Bienenhaltung als Beitrag zum Vogelschutz

Exotische Ziergehölze sind in unseren Gärten und Parkanlagen beliebt – dies zum Leidwesen der einheimischen Vogel- und Insektenwelt

von Helmut Hintermeier, Galmersgarten

Die Verwendung einheimischer bienenattraktiver Vogelnährgehölze in Obst- und Hausgärten, Parks und anderen öffentlichen Anlagen sollte heute eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Doch bedauerlicherweise stehen im Durchschnittsgrün unserer Dörfer und Städte fremdländische Ziergehölze noch immer höher im Kurs. Vordergründigstes Argument und Auswahlkriterium ist ein möglichst üppiger und dekorativer Blütenflor – spätestens nach der Blüte fristen viele Sträucher jedoch ein grünes und für Tiere uninteressantes Schattendasein. Nicht wenige Arten (Gefüllter Schneeball, Zuchtform: Viburnum opulus; Zierkirschen, Prunus spez.; Rotdorn, Zuchtform: Crataegus laevigata) sind zudem unfruchtbar und selbst fruchttragende Zuchtformen locken Insekten und Vögel weit weniger an als ihr heimisches Pendant (vgl. Tabelle). Dabei könnten die rund vier Dutzend für Gärten geeigneten Wildsträucher in ihrem Zierwert mit den so beliebten Exoten durchaus konkurrieren. Noch weit wichtiger ist ihr in der letzten Ausgabe bereits angedeuteter ökologischer Stellenwert, der indirekt auch dem Menschen zugute kommt: Die durch Bienenbestäubung reicher ausfallenden Fruchtbehänge vermögen nicht zuletzt die von manchen Vögeln in Obstkulturen verursachten Schäden, wenn auch nicht völlig zu verhindern, so doch wirksam zu verringern: Im Spätwinter, wenn die Nahrungsvorräte knapp werden, haben es bekanntlich Gimpel (Pyrrhula pyrrhula), Meisen (Parus spez.), Sperlinge (Passer domesticus) und Finken (Fringillidae) auf die Knospen unserer Obstbäume abgesehen. Besonders begehrt sind dabei die vitamin- und eiweissreichen Blütenknospen, von denen bereits ein einziger Gimpel in der Minute bis zu 30 Stück verzehren kann. Britische Wissenschaftler haben jedoch herausgefunden, dass sich die winterliche Nahrung der Gimpel im wesentlichen aus den Früchten und Sämereien einiger weniger Pflanzen (Ahorn-, Birken- und vor allem Eschensamen) zusammensetzt und die Vögel erst dann auf Knospennahrung umsteigen, wenn das herbstliche Angebot an Samen und Früchten zurückgeht oder auf Grund zu weniger Bäume nicht ausreicht.
Vögel als Landschaftsgärtner
Die Erhaltung einer möglichst artenreichen, vielgestaltigen Kulturlandschaft und die Wiederbelebung bereits ausgeräumter Landstriche und Monokulturen mit Einzelbäumen, Sträuchern und «bunten» Hecken sollte daher Imkern, Obstbauern, Vogel- und Naturschützern gleichermassen am Herzen liegen. Vögel haben jahrtausendelang vor jeglicher Forstwirtschaft zur Verbreitung der Bäume und Sträucher beigetragen. Diese gärtnerische Aktivität der Vögel wird in sogenannten Benjes-Hecken heute bewusst genutzt. Das Verfahren ist verblüffend einfach und kostenlos dazu: An passender Stelle wird eine Barriere aus Gestrüpp (Schnittabfälle von Gehölzen) aufgeschichtet, drei bis vier Meter breit und etwa einen Meter hoch – je länger, je besser. Den Rest besorgt der «Plumpsklo-Effekt der Vögel»: Mit dem dort abgesetzten Kot gelangen die Samen der späteren Heckensträucher ins Gestrüpp. Schon im ersten Sommer entwickelt sich eine Krauthecke, die je nach Bodentyp und Grundwasserstand mehr oder weniger schnell in eine Hochstaudenhecke übergeht. Vor Verbiss geschützt, erscheinen schon bald die ersten Sträucher, die jedoch durch Rückschnitt in ihrem weiteren Wachstum «angehalten» werden müssen, da sonst eine Baumhecke entstehen würde. Einige Bäume sind aber erwünscht und im wahrsten Sinne des Wortes von überragender Bedeutung. Neuerdings wird auch die Anlage «modifizierter Benjes-Hecken» empfohlen, die ein planbares Einbringen von bestimmten Gehölzen ermöglicht. «Ob aber die Heckensträucher nur dürftig mit Beeren besetzt oder brechend voll sind, das entscheiden die Bienen, denen entlang der Hecke eine Saumzone geboten werden muss, in der es immer etwas Blühendes geben sollte.» (H. Benjes)    •

Quelle: Schweizerische Bienenzeitung, Dez. 2012

Literatur
Turcek, F. J. (1961): Ökologische Beziehungen der Vögel und Gehölze. Slovakische Akademie der Wissenschaften, Bratislava.
Benjes, H. (1986): Die Vernetzung von Lebensräumen mit Feldhecken. Natur & Umwelt, München.
Bayerischer Forstverein (1998): Sträucher in Wald und Flur: Bedeutung für Ökologie und Forstwirtschaft: natürliche Vorkommen in Wald- und Feldgehölzen: Einzeldarstellungen der Straucharten.
Ecomed, Landsberg am Lech.
Berger, H.-J. (1995): Die Anlage einer modifizierten Benjes-Hecke – Bericht über eine vielversprechende Methode. Mitteilungen der LÖBF NW 20 (3): 18–22.
Hecker, U. (1985): Laubgehölze. Wildwachsende Bäume, Sträucher und Ziergehölze. BLV Intensivführer. BLV Verlagsgesellschaft München, Wien, Zürich.
Roeser, B. (1988): Saum- und Kleinbiotope.
Ecomed, Landsberg am Lech.
Rossberg, P. (1995): Untersuchungen zur Nutzung von modifizierten Benjes-Hecken durch die Avi-fauna. Mitteilungen der LÖBF NW 20 (3): 22–25.
Westrich, P. (1990): Die Wildbienen Baden-Württembergs. Teil 1 und 2. E. Ulmer Verlag, Stuttgart.
Witt, R. (1991): Leckerbissen für Vogel, Maus und Käfer, kraut&rüben 10:91.
Witt, R. (1989): Wildsträucher in Natur und Garten. Stuttgart.
Zwölfer, H. (1981): Ökologische Funktionsanalyse von Feldhecken – Tierökologische Untersuchungen über Struktur und Funktion bio-zönotischer Komplexe. Schlussbericht an das Bayerische Landesamt für Umweltschutz. München
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