«Abgesänge auf den Greenback»

Die USA könnten sich in naher Zukunft schon gezwungen sehen, einen Yuan-Vorrat anzulegen

Steht dem Weltwährungsgefüge eine Umstellung und Änderung bevor, wie wir sie seit vielen Jahrzehnten nicht mehr gesehen haben? Währungsspezialisten in Europa sehen und spüren, dass vor allem im Fernen Osten die «Abgesänge auf den Greenback» stark zunehmen. «Akute Burnout-Gefahr» nennt es der Chef Devisenhandel einer grossen globalen Bank im Gespräch. Vor allem im Asienhandel und in der Ölwirtschaft werden Umwege um die Weltleitwährung gelegt. Im Handel fallen die USA sogar hinter China zurück. Und immer mehr Beobachter in den USA fürchten ein Desaster als Folge der ultra-lockeren Geldpolitik der FED …
Auffälliges Zeichen: Die Schwellenländer der BRICS-Gruppe – also Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika – basteln mehr oder weniger offen an ihrer eigenen Entwicklungsbank. Geplantes Startkapital: 50 Milliarden Dollar (!). Es ist klar – in einer späteren Phase – als mögliche Konkurrenz zum Internationalen Währungsfonds, bei dem die USA das Sagen haben, gedacht. Die Volksrepublik China ihrerseits forciert immer stärker und offener die Ausbreitung des Yuan. Dieser steigt im innerasiatischen Handel rasch zu einer bevorzugten Abrechnungswährung auf. Während Europa sich durch eine schmerzhafte Schuldenkrise quält. Den USA droht nach dem Rückgang des Brutto­inlandprodukts im Schlussquartal 2012 wieder eine Rezession. Doch China stieg 2012 trotz weniger Wachstum zur gröss­ten Handelsnation der Welt auf und nahm den USA die Krone – die diese seit dem Zweiten Weltkrieg trugen – kurz, aber schmerzhaft ab …
Das deutsche Manager Magazin spricht Klartext: Nach Jahrzehnten, in denen die Supermacht USA über die Globalisierung sowie über strategische Verträge und expandierende Wall-Street-Giganten wie Coca-Cola, General Electric und IBM im Rest der Welt den Taktstock schwang, wendet sich jetzt das Blatt. Und diese Wende ist dramatisch. Im Welthandel entsteht eine neue Infrastruktur, die zunehmend bereit ist, auf die Weltleitwährung Dollar zu verzichten. «Die neuen Spitzenspieler in der rasant veränderten ökonomischen Champions-League kommen aus Asien, Lateinamerika, Afrika» …
Die Boston Consulting Group hat dieser Tage zum fünften Mal seit 2006 eine Liste der 100 grössten Herausforderer aus den Schwellenländern aufgestellt. Von den «100 Global Challengers» kommen 30 aus China. 20 aus Indien. Satte 1000 Firmen aus den aufsteigenden Schwellenmärkten haben seit 2006 die Schallmauer von 1 Milliarde Dollar Jahresumsatz durchbrochen. Die Studie nennt sie die Volkswagen, Wal-Marts und Apples der Zukunft! Jetzt sind sie auf dem Sprung, den Westen das Fürchten zu lehren. Und die Leitwährung für ihre weltweite Attacke auf das etablierte globale Wirtschaftssystem heisst nicht mehr automatisch Dollar, sondern immer öfter Renminbi. Die USA könnten sich in naher Zukunft schon gezwungen sehen, einen Yuan-Vorrat anzulegen, um im Welthandel voll mitzuhalten …
Die Nervosität in den USA angesichts dieser Wachablösung schlägt mancherorts bereits in Zynismus um. «Wir sehen einen Währungskrieg», sagt der CEO von Euro Pacific Capital, Peter Schiff. «Was Währungskriege von anderen Kriegen unterscheidet», fügt er hinzu, «ist die Tatsache, dass man sich dabei selbst umbringt, und die USA scheinen in diesem Sinne als Sieger bereits festzustehen.»
Auch dem Medien-Tycoon und Milliardär Steve Forbes wird es langsam mulmig: «Die US-Notenbank produziert wie ein Süchtiger immer wieder Desaster», sagt er und fürchtet, die aktuelle Geldpolitik könne gar die US-Wirtschaft ruinieren …

Quelle: Vertraulicher Schweizer Brief Nr. 1350 vom 21.2.2013