Ist die Nothilfe wirklich ungenügend?

Die jüngst vom Nationalrat beschlossenen Verschärfungen im Flüchtlingswesen stiessen bei den vier konfessionell orientierten Amtsstellen auf Kritik und teilweise auf heftige Ablehnung. Am meisten Zurückhaltung zeigte dabei der katholische Bischof Felix Gmür, dies interessanterweise im Gegensatz zum Einsiedler Abt Martin Werlen. Missfallen fand unter anderem, dass sich nunmehr sämtliche Flüchtlinge mit der Nothilfe sollen begnügen müssen.
Ist indes diese Reduktion auf acht Franken pro Tag wirklich unzumutbar?
Verstösst diese Massnahme gar gegen die Menschenwürde, wie dies unsere Religionsvertreter weitgehend meinen? Meinerseits kann ich eine solche Auffassung jedenfalls nicht teilen. Als Alleinstehender (Witwer) unterschreite ich an den Tagen, an denen ich mich selbst versorge, eindeutig den genannten Nothilfebetrag von acht Franken. Andererseits kann ich mit dem vorigen Teil meines Einkommens einen beträchtlichen Beitrag an die Drittwelthilfe leisten. Seit Jahren liegt dieser auf über 20 Prozent meines Einkommens, betrachte ich es doch als eine sehr ernstzunehmende christliche Pflicht, dass wir unser Brot mit den Ärmsten der Erde zu teilen suchen.
Gleich Bischof Gmür in Solothurn vertrete ich die Meinung, dass bei der angestrebten Missbrauchsbekämpfung «die Asylsuchenden auch weiterhin mit einem fairen Verfahren rechnen dürfen». Vertrauen wir doch weiterhin auf die humanitäre Tradition unseres Landes, die bisher keineswegs kleinlich war.

Traugott Voegeli-Tschirky, Leibstadt