Risse im System

Risiken, Indizien und die Warnungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich

Seit dem Zusammenbruch des amerikanischen Immobilienbooms 2007 und seit dem Beginn der Desintegration des Euro-Systems im Winter 2009/2010 versuchen die Regierungen immer wieder, den Eindruck zu erwecken, sie hätten alles unter Kontrolle und das Schlimmste sei überstanden. Da ist es für den Anleger nicht leicht, zwischen Schönrederei, Alarmismus und der objektiven Lage zu unterscheiden. Er muss die harten Zahlen und Fakten kennen und vor allem darauf achten, was die Marktteilnehmer tun – weniger darauf, was sie sagen, versprechen oder zu hoffen vorgeben.
Weil das so ist, war der Aufmacher im Wirtschaftsteil der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» vom 7. August von hohem Informationswert. Der Titel lautete: «Konzerne ziehen Geld aus dem Euro-Raum ab – Shell, Vodafone und Glaxo Smith Kline rüsten sich für den Zerfall der Währungsunion.» Die Meldung hat Gewicht, wenn man bedenkt, dass Royal Dutch Shell Europas grösster Konzern ist und Ende Juni über Barmittel von 17,3 Milliarden Dollar verfügte. Ähnliche Vorkehrungen haben die sehr erfolgreichen britischen Unternehmen Reckitt Benckiser (Reinigungsmittel) und Diageo (weltgrösster Spirituosenhersteller) sowie der niederländische Brauereikonzern Heineken getroffen.
Dass es gute Gründe für derartige Vorsichtsmassnahmen gibt, lässt sich auch aus dem im Juni erschienenen 82. Jahresbericht der Basler Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) entnehmen. Als Bank der Zentralbanken weiss die BIZ besser als andere Beobachter, was läuft und wo die Schwachstellen des Systems liegen. So konnte niemand, der die Jahresberichte der BIZ gründlich studierte und ernst nahm, über den Ausbruch der grossen Finanzkrise 2007/2008 überrascht sein. G&M hat die BIZ-Veröffentlichungen immer wieder zitiert. Wie ernst ist die Lage im Sommer 2012?    •

Quelle: G&M Gold &Money Intelligence, Nr. 369 vom 20.8.2012