an steilen Abhängen gebaut. Für das Engineering bekommen wir professionelle Hilfe aus der Schweiz. Zusammen mit den vielen arbeitslosen Menschen vor Ort können wir dann das Gelände terrassieren. Wir können dort alles bauen, was gebraucht wird: eine grössere Schule, eine Klinik, ein Gemeinschaftszentrum, ein HIV-Aids-Zentrum und viele weitere Aktivitäten bis hin zu einem Gewächshaus, um Lebensmittel für den Eigenbedarf anzupflanzen, und einer Biogasanlage, mit der man die Abwässer aus dem Slum zur Energiegewinnung nutzen kann und gleichzeitig noch gute Erde bekommt. An Plänen fehlt es nicht, aber wir müssen das Land noch zugeschrieben bekommen.

Wie sind die Chancen, dass Sie das Land bekommen?

Wir sind zuversichtlich, weil andere Organisationen kaum in der Lage wären, dort etwas zu machen. Irgendwie ist dieses Land einfach wie für uns bestimmt. Dann ist in Kenia gerade Wahljahr und der Premierminister will Präsident werden. Unser Projekt liegt in seinem Wahlbezirk. Objektiv gesehen ist es für uns eigentlich auch nicht möglich, das Land zu bekommen und all die nötigen Projekte darauf zu realisieren, es sei denn, viele Menschen, die ein Herz dafür haben, unterstützen uns, damit die Hilfe von Herzen zu Herzen weitergeht. Das ist unser Credo, wenn es um die Entwicklungszusammenarbeit geht. Wir wollen nicht Projekte realisieren, sondern wir möchten Beziehungen bauen. Wir erachten das Aufbauen von Beziehungen zwischen allen Beteiligten als zentral für eine erfolgreiche Hilfe. Diese Beziehungen am Ort betrachten wir als etwas, was stark geknüpft werden muss, damit es ein Netz ergibt, das tragfähig ist, damit die Menschen in Würde überleben können. Das ist unsere Auffassung: von Mensch zu Mensch, von Herzen zu Herzen. So können wir gute Entwicklungszusammenarbeit aufbauen, die den Anspruch auf echte Nachhaltigkeit erheben darf. Dadurch werden Spenden, ob klein oder gross, auch regelrecht zu eigentlichen Investitionen. Was wir in den letzten drei Jahren dort gesehen haben, zeigt uns, dass dies der richtige Weg ist, um in eine Zukunft zu gehen, die für diese Menschen besser ist, und damit auch für uns in der Schweiz. Je mehr Probleme die Menschen in der dritten Welt haben, um so mehr Probleme haben wir auch bei uns in der Schweiz. Unsere Welt ist so verknüpft, wirtschaftlich, politisch und in so vielerlei Hinsicht, dass wir (der Westen) uns nicht selbst betrügen sollten, indem wir weiterhin ein Käseglocken-Denken pflegen. Und wenn es den anderen Menschen besser geht, und das hat schon der Liedermacher Mani Matter gewusst, dann geht es uns auch besser. «Dene, wos guet geit, giengs besser, giengs dene besser, wos weniger guet geit.»

Ich denke, bei allem, was Sie berichtet haben, gebührt Ihnen und Ihren Mitarbeitern grösste Hochachtung für den täglichen Einsatz, den Sie für die Ärmsten der Armen leisten. Ich kann mir vorstellen, dass man immer wieder vor grosse, besonders auch menschliche Herausforderungen gestellt ist …

Dazu muss ich sagen, die grösste Unterstützung, ausser von denjenigen, die direkt in Kibera arbeiten, bekommen wir aus der Schweiz. Aber wir werden auch lokal von Biobauern unterstützt, die uns ein paar Kohlköpfe oder mal Kochbananen bringen oder Randen, was auch immer die Vorsehung für uns parat hat, um unseren Speiseplan für unsere Kinder noch abwechslungsreicher zu gestalten. Zusätzlich sind wir natürlich sehr glücklich über die Besuche und die Unterstützung durch die Schweizer Botschaft in Nairobi. Dieses Jahr hilft sie uns mit einem einmaligen Betrag, damit wir die stark gestiegenen Lebensmittelpreise und die extrem explodierten Preise im medizinischen Bereich und auch die Löhne, die wir entsprechend anpassen mussten, bezahlen können. Das hat uns so eine grundsätzliche Sicherheit gegeben, dass wir weiterhin unsere Planung vernünftig machen konnten. Die Schule und ihre Programme können so weiter laufen, besonders jetzt, wo wir uns darauf vorbereiten, an einen neuen Ort umzuziehen. Das Ganze ist stark von Beziehung getragen. Die Unterstützung des Botschafters, sein persönlicher Beistand, der für mich wichtig ist. Er bringt mich immer wieder dazu zu sagen: «Nein, Alex, es gibt zwar viele Dinge und viele Kräfte, die dagegen wirken, aber du musst nicht aufgeben, es gibt einen Weg.» Schwierigkeiten, die ich in meiner Arbeit auch antreffe, kann ich so an einem berufenen Ort deponieren und Verständnis finden. Die Schweizer Botschaft in Nairobi ist für uns ein grosser Segen. Und: Gott steht immer auf der Seite der Armen, also steht er auf unserer Seite.

Herr Weigel, wir wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft und dass die Schule auch in Zukunft weiterhin ihre segensreiche Arbeit fortführen kann. Vielen Dank für das Gespräch.     •

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