«Der Lehrer soll und darf also wieder Steuermann des Lernens sein»!

ds. In letzter Zeit mehren sich die Stimmen, die wieder den Lehrer und die Lehrerpersönlichkeit ins Zentrum der Diskussion über gute Schule stellen. So auch das Buch von Michael Felten: «Auf die Lehrer kommt es an! Für eine Rückkehr der Pädagogik in die Schule» Nach einer langen Zeit der «pädagogischen Deregulierung», gekennzeichnet von Struktur- und Methodendebatten, will das Buch zu einer Wiederbesinnung auf die Kraft des Lehrers – und damit auf die Bedeutsamkeit des Erwachsenen in der Bildungsfrage – anregen. Seine Thesen lauten:
«Der Lehrer ist derjenige, der eine Lerngruppe selbstbewusst und zugewandt führen muss – dazu braucht es aber mehr als gute Arbeitsblätter und einen Laptop-Wagen.
Der Lehrer ist derjenige, der Lernprozesse sinnvoll arrangieren und steuern muss – offene Arbeitsformen dagegen sind nur in wohldefinierten Situationen lernwirksam.
Der Lehrer ist derjenige, der Lernschwierigkeiten auflösen kann – nicht durch Ermässigung in den Anforderungen, sondern durch professionellen Einblick in die Schülerpsyche, im Rahmen einer herzlich-haltenden Beziehung.» Die Schule brauche eine neue Hinwendung zum Pädagogischen – zu Führungsfreude ebenso wie zu Einfühlsamkeit.
Auch bei den Unterrichtsinhalten ergebe sich nach 40 Jahren Bildungsreform ein höchst zwiespältiges Resümee, schreibt Michael Felten und lässt hierzu den früheren Direktor des Max-Planck-Instituts für psychologische Forschung in München zu Wort kommen, der bereits 1999 die «Irrtümer der Schulreformer» ungewöhnlich offen charakterisiert hat: «Sie unterschätzten die Bedeutung der Wissensvermittlung für den Erwerb von Schlüsselqualifikationen; sie überschätzten die Selbstbestimmungsfähigkeit des lernenden Schülers; sie seien bestrebt, ­Lei­­­s­tungsunterschiede zu nivellieren; sie wollten vor allem über schulorganisatorische Veränderungen bessere Lernqualität erzielen.
Tatsächlich könnten die Lernleistungen nur dann steigen, wenn sich die Unterrichtsqualität verbessere; der Unterricht müsse vor allem für ein besseres Verständnis der Inhalte sorgen, und dazu sei stärkere Differenzierung, mehr Abwechslung und weniger Zwischenbenotung vonnöten. Guter Unterricht sei diejenige Art der Lernorganisation, die sowohl intelligentes Wissen vermittle (hierfür sei die Methode ‹direkte Instruktion› am geeignetsten) wie auch Handlungskompetenzen aufbaue (dafür sei angeleiteter Projektunterricht besonders zweckmässig).» (S. 64)
Michael Feltens Buch deckt aber nicht in erster Linie die Irrtümer der Schulreformer auf. Es ist nach vorne gerichtet und gibt Lehrerinnen und Lehrern mit Beispielen und Erläuterungen gute Anregungen für die Gestaltung ihres eigenen Unterrichts. «Der Lehrer soll und darf also wieder Steuermann des Lernens sein.»    •

Michael Felten, Auf die Lehrer kommt es an! Für eine Rückkehr der Pädagogik in die Schule. Gütersloh 2010, ISBN 978-3-579-06882-4

Michael Felten arbeitet seit 28 Jahren als Gymnasiallehrer für Mathematik und Kunst in Köln. Darüber hinaus ist er Autor von Unterrichtsmaterialien, zahlreichen Büchern und pädagogischen Essays in Presse und Rundfunk. Zu seinen Veröffentlichungen zählen: «Kinder wollen etwas leisten» (2000), «Neue Mythen in der Pädagogik – Warum eine gute Schule nicht nur Spass machen kann» (2001), «Schule besser meistern – Kinder herausfordern und ermutigen» (2006), «Schluss mit dem Bildungsgerede! Eine Anstiftung zu pädagogischem Eigensinn» (2012)