Der «abgesprochene Verkehrsunfall»

«Dies ist die klassische Art des Versiche­r­ungsbetrugs. Zwei oder mehr Personen verabreden sich, um gemeinsam Fahrzeuge zu beschädigen. Diese Tätigkeit wird in den meisten Fällen an der angegebenen Unfallstelle durchgeführt. Um eine bessere Nachweismöglichkeit zu haben, wird anschliessend die Polizei hinzugezogen. Dabei wird dann den Beamten eine völlig eindeutige Unfallschilderung vorgetragen, damit keine ausführliche Spurensicherung erfolgt.»1
Ein konkretes Beispiel dafür ist der «Rechtsvortritt und Kreiselverkehr».
Dabei wird bewusst eine Örtlichkeit gesucht, bei welcher die Vortrittsregelung eindeutig klar ist. Beliebt sind dabei Kreuzungen mit Rechtsvortritten oder der bekannte Kreiselverkehr. Nachdem zwei Unfallakteure den «Tatort» gefunden haben, wird abgesprochen, wie der Unfall auszusehen hat. Danach werden einige Probefahrten gemacht, um die genaue Kollisionsposition zu finden. In der Folge wird das eine Fahrzeug positioniert bzw. abgestellt, worauf der Vortrittsberechtigte mit seinem Auto in aller Ruhe in das Fahrzeug hineinfährt. Nach Begutachtung des Schadens wird die Poli­zei zur Unfallaufnahme gerufen, um so einen Persilschein für die Versicherungen zu erhalten. Wird bei der Begutachtung des Schadens durch die Akteure ein zu geringer Schaden festgestellt, wird vor dem Herbeirufen der Polizei ein weiteres Mal gegen das Fahrzeug gefahren.
Auch der Kreiselverkehr eignet sich besonders gut für diese Masche. Da das in den Kreisel hineinfahrende Fahrzeug nicht vortrittsberechtigt ist, kann das andere Fahrzeug in aller Ruhe im Kreisel positioniert werden und daraufhin gegen dieses gefahren werden.

1    Weber, Michael. Die Aufklärung des Kfz-Versicherungsbetrugs, S. 7; vgl. König, Ralf, Manipulierte Verkehrsunfälle, S. 43–44
Quelle: Urs Elsener, Diplomarbeit «Manipulierte Verkehrsunfälle», Zürich 2010, S. 15

 

Der «provozierte Verkehrsunfall»

«Bei einem provozierten Verkehrsunfall wird das Fehlverhalten eines anderen ausgenutzt oder sogar herbeigeführt, um einen Zusammenstoss zu provozieren. Die Täter nutzen die ihnen bekannten Besonderheiten der Verkehrsführungen aus, um bei Einbeziehung der zu erwartenden Fahrfehler anderer geschickt eine Unfallsituation zu erzwingen. Dabei wird sehr genau darauf geachtet, dass sich anschliessend eine Unfallszene ergibt, die eine eindeutige Klärung der Schuldfrage ermöglicht. Häufig wird hierzu noch ein Beifahrer als Unfallzeuge mitgenommen.»1
Das konkrete Beispiel «Fahrstreifenwechsel» sieht wie folgt aus:
Dabei suggeriert der Täter dem späteren Opfer seine gute Absicht. Dies, indem er beim Opfer durch Abwarten oder sogar durch eine aktive Handbewegung einen Fahrstreifenwechsel zulässt. Setzt dann das Opfer zum Fahrstreifenwechsel an, beschleunigt der Täter sein Fahrzeug, worauf es unweigerlich zum Zusammenstoss kommt. Auch für den Kreisverkehr eignet sich diese Variante ausgezeichnet. Vor allem während der Stosszeiten gibt es immer wieder Fahrzeuglenker, die einfach in den Kreisel hineinfahren und auf die Rücksicht der anderen Verkehrsteilnehmer vertrauen. Hier müssen die Täter nur ungebremst weiterfahren und schon erreichen sie das gewünschte Ereignis.

1    Weber, Michael. Die Aufklärung des Kfz-Versicherungsbetrugs, S. 7; vgl. König, Ralf, Manipulierte Verkehrsunfälle, S. 50

Quelle: Urs Elsener, Diplomarbeit «Manipulierte Verkehrsunfälle», Zürich 2010, S. 18