Wider den Kleingeist

Wie die Heuschrecken über das biblische Ägypten kam die Political correctness über die Schweiz

von Dr. Peter Forster, Chefredaktor «Schweizer Soldat»

Das seltsame Gespenst besitzt nicht einmal einen deutschen Namen, so fremd, so weit hergeholt ist es. Aber es existiert – und es zieht unser Land in eine bestimmte, unheilvolle Richtung.
Es begann mit dem Abschuss von Botschafter Jagmetti, einem hervorragenden, unschuldigen Diplomaten: Er fiel der Political correctness und der Feigheit seiner Vorgesetzten kurz vor dem Ruhestand jäh zum Opfer.
Jagmetti hatte in Sachen herrenlose Vermögen von Washington aus vor Gefahren gewarnt, die dann exakt eintraten und unser Land heimsuchten. Hätte der Bundesrat auf Jagmetti gehört, wäre der Schweiz viel erspart geblieben.
Dann kam das unsägliche Kesseltreiben gegen Divisionär Regli, einen vorzüglichen Nachrichtenchef. Ein Lügner und Betrüger stachelte die Medien und die Bundesanwältin derart heimtückisch an, dass der unschuldige Regli über die Klinge springen musste.
Es dauerte geschlagene acht Jahre, bis der Bundesrat Regli zu 100 Prozent rehabilitierte.
Den ultimativen Triumph feierte die schäbige Political correctness gegen Botschafter Borer. Der tüchtige Diplomat Borer hatte im Kampf um die nachrichtenlosen Vermögen die Interessen des Landes unerschrocken gewahrt.
Aber nie hatte er dem Boulevard nach dem Mund geredet. Dafür wurde er von seinem Chef nach einer niederträchtigen Lügengeschichte abgeschossen. Der Jurist Borer widerlegte das Lügengebilde Schritt für Schritt. Der Boulevard-Verleger entschuldigte sich korrekt und überwies Borer eine angemessene Genugtuung.
Politisch erwiesen sich zwei traurige Binsenwahrheiten als hoch wirksam. Weder lässt sich in den Medien «die Zahnpasta in die Tube zurückdrücken, wenn sie einmal draussen ist», noch kann ein Diplomat, ein hoher Offizier oder ein CEO bestehen, wenn seine Vorgesetzten kein Rückgrat haben und unter Druck einbrechen.
Schauen Sie jetzt die Opfer an!
Jagmetti, bürgerlich, liberalkonservativ; Regli, bürgerlich, der Sicherheit der Schweiz verpflichtet, aufrecht, mutig; und Borer, bürgerlich kantig, ein Diplomat, der als erstes nicht immer nur die Menschenrechte anführte, sondern die vitalen Interessen des Landes.
Merken Sie etwas?
Stets trifft die Political correctness Männer, die kantig, furchtlos, unerschrocken bürgerliche Werte vertreten, allen voran die Freiheit und Sicherheit des Landes. Nie trifft der Kleingeist rot-grüne Persönlichkeiten – entsprechende Frauen und Männer könnten in Einerkolonne antreten; doch das bringt nichts.
Längst dient die Political correctness der Linken im Land, die sie im Verbund mit den Alt-68ern in Redaktionen, Schul- und Pfarrhäusern als Waffe gebraucht. Das bigotte Moralin der Anti-Armee-, Anti-Banken-, Anti-Kernkraft-, Pro-Brüssel- und Pro-Gleichmacher-Kräfte ist zum scharfen Instrument geworden. Zu viele ducken sich und ballen die Faust nur noch im Sack.
All diejenigen, die unser Land nicht nach Brüssel und in Alt-68er-Träume abdriften lassen, sind gut beraten, die Political correctness als das zu erkennen, was sie ist: als Waffe des Kleingeists und der Unfreiheit. Und wir müssen zusammenhalten, unbequeme Wahrheiten aussprechen und mit offenem Visier beherzt weiterkämpfen.    •

Quelle: Schweizer Soldat Nr. 5 vom Mai 2013