Die USA erlitten den schlimmsten Luftwaffenverlust seit Vietnam, und niemand hat es bemerkt

von John Hudson

Der Taliban-Anschlag auf einen Luftwaffenstützpunkt in Südafghanistan am Freitag [14.9.2012] zog die Aufmerksamkeit der Presse auf sich, auf Grund der Art wie sich die Aufständischen mit US-Armeeuniformen tarnten, um einen taktischen Vorteil zu gewinnen. Nur wenige haben jedoch die historischen Dimensionen des angerichteten Schadens bemerkt. John Gresham vom Defense Media Network hat einen detaillierten Bericht über den Anschlag auf Camp Bastion publiziert, in welchem zwei Marinesoldaten getötet, sechs Kampfjetflieger zerstört und zwei weitere «erheblich» beschädigt wurden. Diese Tatsachen waren in den meisten Berichten enthalten, aber wenn das nur wie ein typischer Schadensbericht aus einem jahrzehntenlangen Krieg klingt, irrt man sich. Gresham erläutert den verheerenden Schaden an VMA-211, des Angriffsgeschwaders des US-Marine Corps, das letzte Woche am meisten betroffen war. Er bemerkt, dass es «wohl der schwärzeste Tag in der Luftfahrtgeschichte [der US-Marine Corps] seit der Tet Offensive von 1968» sei. Oder man könnte noch weiter zurückgehen. «Das letzte Mal, dass VMA-211 kampfunfähig war, war im Dezember 1941, als das Geschwader während der dreizehntägigen Verteidigung von Wake Island gegen die Japaner ausgelöscht wurde.»
Er erklärt einige weitere Einzelheiten des Anschlags:
8 unersetzbare Flugzeuge (die AV-8B wird seit 1999 nicht mehr produziert) sind zerstört oder ausser Gefecht gesetzt worden – ungefähr 7% der ganzen US MC Harrier Flugflotte. Was die Sache noch schlimmer macht, ist die Tatsache, dass die betroffenen Flugzeuge zur AV-B+ Variante gehörten, die mit dem APG-65 Radar und AAQ_28 Litening II-Plattformen ausgerüstet waren – den wirksamsten der Streitmacht. In Anbetracht der momentanen finanziellen Situation ist es wahrscheinlich, dass die zwei beschädigten AV-8Bs Ersatzteile, sogenannte «Hangar queens», werden und nie mehr fliegen. Ein Harrier-Geschwaderkommandant und ein Marinesoldat wurden getötet. Weitere 9 Personen wurden verwundet, und die nebenan in Camp Freedom stationierten Marines sind jetzt ohne wirksame Hubschrauberunterstützung. Die Reaktion der US-MC auf diese Katastrophe wirft ein Licht auf ihre Führung und deren Beweglichkeit bezüglich Organisation.
Der Vorfall zeigt, wie desensibilisierend ein jahrzehntelanger Krieg sein kann. Wenn jeden Tag Zahlen von Gefallenen in der Presse auftauchen, dann kann es leicht passieren, dass historische Meilensteine der Zerstörung unbemerkt bleiben.    •

Quelle: www.theatlanticwire.com vom 21.9.2012
(Übersetzung Zeit-Fragen)