Schule von Kondorfa

Der Zimmermeister Janos Györke baute 1826 den Ständerbohlenbau mit Schaubendach, freiem Rauchfang und Laube. In diesem Gebäude befand sich um 1860 als Provisorium die klassenlose katholische Dorfschule. Der Lehrer wohnte ebenfalls hier. Die Einrichtung führt die charakteristische Welt der kirchlichen Schulen in den 1880er Jahren vor Augen. Alle schulpflichtigen Kinder wurden in einem Raum unterrichtet. Sie sassen in standardisierten Schulbänken. Sie schrieben mit Griffeln auf Schiefertafeln, und für eine neue Aufgabe wischten sie die Tafel mit einem kleinen Schwamm ab. Vorne, auf dem Katheder, stehen der Lehrertisch mit einer Glocke, daneben die Tafel und ein Abakus als Hilfsmittel für den Rechenunterricht. An den Wänden sehen wir Schaubilder und Landkarten, die Ranzen der Kinder hängen an den Haken.
Wir betreten die andere Stube durch eine Tür in der Küche, wo der Lehrer mit Frau und Kind wohnte.
Er war gleichzeitig der Dorfkantor.
Er war belesen, er abonnierte eine Zeitung und besass Bücher. Er bekam nur einen Teil seines Lohnes in Form von Geldzahlungen. Die Dorfbewohner zahlten ihn mit Milch, Butter, Eiern und anderen Produkten. Das Getreide wurde für ihn in einem hölzernen Daubengefäss, dem Scheffel, abgemessen. Nach dem Unterricht bestellte der Lehrer sein Feld genau wie die anderen Dorfbewohner.
Die Schule wird heute für die Museums­ausbildung genutzt. Im ehemaligen Stall des Hauses haben wir einen kleinen Studienraum eingerichtet, in dem die hörgeschädigten Besucher mit Hilfe von visuellen Geräten die Gegenstände der Bauernwelt kennenlernen können.    •

Die Schulreform von Eötvös

Dank den Bemühungen des Kulturministers Jozsef Eötvös trat 1868 das Gesetz über den Volksunterricht in Kraft, das eine ausserordentliche Bedeutung besitzt. Das Gesetz verpflichtete die Eltern bei Geldstrafe, ihre Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren zur Schule zu schicken. Damit begann in Ungarn die allgemeine Schulpflicht. Das Gesetz verfügte, dass die Kinder von mittellosen Eltern schulgeldfrei waren und dass jedes Kind – so auch die Kinder der verschiedenen Nationalitäten – in der Volksschule in seiner Muttersprache unterrichtet werden sollte.