Wieder US-Special Forces im Irak im Einsatz

von Tom Hayden

Ungeachtet des offiziellen Rückzugs der US-Armee letzten Dezember sind nach Aussage eines amerikanischen Armeegenerals, der dort für Waffenverkäufe zuständig ist, «vor kurzem» amerikanische Spezialeinheiten für einen Terrorbekämpfungsauftrag in den Irak zurückgekehrt. Der Einsatz war von der «New York Times» erwähnt worden, im 15. Absatz eines Berichts über sich vertiefende konfessionelle Spaltungen.1
Die Ironie liegt darin, dass die USA in Bagdad ein pro-iranisches schiitisches Regime gegen einen sunnitisch begründeten Aufstand schützen, während sie gleichzeitig eine sunnitisch geführte Bewegung gegen die von Iran gestützte Diktatur in Syrien unterstützen. Die Rebellionen der Sunniten finden in der riesigen Region zwischen dem nordwestlichen Irak und dem südlichen Syrien statt, wo die Grenzen durchlässig sind.
Während des Irak-Krieges nahmen viele irakische Aufständische aus den Provinzen Anbar und Diyala Zuflucht in den sunnitischen Gebieten von Syrien. Jetzt wenden sie ihre Waffen gegen zwei Ziele: gegen die Regierung al-Maliki in Bagdad und gegen das Assad-Regime in Damaskus.
Die USA sind in den Widersprüchen von Stellvertreterkriegen gefangen, in denen sie den Alliierten Irans im Irak bevorzugen und zur gleichen Zeit versuchen, Irans Stellvertreter in Syrien zu verdrängen.
Die tödliche Komplikation der US-Politik besteht aus einem militärischen Rückzug, angetrieben durch politischen Druck der öffentlichen Meinung in den USA, gerade als der Krieg auf dem Schlachtfeld nicht gewonnen werden konnte. Militärische «Rückverlegung», wie das Szenario beschrieben wird, ist der Alptraum eines Generals. Im Falle von Vietnam wurde von der Administration Nixon vermutlich ein «angemessenes Intervall» vereinbart, um den Anschein eines ordentlichen amerikanischen Rückzugs zu schaffen. Während des gleichen «Intervalls» weitete Nixon seine Bombenkampagne ohne Erfolg aus. Zwei Jahre nach dem Pariser Friedensabkommen von 1973 brach Saigon zusammen.
Es ist unwahrscheinlich, dass das al-Maliki-Regime an die sunnitischen Aufständischen im Irak fällt, schon weil die sunnitische Bevölkerung ungefähr zwanzig Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass die Rückkehr von US-Special Forces die Stabilität des Irak wiederherstellen wird, und sie könnten bei einer Vertiefung der konfessionellen Spannungen ins Kreuzfeuer geraten. Eine wirkliche Lektion könnte für Afghanistan sein, wo ein weiterer, nicht zu gewinnender, nicht bezahlbarer Krieg zur Unterstützung eines unpopulären Regimes auf das Jahr 2014 zutaumelt.    •

Quelle: The Nation vom 25.9.2012
http://www.thenation.com/article/170158/us-special-forces-deployed-iraq-again

(Übersetzung Zeit-Fragen)

1    Syrian War’s Spillover Threatens a Fragile Iraq, The New York Times vom 24.9.2012