Sollte der Bund die Freigabe von GVO-Pflanzen in Betracht ziehen …

… werden die Imkerverbände die demokratischen Möglichkeiten ausschöpfen, um eine Legalisierung zu verunmöglichen

Liebe Imkerinnen, liebe Imker
Oftmals werden die schweizerischen Imkerverbände bei bienenrelevanten Themen von Bund und Verwaltung als zu berücksichtigende Gesprächspartner nicht wahrgenommen, werden bei Vernehmlassungen gar nicht angesprochen. Beim GVO (gentechnologisch veränderte Organismen)-Moratorium, welches 2017 auslaufen wird, ist dies anders. Mit Genugtuung durften wir feststellen, dass unsere diesbezüglichen Interventionen gefruchtet haben und apisuisse als Vertreterin unserer Verbände zur Stellungnahme eingeladen wurde. Selbstverständlich haben wir die Gelegenheit wahrgenommen. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als die Zukunft der Imkerei in der Schweiz. Warum diese dramatischen Worte?
Gentechnologisch veränderte Pflanzen enthalten Erbmaterialteile von andern Lebewesen. So wird zum Beispiel in eine Maispflanze ein Stück Erbmaterial eines Bakteriums eingepflanzt, welches Schädlinge, welche von dieser Maispflanze fressen, abtötet. Solches Erbmaterial befindet sich überall in der Pflanze, also auch im Pollen, welchen die Bienen als Larvenfutter nach Hause tragen. Pollen befindet sich aber nicht nur in Pollenprodukten, sondern bekanntlich auch im Honig.
Welcher Schweizer Konsument würde nun noch Schweizer Honig kaufen, wenn auf der Etikette zu lesen wäre: «Kann Pollen von gentechnologisch veränderten Pflanzen enthalten»? Dann stellt er doch lieber gleich die Billigware aus Übersee in den Einkaufswagen.
Die Schweiz ist ein kleines Land. Bienen decken aber bei einem Flugradius von bis zu fünf Kilometern eine Fläche von beinahe 80 km2 ab. Selbst bei einer nur teilweisen Freigabe des bisherigen GVO-Anpflanzungsverbotes wäre es in der Schweiz also kaum mehr möglich, GVO-Pollen freien Honig zu produzieren. Eine wesentliche Motivation vieler Imker, natürliche Honige zu produzieren, würde dahinfallen. Sie würden die Imkerei aufgeben. Als Folge davon wäre die Bestäubung vieler Wild- und Nutzpflanzen in der Schweiz hochgradig gefährdet.
Unter diesen Voraussetzungen ist es wohl nicht weiter erstaunlich, dass die Vorstände der Imkerverbände das Anpflanzen von gentechnologisch veränderten Pflanzen strikte ablehnen. In ihrer Vernehmlassung (http.//www.vdrb.ch/aktuelles/news/news/) ist Folgendes zu lesen: «Sollte der Bundesrat das Moratorium aufheben und eine Legalisierung ins Auge fassen, werden die Imkerverbände in Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Verbänden die möglichen demokratischen Möglichkeiten ausschöpfen, um eine Legalisierung zu verunmöglichen.» Im Klartext bedeutet dies, dass wir notfalls zusammen mit unseren Mitgliedern und andern Gegnern eine Volksinitiative lancieren werden. So weit sind wir in unserer weit über hundertjährigen Verbandsgeschichte noch nie gegangen. Es geht aber schliesslich nicht nur um uns, sondern um die Zukunft der Imkerei, der Bienen und unserer Lebensmittel. Zumindest derjenigen, welche in der Schweiz produziert werden. Dazu gehört auch Schweizer Bienenhonig.
Ich könnte die Situation auch anders formulieren. «Wer, bitte schön, würde in der Schweiz von der Freigabe der Anpflanzung von gentechnologisch veränderten Pflanzen profitieren, ausser ein paar wenigen Industriegiganten?» Ich nehme glaubhafte Gegenargumente gerne entgegen.
Herzlich Ihr
Robert Sieber, robert.sieber@vdrb.ch

Quelle: Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2013